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Bissingen

04.10.2019

Eltern alarmieren: Diese Bushaltestelle ist für Kinder gefährlich

Dieses Bild entstand vor wenigen Tagen frühmorgens um 7.04 Uhr in Bissingen. Von Montag bis Freitag hält dort jeden Tag der Bus, der die Schüler zum Unterricht nach Dillingen bringt. Die Schüler, so der Vorwurf betroffener Eltern, müssen dazu die gefährliche Straße überqueren.
Bild: Brigitte Nettel

Plus Seit vielen Jahren machen einige Eltern in Bissingen auf eine echte Gefahrenstelle aufmerksam, wie sie sagen. Was Landratsamt und Gemeinde dazu sagen.

Morgens, Anfang Oktober. Beim Zieglerhof, wo die Ausfahrt von Hochstein und gegenüber von Göllingen her in die Kreisstraße zwischen Bissingen und Warnhofen mündet. Gegen 6.20 Uhr und 7.04 Uhr stehen dort Kinder bereit. Montag bis Freitag. Denn dort ist eine Bushaltestelle, und die Schüler warten auf den Bus, der sie zum Unterricht nach Dillingen bringt. Sie kommen aus Hochstein und müssen erst die Kreisstraße überqueren, bevor sie in den Bus einsteigen können, der auf der Fahrbahn hält. Und genau das ist der Knackpunkt. Eine echte Gefahrenstelle, wie betroffene Eltern sagen. Gerade in diesem Bereich holen die Fahrzeuge so richtig Schwung, bevor sie den lang gezogenen Berg hinauffahren, überholen den stehenden Bus dann auch gleich. Diejenigen, die Richtung Bissingen hinab unterwegs sind, nehmen den Schwung mit, fahren nicht weit vor der Bushaltestelle aus der Kurve vom Wald heraus, schildern die Eltern bei einem Termin vor Ort. Eine von ihnen ist Simone Thillmann. Ihre Tochter Emely steht dort auch jeden Morgen. Die 13-Jährige sagt, dass sie mittlerweile keine Angst mehr habe. „Nicht mehr“, ergänzt die Mama. Emely habe sich daran gewöhnt, dass sie oft mehrere Minuten warten muss – auch wenn’s pressiert. Denn sie weiß: „Die kommen mit so einer Geschwindigkeit aus der Kurve und schießen an mir vorbei.“

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Eltern stehen mit dort oder fahren Kinder in die Schule

Christine Nettel, eine weitere Mutter, bestätigt: „Wenn ich hier mit dem Auto herausfahren will und sehe, es ist frei, ist schon ein Auto hinter mir, wenn ich rausfahre.“ Manches Mal nimmt sie die Kinder auch mit, wenn sie zur Arbeit fährt. Dass sie mit ihnen wartet, das wollen sie nicht mehr. Außer vielleicht, wenn es regnet, dann ist sie das „mobile Bushäuschen“, sagt sie und zeigt auf das aus Holz, das auf Hochsteiner Seite und so weit weg steht, dass die Kinder es nicht schaffen, schnell genug zur und über die Straße zu kommen, wenn sie den Bus von Bissingen her fahren sehen. Der sieht sie auch nicht unbedingt, da sind ja auch noch die Lkw und Autos, die entgegenkommen und ihn überholen, erzählt Nettel. Emely bestätigt: „Der ist schon vorbeigefahren.“

Zwei Kinder stehen da

Zwei Jungs und zwei Mädels, zwölf und 13 Jahre sind sie alt, stehen derzeit an jedem Schultag hier. Die Eltern könnten sie auch nach Bissingen zur Haltestelle fahren, wie das die Eltern von mehreren anderen Kindern machen.

Doch das kann nicht die Lösung sein, stellt Josef Oberfrank klar. Er wohnt am Zieglerhof und macht schon viele Jahre auf die Situation aufmerksam, die aufgrund des zunehmenden Verkehrsaufkommens immer schlimmer wird. Eine weitere Gefahr: Wer das Kesseltal kennt, der kennt auch den Nebel, der die Sicht trübt. Ganz zu schweigen vom Winter, wenn der Bus bei Schnee bergauf anfahren muss. Nicht einmal ein Hinweisschild weise auf die Bushaltestelle hin, sagt Oberfrank verärgert, und: „Wenn Frösche über die Straße hüpfen, wird die Geschwindigkeit begrenzt. Wenn Kinder über die Straße gehen, spielt das keine Rolle.“ Auch denen, die rausfahren wollen, würde eine Geschwindigkeitsreduzierung helfen.

In diesem Bushaltehäuschen können die Bissinger Schüler warten. Der Bus hält an der Straße, dazu müssen die Kinder diese überqueren, um einsteigen zu können.
Bild: Brigitte Bunk

Bei einer Begehung mit der Polizei habe es geheißen, die Einsicht betrage 200 Meter, das ist in Ordnung. In diesem Zusammenhang wurde der Vorschlag gemacht, dass eine Wendeplatte gebaut werden könnte auf Hochsteiner Seite. Doch das ist für Papa Matthias Nettel auch nicht die Lösung des Problems: „Wenn Kinder aus Göllingen kommen, müssen diese die Straße überqueren.“ Einen großen Packen Blätter zeigt Nettel, E-Mails, die er zu diesem Thema geschrieben und Antwort erhalten hat. Mitte März 2018 dachten die Eltern, dass die Lösung des Problems in Sicht sei. Da bekamen sie vom Landratsamt die Mitteilung, dass die Bushaltestelle verlegt wird und künftig die zwei bestehenden im Ort angefahren werden. „Da es sehr aufwendig ist, die Linie zu ändern, braucht es allerdings noch etwas Zeit, sodass der Zeitpunkt leider noch nicht feststeht.“ Als sich Anfang des neuen Schuljahrs – also vor einem guten Jahr – nichts tat, fragte er bei der RBA nach, wo von einer Änderung nichts bekannt war. Bis heute hat sich nichts getan, und er sagt: „Ich möchte nicht in der Haut der Zuständigen stecken, wenn doch was geschieht.“ Unfälle an dieser Stelle gab es durchaus, zum Glück nie, wenn Kinder dort standen, betonen die Eltern.

Das sagt die Bissinger Verwaltung

Der Schriftverkehr ist in den vergangenen Jahren mit Mitarbeitern im Landratsamt Dillingen geführt worden. Auf Anfrage unserer Zeitung teilt die Behörde Folgendes mit: „Die Verlegung der Haltestelle Hochstein von der Kreisstraße in den Ort ist sowohl fahrplanmäßig als auch fahrtechnisch möglich. Voraussetzung dafür ist, dass die zusätzlichen Kosten für die Änderung des Fahrweges von der Marktgemeinde Bissingen übernommen werden.“ Arne Spahr, Geschäftsstellenleiter in Bissingen, bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass die Gemeinde vom Landratsamt über „das Anliegen eines Bürgers bezüglich der Verlegung der Schulbushaltestelle in Hochstein aufgrund Bedenken wegen der Verkehrssicherheit informiert wurde“. Eine Verkehrsschau habe zwischenzeitlich stattgefunden und es wurden Gespräche zwischen dem Landratsamt und Vertretern der Schwabenbus GmbH geführt zwecks alternativer Fahrtwege des Schulbusses. Spahr: „Eine mögliche Fahrplanänderung wurde dem Markt Bissingen vom Landratsamt aufgezeigt. In einer der kommenden Sitzungen wird sich der Gemeinderat mit dem Thema befassen.“

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