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Kesseltal

04.01.2019

Eine große Katze und ein totes Mädchen

Eine große Katze spielt in der Kesseltaler Sage von der „Zauberbraut“ eine entscheidende Rolle.
Bild: Ralf Lienert

Die düstere Sage „Die Zauberbraut“ spielt in einer Freitagnacht im Kesseltal.

In den Tagen rund um den Jahreswechsel widmen wir uns alten Sagen aus dem Landkreis Dillingen. Einige sind einem größeren Leserkreis bekannt, andere kennen nur wenige. In unserer dritten Folge geht es ins Kesseltal zu einem sagenumwobenen Mädchen. Entnommen sind die Erzählungen aus dem Buch „Sagen des Landkreises Dillingen“, das Alois Marb, Hans Bäuml und Martin Griffig im Jahr 1971 im Selbstverlag herausgegeben haben.

In einem Kesseltaldorfe lebte dereinst eine Bauerntochter, die alle Vorzüge besaß, die ein heiratsfähiges Mädchen begehrenswert und würdig machen: Wohlstand, Tugend und vor allem körperliche Schönheit. Die begehrenswerte und tugendsame Perle war auch lange Zeit entsprechend stolz; viele junge Burschen bemühten sich vergeblich um ihre Gunst.

Doch eines Tages kam der Richtige. Wenn er zur Nachtzeit an das Fenster des Mädchens klopfte, ward ihm aufgetan. Aber eines erbat sich die Geliebte von Anfang an: In den Freitagnächten durfte der Bursche sie nicht stören. Anfangs erfüllte er auch ihre Bitte. Aber als sie ihr Verlangen Woche für Woche aufs Neue vorbrachte und sich jedes Mal die Zusicherung geben ließ, in jenen Nächten fernzubleiben, da wurde der junge Mann am Ende stutzig. Er wollte nun endlich den Grund dieses seltsamen Begehrens wissen. Sie habe keinen Grund, antwortete die Schöne etwas verlegen und ärgerlich, aber sie wolle nun einmal in der Freitagnacht unter keinen Umständen von jemand gestört werden. Was lag da für den Liebhaber näher, als Misstrauen zu schöpfen? Die Eifersucht begann ihn zu quälen, und er beschloss, sich Gewissheit zu verschaffen.

Was ging Freitagnacht bei der Bauerntochter vor?

Also begab er sich in der nächsten Freitagnacht unbemerkt zu ihrem Fenster. Da fiel ihm gleich etwas ganz Außergewöhnliches auf. Das Fenster war nicht verschlossen wie sonst, sondern nur leicht angelehnt. Was ging da vor? Den jungen Mann beschlich ein sonderbares Gefühl, ja fast unheimlich kam ihm heute die sonst so vertraute Umgebung vor. Als er wie üblich behutsam an die Fensterscheibe klopfte und das Mädchen leise beim Namen rief, erhielt er keine Antwort. Da stieß er den angelehnten Fensterflügel zurück und begann so laut zu reden, dass das Mädchen selbst aus dem tiefsten Schlaf hätte aufwachen müssen. Aber nichts vernahm er, nicht einmal ihre Atemzüge. Schließlich durchzuckte ihn der Gedanke: Die Gute ist gar nicht da. Vielleicht ist sie sogar aus dem Fenster gestiegen? Die ganze Angelegenheit erschien ihm sehr sonderbar und rätselhaft. Darum schwang er sich kurzerhand durch das offene Fenster und stieg in die Kammer. Hier blieb es still, nichts regte sich. Was sollte er bloß tun?

Der Bursche bekam eine schreckliche Angst

Schließlich zündete er die Tischlampe an. Bei dem Anblick, der sich ihm bot, taumelte er entsetzt zurück. Das Mädchen lag angekleidet auf seinem Lager, aber steif und starr; es musste schon vor Stunden gestorben sein. Da überkam den Burschen eine schreckliche Angst. Er löschte die Lampe und wollte sich auf dem schnellsten Wege davonmachen.

Doch als er jetzt von draußen ein Geräusch vernahm, wich er in die hinterste Ecke des Zimmers zurück. Da erschien plötzlich auf der Fensterbrüstung eine ungewöhnlich große Katze. Sie sprang mit einem Satz in die Kammer herein, direkt auf den Körper des toten Mädchens. In diesem Augenblick gab das Tier einen fahlen Schein von sich. In diesem gespenstischen Licht löste es sich schnell und vollständig auf. Stattdessen war nun auf dem Lager ein leises Stöhnen hörbar, und das Mädchen begann wieder zu atmen.

Langsam kehrte das Leben in den Körper zurück. Auf einmal erhob sich die Totgeglaubte von ihrem Lager, warf sich vor dem Burschen zu Boden und stöhnte: „Verzeih mir und hilf mir! Nur du kannst mir helfen und mich von einer bösen Sache befreien!“ Doch der junge Mann gab keine Antwort, schwang sich aus dem Fenster und rannte in wilder Flucht davon. Das Mädchen war am anderen Morgen aus dem Elternhaus verschwunden und auch im Dorf nicht mehr zu finden. Die Leute im Kesseltal suchten wochenlang nach der Verschollenen. Niemand fand eine Spur. Der Bursche aber schwieg über den Vorfall.

Ein Schäfer erzählte später, er habe das Mädchen einige Zeit darauf in einer Freitagnacht auf einer Wegkreuzung am Waldrand gesehen, als er zu später Stunde zu seinem Pferchkarren unterwegs war. Man glaubte ihm nicht, weil er gerne trank. Aber in der Folgezeit ist die Dorfschöne, immer in einer Freitagnacht, noch manchen anderen begegnet.

Lesen Sie dazu auch unsere weiteren Sagen-Folgen:

Dillingen: Als die Biberstehler im Kloster Maria Medingen einfielen

Lauingen: Ein großer Schimmel rettet den Bürgermeister

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