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Tag der Jugend

12.08.2020

Eine junge Dillingerin spricht über ihr Ehrenamt

Adriana Schwarz (links) und ihre Mutter Tanja Schwarz vor der Rettungswache in Dillingen: Seit sechs Jahren engagieren sich beide ehrenamtlich beim Bayerischen Roten Kreuz. Die Arbeit im Bereitschaftsdienst und die Jugendarbeit sind für sie Ehrensache.

Plus Interview: Die 17-jährige Adriana Schwarz und ihre Mutter, Tanja Schwarz, engagieren sich beide beim Roten Kreuz in Dillingen.

Rund 60 Prozent der Jugendlichen im Landkreis haben keine Zeit oder Lust auf ein Ehrenamt. Das ergab eine Befragung des Augsburger Instituts für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS). Adriana Schwarz ist 17 Jahre alt und macht eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Ihre Mutter, Tanja Schwarz, ist Erzieherin. Beide engagieren sich seit sechs Jahren bei der Bereitschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Bereits seit 32 Jahren ist Bereitschaftsleiter Rainer Kammergruber ehrenamtlich tätig. Im Gespräch mit unserer Zeitung haben sich die drei Dillinger über das Ehrenamt und die Jugendarbeit unterhalten.

Ein Ehrenamt beim Bayerischen Roten Kreuz

Auf der Internetseite des BRK steht, das Engagement soll fordern, aber nicht überfordern. Stimmt das, Adriana?

Adriana Schwarz: Ja, das stimmt. Ich bin Jugendgruppenleiterin und wir führen die „Juniorhelfer“-Ausbildung durch. Die Kinder in der Gruppe sind sechs bis elf Jahre alt. Wir üben mit ihnen zum Beispiel, wie man ein Pflaster richtig anbringt. Ganz einfache Dinge.

Es heißt häufig, dass sich viele Jugendliche zu wenig ehrenamtlich engagieren. Was meinst du?

Adriana Schwarz: In meiner Schulzeit waren viele beim Technischen Hilfswerk oder bei der Wasserwacht. Ich kann natürlich nur von meinem Umfeld sprechen. Wobei ich durch meine Arbeit viele Freunde habe, die in sozialen Berufen arbeiten. Da geht das soziale Engagement oft mit einher.

Wie bist du zum BRK gekommen?

Adriana Schwarz: Ich war in der fünften Klasse bei einer Info-Veranstaltung zum Ehrenamtstag. Das hat mich interessiert. Bei einem Probetag beim Roten Kreuz hat es mir dann so gut gefallen, dass ich wieder kommen wollte. Bis Januar 2019 war ich dann in der Jugendgruppe. Und jetzt bin ich in der Erwachsenenbereitschaft.

Adriana und Tanja Schwarz engagieren sich beim BRK-Kreisverband

Du bist recht früh zur Erwachsenenbereitschaft gewechselt, oder?

Tanja Schwarz: Sie war mit 15 Jahren eine der Jüngsten, die in die Erwachsenenbereitschaft durfte.

Adriana Schwarz: Fünfzehneinhalb!

Wovon ist das abhängig?

Rainer Kammergruber: Die Erwachsenenbereitschaft geht mit 16 Jahren bei uns los. In diesem Alter kann man auch die Sanitäter-Ausbildung beginnen. Zwischen 16 und 18 Jahren beginnt schrittweise der Übergang von der Jugendgruppe zu den Erwachsenen.

Tanja Schwarz: Es wird altersspezifisch geschult. Ich betreue die große Bereitschaftsjugend, da beginnen die Vorbereitungen zur Sani-Ausbildung: Was ist Bluthochdruck? Wie mache ich eine stabile Seitenlage? Nach den Übungsstunden sitzen wir gemütlich zusammen. Das gehört dazu. Die Übungen dürfen nicht einfach noch zwei weitere Schulstunden am Abend sein. Wir wollen zeigen: Das Ehrenamt macht Spaß.

Stichwort Schule und Ausbildung: Wie leicht lässt sich das Ehrenamt damit vereinbaren?

Adriana Schwarz: In der Schule war mein Ehrenamt nie ein Problem. Die Übungsabende finden jeden zweiten Freitag statt. Wenn etwas liegen geblieben ist, habe ich das samstags erledigt. Ähnlich ist es jetzt in der Ausbildung. Ich muss zwar bis 17 Uhr arbeiten, aber mir bleibt trotzdem genügend Zeit, Übungsstunden vorzubereiten und mitzuhelfen.

Hat das Ehrenamt zu deiner Persönlichkeitsentwicklung beigetragen?

Adriana Schwarz: Ich bin definitiv selbstbewusster geworden. Wenn etwas passiert, handle ich und habe keine Angst davor, etwas falsch zu machen. Und es ist schön, Menschen um sich herum zu haben, die für einen da sind. In meiner Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin arbeite ich mit behinderten Menschen. Mein Ehrenamt hilft mir da sehr.

Rainer Kammergruber ist seit 32 Jahren beim BRK

Herr Kammergruber, wenn Sie den Bereitschaftsdienst von damals mit heute vergleichen: Was hat sich verändert?

Kammergruber: Die Arbeit ist anspruchsvoller geworden. Wir haben modernere Gerätschaften als damals. Das Ausbildungssystem hat sich grundlegend verändert. Von uns als ehrenamtliche Sanitäter wird mehr erwartet. Viele haben die gleichen Qualitätsansprüche an uns wie bei einem hauptamtlichen Sanitäter mit dreieinhalb Jahren Berufsausbildung. Wir haben im Erwachsenenbereich mindestens einmal in der Woche eine Fortbildungseinheit, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Das muss man mit dem Beruf und Privatleben unter einen Hut bekommen. Und die Zeit ist mit den technischen Möglichkeiten viel kurzlebiger geworden. Die Anfragen von vielen Veranstaltern kommen kurzfristiger.

Bereitschaftsleiter Rainer Kammergruber vom BRK Kreisverband Dillingen.
Bild: Horst von Weitershausen (Archiv)

Adriana, wie sieht für dich ein typischer Einsatz aus?

Adriana Schwarz: Es gibt einen Einsatzplan, in den man sich eintragen kann. Manchmal kommt auch kurzfristig eine Whatsapp-Nachricht, ob man Zeit hat. Ich ziehe dann meine Uniform an, treffe mich mit den anderen an der Rettungswache, und der Einsatz wird besprochen. Einen typischen Einsatz gibt es aber nicht. Ich bin ja noch 17 Jahre alt und laufe bei den Diensten nur als Praktikantin mit.

Kammergruber: Unsere Hauptaufaufgaben sind der Katastrophenschutz und die Sanitätswachdienste, zum Beispiel auf Veranstaltungen. Beim Rettungsdienst kann man als Ehrenamtlicher ebenso mitfahren.

Gibt es einen Schwund im Jugendbereich?

Adriana Schwarz: Nein, in der Jugendbereitschaft steigt die Anzahl an Mitgliedern sogar an. Wir haben zurzeit um die 20 Kinder und Jugendliche.

Kammergruber: Allgemein ist das Engagement groß. Die Bereitschaft hat momentan 112 Mitglieder aus dem gesamten Landkreis. Für die Größe der Stadt Dillingen braucht man sich damit nicht zu verstecken. Es gibt sogar Mitglieder, die extra aus Ulm und Heidenheim kommen, um hier mitzumachen.

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