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Bächingen

24.08.2020

Familie Seeßle gibt es in Bächingen schon immer

Zusammenkunft der Familie Seeßle: (von links) Margit Scheu, Robert Seeßle, Ute Seeßle, Ewald Seeßle, Hermann Gäßler, Gerlinde Gäßler, Thomas Seeßle, Eveline Sturm, Silvia Seeßle, Yvonne Seeßle mit Leonie und Felix (Mitte vorne). Auf dem Bild fehlen: Elke Seeßle und Christian Seeßle.
Bild: Schopf

Plus 1751 ließen sich die Seeßles in der Brenzgemeinde nieder. Die Familien-Historie ist bemerkenswert. Verwandte sind in die ganze Welt ausgewandert, manche Zweige sind komplett ausgestorben.

Seit Jahrhunderten an einem Ort verwurzelt – manche Familie aus der Region kann auf einen bemerkenswerten Stammbaum zurückblicken. In einer Serie stellen wir diese besonderen Familiengeschichten aus dem Landkreis Dillingen vor.

Ewald Seeßles Erinnerung braucht Unterstützung. „Warten Sie kurz“, sagt er, entschwindet aus dem Raum und kommt kurz darauf wieder. „Das ist unser schlaues Buch“, sagt er und präsentiert einen dicken Band. In diesem ist die Geschichte seiner Familie bis ins Detail niedergeschrieben. Geburts- und Todesdaten, Hochzeiten, Kinder, und dazu einige historische Bilder. „Meine Vorfahren haben nachgeforscht und alles notiert“, sagt der 57-jährige Inhaber der gleichnamigen Bächinger Bäckerei. In der Historie seiner eigenen Familie zu stöbern, bezeichnet er als „faszinierend“ – immerhin reicht der Stammbaum Jahrhunderte zurück.

Der Stammvater ist Johann Peter Seeßle

Die Familie Seeßle ist seit 1751 in der Brenzgemeinde ansässig, also eines der alten, großen Bächinger Geschlechter, von dem ein Großteil der Bächinger abstammt. Der Stammvater der Familie in Bächingen ist Johann Peter Seeßle, der 1726 in Asselfingen geboren wurde, 1751 nach Bächingen heiratete und hier 1782 starb. Die Linie seiner Vorfahren lässt sich bis zu einem Jakob Seßlin zurückverfolgen, der um 1550 in Böttingen (bei Dornstadt) auf der Ulmer Alb lebte. Bei der Familie Seeßle ist besonders auffällig, dass sie zahlreiche Lehrer stellte – fast in jeder Generation. Ab und zu hört man ältere Bächinger sagen, die Seeßles seien ‘Gescheite’ gewesen, die hätten viel gewusst und viel Talente gehabt.

Johann Peter Seeßle heiratete in die seit 1487 in Bächingen nachweisbare Familie Nusser ein und hinterließ acht Kinder, darunter fünf Söhne. Die Söhne Johann Peter (geboren 1758) und Johann Georg (1760) wurden zu Gründern zweier Linien: Johann Peter (1758) war herrschaftlicher Baumeister (Verwalter des Schlossgutes). Von ihm stammen die Inhaber der 1890 gegründeten Bächinger Bäckerei Seeßle ab (daher auch der ehemalige Hausname „Baumeisterbäck“). Die Bäckerei ist heute ein Familienbetrieb in vierter Generation. Aus dieser Linie ging auch Georg David Seeßle hervor, der 1854 mit seiner Familie nach West Hoboken (New Jersey) auswanderte. Sein jüngster Sohn Charles betrieb dort ein Uhrmacher- und Juweliergeschäft. Ein Neffe von Georg David war Jakob Seeßle, der sich als Bäcker in Riga niederließ.

Witwe des letzten Hirschwirts

Johann Georg (1760) und seine Nachkommen waren überwiegend Weber. Einer seiner Söhne, Johann Peter (1799), gründete aber um 1820/30 den Gasthof zum Hirsch in Bächingen. Diese Linie starb mit der Witwe des letzten Hirschwirts 2009 in Bächingen aus. In Gundelfingen lebt jedoch ein Ast dieser Linie weiter, die Inhaber von Intersport Seeßle.

Ein Sohn des Hirschwirts Johann Peter spielt in der Geschichte von Pfuhl (heute Stadtteil von Neu-Ulm) eine herausragende Rolle: Johann Kaspar (1828-1886), der seinen Namen in Seeßlen änderte. Er war Schullehrer, Mesner und Gemeindeschreiber in Pfuhl, Gründer des noch heute bestehenden Singvereins Pfuhl, Gründer und Rechner der Raiffeisenbank und verfasste die Statuten für den Viehversicherungsverein von Pfuhl-Offenhausen. Nach ihm wurde der Kaspar-Seßlen-Weg in Pfuhl benannt – amtlich falsch geschrieben mit nur einem e.

Ein ähnlicher Allrounder war Johann Kaspar Seeßlens Neffe Johann Peter Seeßle (1866-1945), der den Alten im Dorf noch unter dem Namen „Peterschuster“ bekannt ist. Von Beruf Schuhmacher, war er auch Kirchenpfleger, Raiffeisenrechner, Vorsitzender des Gesangvereins (1898-1919), Kommandant der Freiwillingen Feuerwehr Bächingen (1901-1919) und Führer der Bächinger Jugendwehr. Er starb am 24. April 1945 während des verheerenden Tieffliegerangriffs auf Bächingen beim Versuch, sein brennendes Haus zu löschen, an einem Herzschlag.

35 Familienmitglieder an einem Tisch

Und was ist heute von den Seeßles übrig geblieben? Zu den Verwandten, die ausgewandert sind, habe man keinen Kontakt mehr, erzählt Ewald Seeßle. Die meisten Familienmitglieder würden nach wie vor in Bächingen leben. Auch außerhalb der Brenzgemeinde hört man den Namen immer wieder. „Wir wissen nicht immer genau, mit wem wir wirklich verwandt sind“, sagt Seeßle. Er berichtet von Familienmitgliedern in Ulm, Karlsruhe, Langenau oder Niederstotzingen. Kommen die Seeßles zusammen, etwa für eine Geburtstagsfeier, sitzen schon mal 35 Familienmitglieder an einem Tisch. „Wir halten zusammen“, sagt Ewald Seeßle. „Große Familienfeiern sind bei uns an der Tagesordnung – außer in Corona-Zeiten.“

Wie es mit den Seeßles weitergeht, kann der 57-Jährige nicht absehen. Der Blick in die eigene Geschichte zeige, dass es mit einer Familie sehr schnell zu Ende gehen kann, sagt er. Ein Seeßle-Zweig brachte beispielsweise elf Kinder hervor.

Nur eines davon überlebte den Zweiten Weltkrieg – und bekam keine Nachkommen. So war dieser Zweig am Ende. „Wir werden nicht automatisch immer mehr“, sagt Ewald Seeßle. „Es kann passieren, dass wir irgendwann komplett aussterben.“ In naher Zukunft geht es für ihn erst einmal darum, einen Nachfolger für die familieneigene Bäckerei zu finden. Dass eines seiner drei Kinder den Betrieb übernimmt, sei eher unwahrscheinlich, sagt er.

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