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Kreis Dillingen

25.01.2019

Eine kostenlose Entlastung für Zuhause

Nicht nur, aber auch für Alleinerziehende können Familienpaten eine gute Unterstützung sein. Das Angebot ist kostenlos. Familienpaten arbeiten ehrenamtlich und vertraulich. Im Landkreis Dillingen bietet der Kinderschutzbund die Vermittlung von Familienpaten an.

Der Kinderschutzbund vermittelt Familienpaten. Gerade sind Kapazitäten frei.

Die Kosten für die Jugendhilfe im Landkreis Dillingen steigen. Woran liegt das? Auf der Suche nach Gründen sind wir auf die Vielfalt von Hilfen für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern gestoßen. Diese stellen wir in einer losen Reihe vor.

Einfach mal nichts tun, wann kann eine Mutter das schon? Ein Buch lesen. Ein Nickerchen machen. Nicht mit den Hausaufgaben der Kinder, dem Haushalt oder dem Mittagessen beschäftigen, sondern die Hände in den Schoß legen? Familienpaten können so eine Auszeit ermöglichen. Das Angebot vom Kinderschutzbund des Landkreises Dillingen gibt es seit rund sieben Jahren. Es ist kostenlos und vertraulich und für Familien gedacht, die Unterstützung brauchen. „Ob bei Alltagsentscheidungen, im Haushalt, oder zum Zuhören“, erklärt Verena Sporer. Sie koordiniert die Familienpaten. Elf Ehrenamtliche gibt es zurzeit, die fünf Familien betreuen. „Wir haben also gerade Kapazitäten“, sagt die junge Frau. Sie kennt auch Phasen mit Wartelisten für Familienpaten. Diese besuchen einmal pro Woche eine Familie. Es gibt einen zeitlichen Rahmen, der zusammen mit dem Paten, der Familie und Verena Sporer abgesteckt wird. Nach einem halben Jahr wird gemeinsam eine Zwischenbilanz gezogen.


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Verena Sporer
Bild: Cordula Homann


Die Ehrenamtlichen besuchen zum Beispiel Familien, wo es psychosoziale Probleme gibt, es Ängste, oder Unsicherheiten gibt, oder wo Zwillinge zur Welt gekommen sind oder zwei kleine Kinder nur ein Jahr auseinander sind. Sie springen ein, wenn die Mutter krank ist, wenn es Verhaltensauffälligkeiten bei einem Kind gibt oder unterstützen Flüchtlinge. „Auch als Hausaufgabenhilfe sind sie im Einsatz. Das ist mit einer externen Person oft einfacher, als mit der Mama“, weiß Verena Sporer. Das Angebot sei niederschwellig, jeder könne es in Anspruch nehmen – egal, wie alt die Kinder sind. Warum werden dann nur fünf Familien betreut? Vielleicht, vermutet Sporer, weil viele das Angebot nicht kennen oder Angst davor haben, dass ihre Probleme zum Jugendamt getragen werden. Doch die Familienpaten unterliegen der Schweigepflicht. Der Grundsatz der Vertraulichkeit sei oberstes Gebot. Vielleicht hätten manche auch Hemmungen, einen Fremden in ihre Familie zu lassen.

Die Familienpaten haben eine 36-stündige Ausbildung an drei Wochenenden hinter sich. Nähe und Distanz gleichermaßen seien in der Zusammenarbeit mit einer Familie wichtig. Alle sechs Wochen tauschen sich die Ehrenamtlichen mit ihrer Koordinatorin aus, es gibt Supervisionen und Fortbildungen. „Ein Familienpate braucht Empathie und Zeit, die er gern schenkt“, sagt die Koordinatorin. Auch Männer seien dafür geeignet – doch bislang gibt es im Kreis der Dillinger Familienpaten noch keinen.

„Es gibt in jeder Familie Höhen und Tiefen“, betont Verena Sporer. „Da dürfen Familien Ja sagen zur Hilfe. So eine Zuwendung durch einen Paten ist doch toll.“ Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes im Landkreis Dillingen, Birgit Erdle, schildert ein Beispiel: Die Mutter dreier Kinder erkrankte an Krebs, der Vater, Lastwagenfahrer, versuchte die Kinder dann, von unterwegs aus per Handy zu erziehen. „Das ging nicht gut. Da können wir helfen.“ Doch es muss keine Ausnahmesituation sein, ergänzt Sporer. Familienpaten könnten einer Mutter auch mal Zeit für sich ermöglichen. Um sich ins Bett zu legen, Mails zu checken oder eben nichts zu tun.

Kontakt Die Familienpaten vermittelt der Kinderschutzbund, Verena Sporer, Telefon 015222785588. Über sein vielfältiges Angebot informiert der Kinderschutzbund im Internet unter www.kinderschutzbund-dillingen.de

Lesen Sie dazu auch unsere anderen Folgen über die Jugendhilfe im Landkreis Dillingen:

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