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Bissingen

13.05.2015

Einst Schäfflerei, jetzt Kelterei

In dritter Generation führt Firmeninhaber Karl Huber zusammen mit Ehefrau Birgit die Fruchtsaft- und Fruchtweinkelterei Huber in Bissingen.
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In dritter Generation führt Firmeninhaber Karl Huber zusammen mit Ehefrau Birgit die Fruchtsaft- und Fruchtweinkelterei Huber in Bissingen.
Bild: Helmut Herreiner

Seit 85 Jahren hat Familie Huber ihren Betrieb in Bissingen. Das wird gefeiert.

Von Helmut Herreiner

Bissingen Ein traditionsreicher Bissinger Handwerksbetrieb feiert sein 85-jähriges Firmenjubiläum: die Fruchtsaft- und Fruchtweinkelterei Karl Huber. Die Angebotsschwerpunkte der Firma haben sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings deutlich verändert und werfen damit auch ein Schlaglicht auf den gesellschaftlichen Wandel in den vergangenen Jahrzehnten.

1930 wurde die Firma von Johann Huber, dem späteren langjährigen Zweiten Bürgermeister von Bissingen, als Lohnmosterei und Schäfflerei gegründet. Das Herstellen von Most aus gekeltertem und vergorenem Apfel- und Birnensaft, schon den Kelten vor mehr als 2000 Jahren bekannt, war wie in anderen Regionen insbesondere auch auf der Schwäbischen Alb mit ihren vielen Streuobstwiesen seit Jahrhunderten geschätzt, weil man den Most als Süßmost oder als alkoholhaltiges Getränk preisgünstig herstellen konnte. Nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg und der Gefangenschaft führte Huber die Mosterei und Schäfflerei weiter. Nach der Übergabe an seinen Sohn Karl Huber erweiterte dieser 1972 den Mostereibetrieb um die Fruchtsaftherstellung. Diese wiederum wurde von Karl Huber senior und seinem Sohn Karl, der den Betrieb seit 16 Jahren in dritter Generation führt, kontinuierlich auf den heutigen modernen Stand ausgebaut.

Neben Mosterei und Kelterei umfasst das Angebot der Firma seit mehr als 30 Jahren auch einen Weinfachhandel, einen Getränkemarkt und eine Brennerei. Die Schäfflerei, die der Firmengründer Johann Huber einst als wichtiges Standbein seines Betriebes mit Leidenschaft noch mitbetrieb, war damals zum Ende der Siebziger- und Beginn der Achtziger-Jahre bereits ein aussterbendes Handwerk, was Karl Huber senior stets bedauerte. Die billigeren und praktischeren Plastik- und Aluminiumfässer hatten die alten Holzfässer überflüssig gemacht.

Karl Huber senior, der in den Fünfziger-Jahren eine Schäfflerlehre absolviert hatte, bedauerte dies in einem Artikel in der Donau-Zeitung 1996: „Früher habe ich etwa 100 Mostfässer im Jahr hergestellt, heute mache ich gerade noch eines. Und Reparaturen eben. Der Schäffler-Beruf stirbt aus, da sehe ich keine Chance mehr.“ Von Fassdauben, eisernen Fassringen und dem Ausschwefeln von Holzfässern ist heute bei der Firma Huber längst keine Rede mehr. An das einstige Handwerk erinnern am ehesten noch die paar Wochen im September und Oktober, wo die Lohnmosterei – allerdings mit modernen Maschinen – weiter betrieben und von einem großen Kundenkreis geschätzt wird. Im Jahre 2000 wurde der Betrieb noch einmal umgebaut und auf den neuesten Stand der Technik gebracht, um eine schonende Behandlung der Früchte und eine hohe Qualität des erzeugten Saftes zu gewährleisten. Verarbeitet werden in erster Linie Äpfel, aber auch Birnen, Zwetschgen und Weintrauben. Mehr als eine halbe Million Liter werden in guten Jahren bei der Fruchtsaftkelterei Huber gekeltert, sagt Firmeninhaber Karl Huber. Rund 30 verschiedene Saftprodukte werden abgefüllt.

Anlässlich des 85-jährigen Gründungsjubiläums findet am morgigen Himmelfahrtstag, 14. Mai, auf dem Firmengelände eine Wein- und Fruchtsaftverkostung mit großer Tombola statt. Bei dem Tag der offenen Tür können die Besucher auch den gesamten Betrieb einschließlich der Abfüllanlage, der Branntweinbrennerei und dem Tanklager besichtigen.

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