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Soziale Stadt

30.04.2015

Fast wäre das Kolpinghaus geplatzt

„Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab. Wir werden in absehbarer Zeit weitere 40 Gäste unterbringen.“Wolfgang Schenk

Junge Leute vom Helferkreis informierten über die Asylbewerber in Lauingen und räumten mit Vorurteilen auf

Über 100 Menschen drängten sich am Dienstagabend ins Lauinger Kolpinghaus, so groß ist das Interesse am Leben der Asylbewerber in der Stadt. Mit diesem Ansturm hatten weder die Organisatorin des Abends, Quartiersmanagerin Brigitte Ursula Wörner, noch Bürgermeister Wolfgang Schenk gerechnet. Dieser appellierte an das Publikum, sich einzubringen: „Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab. Wir werden in absehbarer Zeit weitere 40 Gäste unterbringen.“ Ein Mitglied des Helferkreises, Dominik Feldsien, sagte angesichts der großen Zuschauermenge: „Nach dem heutigen Tag bin ich richtig stolz, ein Lauinger zu sein.“

Er und und ein paar seiner jungen Kollegen aus dem Helferkreis stellten in Vorträgen die Flüchtlingsproblematik dar: Marina Mayr erklärte unter anderem das Asylverfahren, Jessica Langer präsentierte das Land Eritrea, weil die meisten Asylbewerber in Lauingen von dort kommen. Elena Funk erläuterte, auf welchen Wegen die Menschen Europa erreichen. Dominik Feldsien erklärte, warum er sich überhaupt im Helferkreis, der im November 2014 gegründet wurde, engagiert. „Ich reise sehr, sehr gerne und habe dabei so tolle Menschen kennengelernt, deswegen will ich auch mal ‚Danke‘ sagen.“ Er hatte auch Lauinger Zahlen dabei: Von den insgesamt 80 Flüchtlingen in Lauingen stammen 38 aus Eritrea, die meisten davon sind zwischen 19 und 28 Jahre alt.

Stefanie Mayr hat einen Deutschkurs ins Leben gerufen. 27 Asylbewerber waren anfangs gemeinsam unterrichtet worden. Inzwischen wurde sogar eine Lehrerin gefunden, die neben Deutsch auch Arabisch spricht. „Die Inhalte der Kurse sind jedem selbst überlassen“, warb Stefanie Mayr um weitere Lehrer aus den Reihen des Publikums. Man könne auch beim Kuchenbacken die Sprache vermitteln. Der Alltag der Asylbewerber sei oft sehr langweilig, auch wenn sie in Vereinen Sport treiben können. „Es gibt für sie so viel Unbekanntes. Allein unsere Mülltrennung ist extrem schwierig.“ Zum Schluss räumte die junge Lauingerin noch mit Vorurteilen auf. „Es heißt immer, die Asylbewerber hätten die neuesten Smartphones. Das mag sein, aber es ist ihre einzige Verbindung in die Heimat oder zu Verwandten in anderen Ländern.“ Apps würden beim Deutschlernen helfen. Zudem seien die meisten Dokumente und viele Erinnerungen auf dem Handy gespeichert. Auch das Vorurteil, die Asylbewerber würden tagsüber schlafen statt nachts, konnte sie aufklären. Das hänge zum Teil mit traumatischen Erfahrungen zusammen. Die Flucht finde oft nachts statt. „Nachts bekommt der Körper zum Teil immer noch Adrenalin und man kann nicht schlafen“, erklärte Stefanie Mayr.

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Unterstützung finden die Helfer ihrerseits im Landratsamt. Ihre Zusammenarbeit etwa mit Behörden koordiniert dort Gisela Lohmeyer. Im Kolpinghaus kündigte sie einen Leitfaden für die Arbeit der Ehrenamtlichen an, der im Juni fertig sein soll. Abschließend stellten Zuschauer Fragen, etwa nach der Dauer des Aufenthalts der Fremden in Lauingen. Laut Brigitte Ursula Wörner wird am Donnerstag, 7. Mai, der erste Asylbewerber abgeschoben. „Damit müssen wir umgehen. Aber solange die Menschen hier sind, sollten wir ihnen helfen.“

Andere Mitglieder des Helferkreises baten um gebrauchte Laptops für den Deutschunterricht. Eine Frau aus dem Helferkreis empfahl Interessierten, mal eine der Unterkünfte zu besuchen und gestand: „Dass bald 40 neue Asylbewerber in den Gasthof Schimmel kommen, macht mir Angst. Die Helfer stoßen an ihre Grenzen. Bitte gehen Sie nicht einfach heim und denken, ‚Das war’s‘.“ Das Publikum antwortete mit einem großen Applaus, bevor der Abend mit vielen Gesprächen ausklang.

Die Stadt Lauingen hat ein Spendenkonto eingerichtet. Mehr dazu erfährt man direkt im Rathaus. Ende Mai soll es auch eine Homepage über den Helferkreis geben. Wer etwas schenken möchte, ist im Quartiersbüro richtig. Dort werden Sachspenden mit den Betreuern der Unterkünfte abgesprochen.

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