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Heimatgeschichte 

04.03.2018

Erinnerung und Appell für eine friedliche Zukunft

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Eröffnung der Ausstellung „Die Sudetendeutschen“ in der Schalterhalle der Sparkasse Dillingen. Im Bild (von links): Sparkassenvorstandsvorsitzender Thomas Schwarzbauer, Schirmherr Landrat Leo Schrell, Dillingens Zweiter Bürgermeister Franz Jall, Dr. h.c. Bernd Posselt, Kreisobmann Josef Endres, Obmann Günther Mayer und Sparkassenvorstandsmitglied Martin Jenewein.
Bild: Pawlu

Die Sudetendeutsche haben in Dillingen eine Ausstellung eröffnet

Die Schrecklichkeit der beiden Weltkriege, der Tod von Millionen Menschen und die Vertreibung der Ostdeutschen aus ihren angestammten Siedlungsgebieten wurden verursacht durch den Nationalismus im 19. und 20. Jahrhundert. Heute muss es darum gehen, dem überall aufkeimenden neuen Nationalismus entgegenzutreten. Diese Auffassung vertrat Dr. h.c. Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, bei der Eröffnung der Ausstellung „Die Sudetendeutschen“ in der Schalterhalle der Sparkasse Dillingen. Bis zum 16. März wird dort auf 20 Bannern über die Geschichte, Kultur, Vertreibung und Leistung der Sudetendeutschen informiert.

Die Organisation der Wanderausstellung übernahm die Ortsgruppe Dillingen-Höchstädt der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Obmann Günther Mayer begrüßte zu Beginn der Eröffnung eine lange Reihe prominenter Besucher. Sparkassenvorstandsvorsitzender Thomas Schwarzbauer und Landrat Leo Schrell als Schirmherr hätten zusammen mit Helfern und Unterstützern dafür gesorgt, dass die Dokumentation in Dillingen gezeigt werden kann. Mayer wertete die Bild- und Texttafeln als einen Impuls, an Schicksal und Überlebenswillen der Sudetendeutschen zu erinnern, aber auch als Ermutigung, „nach vorne zu schauen“.

Diese Intention vertrat auch Landrat Leo Schrell. Künstler, Schriftsteller, Komponisten und Wissenschaftler aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien hätten die deutsche Gesamtkultur entscheidend mitgeprägt. Seit der Vertreibung nach Ende des Zweiten Weltkrieges habe sich dieser „genuine vierte Stamm Bayerns“ nicht nur der Pflege traditioneller Bräuche, sondern auch einer beispielhaften Versöhnungskultur gewidmet. Schon in der Charta von 1950 hätten sich die Vertriebenen bereit erklärt, neue Aufgaben als Brückenbauer zwischen Ost und West zu übernehmen. Mit ihrer Vision, ein geeintes Europa zu schaffen, „in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können“, hätten sie sich nach der unmenschlichen Vertreibung als „die ersten Europäern der Nachkriegszeit“ profiliert.

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Auch Bernd Posselt unterstrich die didaktische Bedeutung einer wahrheitsorientierten Geschichtsbetrachtung. Kaiser Karl, der letzte Habsburger an der Spitze Österreichs, habe vor dem Ende des Ersten Weltkriegs mit Friedensverhandlungen und eigenen Ideen den Zerfall Europas in nationalistisch orientierte Staaten zu verhindern versucht. Im Gegensatz zu Wilsons und Lenins Vorstellungen habe er das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht als Mittel der Konfrontation, sondern als Grundlage des kooperativen Miteinanders verstanden wissen wollen. Ähnliche Paneuropa-Ideen habe Graf Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi (1894–1972) entwickelt.

Der in Ronsperg/Böhmerwald beheimatete Philosoph, Schriftsteller und Politiker sei schon 1922 davon überzeugt gewesen, dass ein weiterer Weltkrieg unvermeidlich sei, wenn es nicht gelinge, Europa zu einigen.

Die Ausstellung, so betonte Bernd Posselt, demonstriere die Bedeutung von Geschichtsbausteinen für die Gestaltung der Zukunft. In unserer Zeit gehe es darum, die gelegentlichen Rückschläge in den deutsch-tschechischen Beziehungen durch klare Worte von beiden Seiten zu überwinden und auf die „Volksdiplomatie“ zu vertrauen, die auf vielen Ebenen Versöhnung praktiziere.

Musikalisch bereichert wurde die Eröffnungsfeier durch Adolf Bier (Trompete) und dessen Tochter Erika Beer (Keyboard). Mit dem Vortrag festlicher Kompositionen unterstrich das Duo den Ernst, den das Schicksal der Sudetendeutschen fordert, aber auch die freudige Hoffnung, dass sich die Schrecklichkeiten der Vergangenheit nie mehr wiederholen.

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