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Eppisburg

23.10.2019

Eppisburg wählt schon vor der Wahl

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Braucht Eppisburg eine Ortsumfahrung? Das Thema zog die Bürger in den Festsaal. In die kontroverse Diskussion schaltete sich auch Gemeinderat Rainer Egger (rechts, stehend) ein.
Bild: Günter Stauch

Plus In der Frage um die Notwendigkeit einer Umfahrung könnte es jetzt ernst werden. Eppisburger können dazu ihre Stimme abgeben.

Gibt es jetzt die Entscheidung für oder gegen eine Umgehungsstraße? Ein halbes Jahr vor den mit Spannung erwarteten Kommunalwahlen sollen die Eppisburger bereits ihre Stimme abgeben können zu einem Thema, das die Gemüter des Ortes seit mehr als drei Jahrzehnten bewegt. So teilte Bürgermeister Erhard Friegel bei einer Einwohner-Versammlung im großen Festsaal mit, dass im Rahmen einer Bürgerbeteiligung noch vor Allerheiligen über die höchst umstrittene Trasse per Wahlzettel abgestimmt werden könne. Allerdings ohne bindende Wirkung und nur mit einem informativen Signal an die letztendlich maßgeblichen Bürgervertreter im Rat der Gemeinde.

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Eine Woche Bedenkzeit für die Bürger

Dies und vor allem die Gestaltung des „Wahlzettels“, der jedem Wahlberechtigten per Post zugestellt werden soll und eine Woche Bedenkzeit des Bürgers vorsieht, gab genügend Stoff für eine rund zweistündige hitzige wie engagierte und äußerst sachlich geführte Debatte. Dort, wo sonst zur Narrenzeit eher der Bär steppt, kamen Menschen mit sehr unterschiedlichen Ansichten zur Verkehrssituation zu einem ernsten und nachdenklich machenden Termin zusammen.

Einigkeit herrschte zu Beginn der insgesamt kontrovers geführten Debatte lediglich bei der Bestandsaufnahme: „Unsere Ortsdurchfahrt fällt leider durch zahlreiche Negativfaktoren auf“, stellte Sitzungsleiter Friegel in einer Umschreibung die missliche Lage der kurvigen, steilen und risikoreichen Strecke mit ihrem mangelhaften Straßenbelag fest. Dabei gab es bei den rund 130 Besuchern kaum Widerspruch, auch wenn ein Gast die Angaben der Verkehrszählung gleich zu Beginn Zweifel anmeldete: „Woher stammen die Zahlen? Wurde da nicht doppelt und dreifach registriert, etwa beim Transport von Kindern und Schülern, um die Dringlichkeit der Maßnahme herbeizureden?“

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"Das ist noch kein konkretes Konzept"

Mehr Aufruhr im vollen Raum erregten da schon Form und Inhalt der Stimmabgabe zum Bau einer Umfahrung, die laut Vorplanungen seitens des Staatlichen Bauamtes Krumbachs im Norden der Kommune verlaufen soll. „Das ist aber noch kein konkretes Konzept“, betonte ein den ganzen Abend geduldig wie aufmerksam zuhörender Rathauschef.

Die omega-förmige Trasse führt über rund drei Kilometer um den Ort und soll knapp acht Meter breit ausfallen – mit Wirtschaftswegen auf beiden Seiten.

Letztere konnten die künftig möglichen Nutzer aber kaum besänftigen, zu groß zeichnet sich schon jetzt der Widerstand betroffener Landwirte und Grundbesitzer ab. „Ich darf dort wegen des Wiesenbrüterschutzgebiets nicht mal eine Schaufel fallen lassen, aber eine große Straße kann errichtet werden“, zürnte einer und wollte in dem Projekt einen Gegensatz zum Trend im ganzen Freistaat nach Eindämmung von „Flächenfraß“ erkennen.

Kritik an "verkürzten" Formulierungen

Deshalb kritisierte ein Kollege die „verkürzten“ Formulierungen auf dem Abgabeformular mit Beschränkungen auf ein „Ja“ oder „Nein“. Dies würde nämlich, so eine Frau, nichts über die „Zerstörung von Grundstücken“ und den dahinterstehenden Menschenschicksale aussagen.

Apropos: Die entscheidende Frage muss nach den eindringlichen Worten des Bürgermeisters jetzt beantwortet werden, „sonst wird das nichts mehr mit der Entlastung des innerörtlichen Lebens“. Man könne die Sache nicht mehr länger vor sich herschieben. Daher wandte sich ein Anwohner der Ritter-von-Eppo-Straße in einem leidenschaftlichen Appell an die Zuhörer, „bitte bei der ganzen Diskussion um Für und Wider nicht unsere Sorgen und Nöte als geplagte Anwohner“ zu vergessen.

Sein Tischnachbar: „Dieses Gescheppere schon am frühen Morgen, ist einfach nur noch furchtbar.“ Schon morgens um drei Uhr würden die großen Baustellenfahrzeuge kommen, um sechs Uhr stünden Schulkinder am Straßenrand. Das weiß auch Gemeinderat Rainer Egger, der als einer von acht anwesenden Bürgervertretern beherzt in die Diskussion eingriff, nachdem die Rolle des wichtigsten Gremiums in einer Kommune kritisiert wurde: „Wir haben sehr wohl eine Meinung dazu, aber bei einer Bürgerversammlung ist nun mal Euer Wort gefragt.“ Auch Holzheims erster Mann im Ort ließ aufkommende Zweifel am Vorgehen an sich abperlen. „Bevor wir uns nicht eindeutig dafür oder dagegen aussprechen, passiert da gar nichts“, antwortete Erhard Friegel auf die Feststellung im Saal, dass ein Vertreter der Behörde fehle.

Einen Fuß in die geöffnete Tür bekommen

Und: „Wir müssen jetzt einen Fuß in die geöffnete Tür bekommen“, betonte er und wusste sich aufgrund von vielen Gesprächen vor Ort mit der Mehrheit dort einig: für die Umgehung.

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