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Dillingen

30.03.2015

Eine innere Stimme befahl ihm, den Opa zu töten

Am Augsburger Landgericht fiel gestern das Urteil gegen eine 35-Jährigen, der mit dem Messer auf seinen Opa losgegangen war.
Bild: Florian Rußler

Gestern fiel das Urteil gegen den 35-jährigen Enkel. Warum er trotz eines Geständnisses nicht bestraft wurde.

Bis heute kann der 35-Jährige nicht begreifen, was an diesem Tag mit ihm geschehen ist. Warum er am Pfingstmontag 2014 mit einem Messer auf seinen Großvater eingestochen hat, zu dem er eigentlich immer ein gutes Verhältnis hatte. „Ich verstehe selbst nicht, wieso ich in diesem Moment nicht anhalten konnte. Ich bin entsetzt über das, wozu ich fähig war“, sagte er am Montag vor Gericht.

Großvater stirbt an Schwächeanfall

Kurz nach der Attacke durch den Enkel, der seinem Opa nur oberflächliche Schnitt- und Stichverletzungen zufügte, erlitt der herzkranke Mann aus dem östlichen Landkreis einen Schwächeanfall, musste wiederbelebt werden. Doch er erholte sich nicht mehr. Zwei Tage nach dem Angriff war er tot. Wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge musste sich sein 35-jähriger Enkel deshalb vor dem Landgericht in Augsburg verantworten.

Am letzten Prozesstag kamen gestern die Sachverständigen zu Wort. Dabei erklärte der Rechtsmediziner, dass der Großvater schwer krank war. Als Folge seiner Krankheit hätte er jederzeit an einem Herztod sterben können. Trotzdem sei es in der Summe höchstwahrscheinlich, dass die Messerattacke des Enkels Auslöser für den Zusammenbruch war, der letztlich zum Tod führte. „Er war ein schwer kranker Mann, mit dessen Ableben man rechnen konnte. Aber es hätte auch noch ein, zwei Jahre gut gehen können“, erklärte der Sachverständige. Sichtbare Zeichen, dass die Aufregung zum Tod des Großvaters geführt hatte, habe es bei der Obduktion nicht gegeben. Das sei aber auch nicht zu erwarten gewesen. Daneben sagte der Rechtsmediziner auch, dass die Verletzungen des Großvaters wohl nur deshalb nicht schwerer waren, weil das Messer, das sich der Enkel in der Küche gegriffen hatte, ungeeignet war. Es hatte sich bei der Attacke verbogen.

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Ist der Angeklagte schuldfähig?

Doch war der Mann, der angab, beim Baden im Baggersee eine innere Stimme vernommen zu haben, die ihm sagte, er solle seinen Großvater umbringen, zum Zeitpunkt der Tat überhaupt schuldfähig? Das mussten gestern sein behandelnder Arzt in der Psychiatrie und der psychologische Sachverständige klären. Beide attestierten dem Mann, der vor Gericht gesagt hatte, er habe in dem Moment wie eine Marionette gehandelt, eine Form der Schizophrenie. Natürlich, sagt Dr. Richard Gruber, stutze man zunächst, wenn man in der Akte lese, dass ein Angeklagter sagt, innere Stimmen hätten ihm einen solchen Angriff befohlen. „Aber ich habe keinen Zweifel, dass diese Erkrankung bei ihm vorliegt.“ Deshalb habe er seine Handlungen zum Zeitpunkt der Tat kaum oder gar nicht kontrollieren können. So sah es schließlich auch das Gericht unter Vorsitz von Christoph Wiesner. Die Kammer war davon überzeugt, dass der Mann seinen Großvater eigentlich töten wollte, dann aber die Tat abbrach. Und auch davon, dass der Angriff des Enkels die Ursache für den anschließenden Zusammenbruch des Opas war. Schließlich versagte sein Herz nur etwa eine halbe Stunde später.

Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus

Gleichwohl könne das Gericht ihn nicht bestrafen, weil er zum Zeitpunkt der Tat akut psychotisch gewesen sei und seine Handlungen nicht steuern konnte. Das Gericht ordnete stattdessen seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, wo er derzeit schon behandelt wird. Für eine ambulante Behandlung sei es noch zu früh, so Wiesner. Noch sind die Medikamente des 35-Jährigen nicht richtig eingestellt. Damit wäre die Gefahr eines neuerlichen Schubs und eines Angriffs auf andere Menschen zu groß.

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