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Ernte

23.10.2018

Extreme Trockenheit bringt Bauern in Not

„Noch so ein Jahr sollte es nicht geben.“So schaut es auch im Landkreis Dillingen auf vielen Feldern aus: Der Boden ist ausgetrocknet und hat Risse bekommen. Landwirte erwarten sehnlichst Regen. „Es wäre wirklich fatal, wenn es nächstes Jahr wieder so trocken wäre.“

An vielen Orten im Landkreis Dillingen hat es seit April fast nicht mehr geregnet. Bis zum 15. November können Bauern Dürrebeihilfe beantragen. Ein Experte sagt, was passiert, wenn die Niederschläge weiter ausbleiben

Im nordwestlichen Landkreis Dillingen wirken sich die Wetterkapriolen dieses Jahres wohl am deutlichsten aus. In Reistingen etwa haben Bauern Probleme, ihre Felder zu pflügen. Es ist zu trocken, in einigen Äckern sind tiefe Risse zu sehen. Stefanie Hermanns, die Chefin des großen Reistinger Milchviehstalls, verfolgt die Entwicklung mit Sorge. „Im Grunde hat es seit April fast nicht mehr geregnet“, sagt die Reistingerin. Solch eine Trockenperiode habe sie noch nie erlebt. Für den Hof der Hermanns ist die Dürre eine große Belastung. 270 Kühe stehen in dem modernen Milchviehlaufstall im Osten des Ziertheimer Gemeindeteils. Und den Tieren ist die Debatte um die Folgen des Klimawandels ziemlich egal, sie brauchen einfach etwas zum Fressen. Familie Hermanns muss deshalb Mais und Heu zukaufen. Auch die Strohernte ist deutlich geringer ausgefallen. „Und beim Gras hat es ganz ausgebissen“, informiert Stefanie Hermanns.

Sechs bis sieben Mal pro Jahr können die Hermanns in der Regel Gras auf ihren Wiesen schneiden. Heuer seien die ersten drei Schnitte noch in Ordnung gewesen, erklärt Stefanie Hermanns. Doch dann war es mit der Grasernte vorbei. In zwei Fahrsilos haben die Reistinger Milchviehhalter einen Futtervorrat für schlechtere Zeiten angelegt. Und diese Reserve beginnt sich allmählich zu leeren. „Noch so ein Jahr sollte es nicht geben“, sagt Stefanie Hermanns. Eine Dürrebeihilfe habe ihr Betrieb aber noch nicht beantragt.

Dies ist bis zum 15. November beim Amt für Landwirtschaft in Wertingen möglich. Denn es gibt ein bayerisches Hilfsprogramm, das Bauern helfen soll, die wegen der Trockenheit erhebliche Mehrausgaben bei der Fütterung ihrer Tiere hatten. Es wendet sich aber ausschließlich an landwirtschaftliche Futterbaubetriebe, die Raufutterfresser – also Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde – halten, informiert Landwirtschaftsdirektor Ottmar Hurler. Er geht davon aus, dass 30 bis 40 Höfe im Landkreis Anträge stellen und so staatliche Hilfe erhalten werden. Daneben gebe es ein weiteres Programm des Bundes, das der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, zuletzt wegen seiner komplizierten Umsetzung kritisiert hatte. Hier sollen Landwirte als Ausgleich für die Ernteausfälle über das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung Liquiditäts-Darlehen erhalten. Hurler geht davon aus, dass die Antragstellung dabei online abgewickelt werden soll. Genaueres dazu weiß der Abteilungsleiter Bildung und Beratung aber noch nicht.

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Landwirtschaftsdirektor Hurler hat durch die Ertragsermittlung seines Amtes aber einen genauen Überblick, wie sich die Trockenheit bei der Ernte im Landkreis bemerkbar gemacht hat. „Wir sind bei den Ernteerträgen bei Getreide und Kartoffeln einigermaßen im Durchschnitt“, stellt der Experte fest. Die Region sei da jedenfalls noch mit einem blauen Auge davongekommen. Beim Mais sei die Ernte in der Masse gerade noch durchschnittlich ausgefallen, allerdings sei die Energiedichte „deutlich schlechter“. Wenn der Mais an Kühe verfüttert werde, geben sie nicht so viel Milch. Und die Bullen legen weniger zu als sonst.

Das Wetter in diesem Erntejahr hält Hurler für außergewöhnlich. „Die Trockenheit ist extrem“, betont der Landwirtschaftsdirektor. „An solch ein Jahr, wie wir es heuer hatten, kann ich mich nicht erinnern“, sagt der Kesseltaler. Wenn dies die Regel werden sollte, dann wäre es bedenklich. Hurler hofft aber, dass dies eine Ausnahme darstellt. Einige Wiesen hätten sich in den vergangenen Monaten zu einer Steppe verwandelt, das Gras sei abgestorben, und es müsse vielerorts nachgesät werden. Der Abteilungsleiter hat zudem ein Phänomen beobachtet, dass die wenigen Niederschläge im Landkreis Dillingen ganz unterschiedlich ausgefallen seien. So habe beispielsweise die Aschbergregion Glück gehabt und verhältnismäßig viel Regen abbekommen. Und im Egautal bei Ziertheim etwa seien fast keine Niederschläge niedergegangen. Wenn die Grundwasserstände jetzt über den Winter nicht aufgefüllt würden, werde die Lage problematisch. „Wir brauchen dringend Niederschläge“, sagt Hurler. Und er sei optimistisch, dass es wieder ausreichend regnen wird.

Ähnlich äußert sich der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Klaus Beyrer. Es gebe viele Landwirte in Deutschland, die gegenwärtig dringend auf Unterstützung angewiesen seien. Die Einbußen seien regional unterschiedlich, und die Bauern im Landkreis seien bei den Ernteeinbußen vergleichsweise glimpflich davongekommen. Die Situation sei oft von Betrieb zu Betrieb ganz verschieden. Die Zuckerrübenernte sei im Vergleich zum Spitzenjahr 2017 im Landkreis „halbiert“. Aber auch im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr fehle ein Drittel, sagt Beyrer. Beim Grünlandschnitt sei die Situation „verheerend“.

Wenn der BBV-Kreisobmann zurückblickt, kann er sich nur an die Sommermonate der Jahre 1976 und 2003 erinnern, die ebenfalls so trocken waren. „Aber so schlimm wie in diesem Sommer 2018 war es nicht“, stellt der Aislinger fest. Die Äcker seien so ausgetrocknet, dass eine Bodenbearbeitung derzeit gar nicht möglich sei. „Der Klimawandel ist nicht zu leugnen“, sagt Beyrer. Der Kreisobmann des Bauernverbands hofft aber, dass die Trockenheit dieses Jahres dennoch ein Ausreißer ist. Denn sonst sehe er ernsthafte Folgen für die Landwirtschaft. „Es wäre wirklich fatal“, sagt Beyrer, „wenn es nächstes Jahr wieder so trocken wäre.“

zur Dürrebeihilfe gibt es auf der Internetseite des Wertinger Landwirtschaftsamts und unter Telefon 08272/80060.

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