Newsticker
Schule und Corona: Bayern verschiebt alle Abschlussprüfungen
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Eltern wehren sich gegen Maskenpflicht für Grundschüler

Landkreis Dillingen

27.10.2020

Eltern wehren sich gegen Maskenpflicht für Grundschüler

Unterschriftenlisten gegen die Maskenpflicht für Grundschüler haben am Dienstagnachmittag (von rechts) Michaela Milojevic und Armin Keiß an die Landratsamts-Mitarbeiter Andreas Winter und Christa Marx übergeben. Landrat Leo Schrell war in der Bürgermeister-Dienstbesprechung.
Bild: Berthold Veh

Plus Im Landkreis Dillingen sammeln Eltern seit Montagabend Unterschriften gegen die Maskenpflicht im Unterricht für Grundschüler. Woran sich die Kritik entzündet.

Es sei eine lose Vereinigung von Eltern, betont Armin Keiß aus Zöschingen eingangs. Seit Montag sammeln er und einige Mitstreiter online Unterschriften. Sie wollen die Maskenpflicht für Grundschüler im Unterricht abschaffen. „Landrat Leo Schrell soll die Allgemeinverfügung revidieren – wie das auch andere Landkreise gemacht haben“, erklärt er.

Er weiß vom Covid-19-Fall an der Gundelfinger Grundschule (siehe dazu auch den Bericht unten). Doch weiterführende Schulen seien eher betroffen. Insofern fehle den Eltern die Verhältnismäßigkeit. Man könne zur Pandemie stehen, wie man will; für die Kinder in der Grundschule sei das Maskentragen im Unterricht unverhältnismäßig. „Wir haben massive Bedenken um die Gesundheit unserer Kinder, wenn sie im Unterricht Masken tragen müssen.“ Keiß ist selbst Vater von drei Kindern. Das älteste geht in die erste Klasse.

Hochbetrieb herrschte am Dienstagnachmittag im Testzentrum des Dillinger Gesundheitsamts in der Weberstraße. Dort wurden die Kapazitäten erhöht, es können täglich bis zu 200 Menschen auf Covid-19 getestet werden.
Bild: Berthold Veh

Eine Menge Unruhe im Landkreis Dillingen

Am Montag war es im Landkreis Dillingen zu Unruhen gekommen: Am Vormittag waren die Grundschulen darüber informiert worden, dass sie ab Dienstag ihre Klassen teilen sollen. Die Schulleiter versuchten, das zu organisieren. Dazu gehörte auch, die Eltern darüber zu informieren, wann ihre Kinder diese Woche den Unterricht besuchen. Am Nachmittag revidierte der Landrat diese Entscheidung. Da war der Unterricht längst aus. Auf der Facebookseite von Leo Schrell äußerten dann auch einige Betroffene ihr Unverständnis darüber.

Auch in der Bürgermeisterdienstbesprechung am Dienstagnachmittag im Dillinger Stadtsaal gab es Kritik. Kreisarchivpfleger Helmut Herreiner sollte einen Notfallverbund für Archive vorstellen. Der Schulleiter der Höchstädter Grund- und Mittelschule kam jedoch nicht umhin, vorab noch ein paar persönliche Worte an die Bürgermeister und Landrat Leo Schrell zu richten. „Niemand sitzt hier, den das Thema Schule nicht bewegt.“ Elfeinhalb Stunden war Herreiner am Montag für die Schule im Einsatz. Unterbrochen von zwei Glas Wasser und zwei Cappuccino. „Neun von diesen elfeinhalb Stunden gehörten den Themen Maskenpflicht und Abstandhalten. Und so geht es all meinen Kollegen.“ In der vergangenen Woche fehlten Herreiner in der Hochphase acht Lehrer, krank, schwanger oder in Quarantäne. Personal- und Raumressourcen stoßen an ihre Grenzen. Und dann noch das: Morgens wurde Schülern und Eltern gesagt, die Klassen würden ab Dienstag geteilt, und am Nachmittag kam die „Rolle rückwärts.“

Mehr als 500 Unterschriften sind zusammengekommen

„Ja, die Aktion am Montag sorgte für Konfusion“, sagt auch Keiß. Ein Auslöser für die Unterschriftenaktion der Eltern war sie nicht. Die war schon am Montagvormittag gestartet. 23 Stunden später waren mehr als 500 Unterschriften zusammengekommen. Laut Keiß gibt es eine Öffnungsklausel in der Verordnung, die es Landkreisen ermöglicht, von der Maskenpflicht an Schulen abzusehen. Regierungsdirektor Peter Alefeld vom Dillinger Landratsamt hatte am Montag erklärt, nach zwei größeren Corona-Ausbrüchen in Grundschulen im Landkreis bestünde keine Veranlassung, die Verordnung zu ändern. Ganze Klassen seien aufgrund eines Falles unter den Mitschülern in Quarantäne (wir berichteten).

Am Montagnachmittag fand zunächst eine Eilversammlung der Eltern am Dillinger Landratsamt statt. Dort wurden die Unterschriftenlisten überreicht. Laut Keiß hatte Schrell persönlich dafür keine Zeit. Anders als Landtagsabgeordneter Georg Winter, der die Betroffenen danach in seinem Höchstädter Büro empfangen und die Listen mit in den Landtag nehmen wollte. Ein Dillinger, der anonym bleiben will, hat eine Tochter in der ersten Klasse – und ebenfalls an der Unterschriftenaktion teilgenommen. Für ihn ist die Maskenpflicht eine Zumutung für die Grundschüler. Diese hätten Schwierigkeiten, ihre Lehrer und Mitschüler durch die Masken zu verstehen. „Die Kinder sind oft zu schüchtern und sagen nicht, wenn sie etwas nicht verstanden haben.“ Seine Tochter hätte das Masketragen stark verinnerlicht, obwohl sie den Mundschutz „blöd“ fände. Über Kopfschmerzen oder Übelkeit hätte sie sich noch nicht beschwert.

Michaela Milojevic aus Bachhagel ist Mutter eines Sechsjährigen. Sie will klarstellen, dass sie keine Verschwörungstheoretikerin sei. Sie mache sich nur Sorgen um die Grundschüler. Gestik und Mimik seien besonders wichtig für die Schulanfänger. Mit dem Tragen der Masken in den Schulgängen habe sie kein Problem. Die Maßnahmen gehen ihr nun zu weit: „Die Maske gehört nicht in den Unterricht.“

Eine weitere betroffene Mutter bittet darum, doch mal die Kinder zu fragen, wie es ihnen mit der Maske geht. Und den Schulleitern mehr Freiheiten einzuräumen, individuelle Entscheidungen zu fällen. „Die Einrichtungen sind so bemüht, alles richtig und es allen recht zu machen, können es aber nicht.“

Landrat Schrell: Ausnahmen sind nicht möglich

Landrat Schrell äußerte sich bei der Bürgermeisterdienstbesprechung ebenfalls zur Maskenpflicht an Grundschulen. Er betonte, dass der Freistaat Bayern die Maskenpflicht anordne. Vergangene Woche hätten die Landkreise noch Ausnahmen machen können. Seit dem Wochenende sei es damit vorbei. Nun müsse der Landkreis einen Antrag stellen. „Aber das erscheint mir völlig aussichtslos“, sagte der Landrat, „wir haben mehrere Coronafälle an den Grundschulen im Kreis.“ Außerdem könne man das Infektionsgeschehen nicht nur zu einer Einrichtung oder einer Gegend zuordnen. Im Schulbereich verzichte man auf den Abstand von 1,5 Metern, jedoch mit der Maßgabe, eine Maske zu tragen, so Schrell. Nach den Herbstferien sehe man weiter. Jede Prognose vorab sei nicht serös. „Aber ich bin mir sicher, dass wir mit der aktuellen Entscheidung argumentativ auf der richtigen Seite liegen“.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:

Lieber Maske im Unterricht tragen als Homeschooling

Lesen Sie dazu auch:


Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

27.10.2020

Ich kann nicht verstehen, wie man sich über ein Stück Stoff so aufregen kann. Ich habe auch ein Kind, das derzeit in Quarantäne ist. Gott sei Dank ist er negativ. Die Maske ist für alle störend, aber wenn es uns schützt bzw. andere, dann sollten wir das hinnehmen. Wenn wir an Weihnachten ohne Familie unterm Baum sitzen, ist das Gejammer groß. Man sieht doch, dass auch jüngere Kinder das Virus weitertragen können. Was soll da anderes helfen außer eine Maske?

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren