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Konzert

20.04.2017

Festlich, majestätisch, jubilierend, virtuos

Beeindruckende instrumentale Meisterschaft beim Ostermontagskonzert in St. Martin, Gundelfingen, mit (von links) Tom Lier, Paul Lechner, Rainer Hauf, Armin Schneider und Thomas Rothfuß.
Bild: Gernot Walter

Nördlinger Bachtrompeten, Münchner Organist und Donauwörther Schlagzeuger brillieren in St. Martin in Gundelfingen

Schon mit den ersten Tönen stellte sich in der sehr gut besuchten St. Martinskirche die Freude auf ein außergewöhnliches Konzert ein, die Stadtpfarrer Johannes Schaufler in seiner Begrüßung heraufbeschwor. In der Tat ergab sich am Spätnachmittag des Ostermontags ein musikalisches Hoch in Erinnerung an die Auferstehung des Herrn.

Die rhythmische Urgewalt durch das Schlagwerk (Tom Lier), die harmonische Einbettung mit Kirchen- und Truhenorgel (Thomas Rothfuß) und die feierliche Ton-Majestät der jubilierenden Trompeten (Paul Lechner, Rainer Hauf und Armin Schneider) entfachten eine Festlichkeit, die alle Zuhörer in den Bann schlug. Der Münchner Organist von St. Stephan in Sendling begleitete aufmerksam, impulsgebend und trug in den Zwischenspielen den Charakter der Stücke klug registrierend weiter. In seinen Solobeiträgen zeigte er an der Truhenorgel ein feines Beispiel des „galanten Stils“. Vom bedeutenden Klostermusiker des Reichsstifts Ottobeuren Franz-Xaver Schnizer spielte Th. Rothfuß im Altarraum den ersten Satz aus der C-Dur-Sonate sympathisch, heiter, elegant. An der Rieger-Hauptorgel betonte er die sieghaften Rhythmen des Mittelteils aus W. A. Mozarts Fantasie und Fuge in f-Moll KV 594. In dieser Trauermusik erklangen die schmerzhaften Adagios chromatisch-tröstlich. Im Präludium und Fuge C-Dur von J.S. Bach BWV 531 gelangen Rothfuß die virtuosen Anteile mit Pedalsolo, schnellen Läufen und vollgriffigen Akkorden meisterhaft sicher, präzise. Die Fuge strukturierte der Münchner Organist klar, übersichtlich, bestimmt.

Bei der Wassermusik von G. Fr. Händel wählte Th. Rothfuß wirkungsvolle Barockregistrierung und kennzeichnete die unterschiedlichen Suitenteile im höfischen Glanz authentisch nach. Pauken und Trompeten exponierten sich mit pompöser Durchschlagskraft zu einem begeisternden Jubilieren. Mit Tom Lier agierte ein ausgezeichneter Schlagzeuger, der seine Vielseitigkeit als Instrumentalist, aber auch als veritabler Komponist offenbarte. Als Zweitaufführung präsentierte er seine heuer entstandene „Kleine Suite“. In drei Sätzen (festlich, andächtig, alla marcia) werden im Marsch mit punktierten fanfarenartigen Melodien und passendem Schlagwerk Renaissance-Erinnerungen geweckt, im langsamen Satz untermalen Orgelakkorde mit absteigendem Pedal das besinnliche Trompetentrio, und im prächtigen Entrée ergänzen und unterbrechen Schlagwerkeinwürfe die fließenden Bewegungen von Flügelhorn, Trompete und Corno da caccia.

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Als weiteres Hauptwerk war die Transkription des „Frühlings“ aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi zu bestaunen. Paul Lechner hat hier als Arrangeur ein besonderes Kunstwerk geschaffen. Die Leichtigkeit des originalen Streicherklangs übertrugen der Gundelfinger Rainer Hauf (Piccolotrompete) und seine Nördlinger Trompetenkollegen Armin Schneider und Paul Lechner spielerisch grandios. Vogelgezwitscher mit Flatterzunge, Lautmalerei mit Echowirkung, kunstvolle Verzierungen in partnerschaftlichen Duo- oder Trio-Musizieren regten die Zuhörer zu spontanem Zwischenapplaus an.

Weitere Höhepunkte waren der Song der Magdalena aus „Jesus Christ Superstar“ (A. L. Webber) und Puccinis „Turandot“-Klassiker „Nessun dorma“ sowie der Stereo-Klang durch die im Kirchenraum verteilten Trompeten und der Trommel in „Pastime“ aus der Zeit Heinrich VIII. und das Spiritual „When the stars“ (Gesangssolist Tom Lier). Die Ausführenden zeigten große musikalische Höhe und Reife. Nicht nur das perfekte Zusammenspiel war zu rühmen, sondern auch die Transparenz und die technische Brillanz auf unterschiedlichen Instrumenten. Mühelos rundeten sich die Legatobögen, blitzsauber war der Ansatz und elegant die Tongebung, alles ohne den Hauch bloßer Routine. Als die Te-Deum-Fanfare der Eurovisions-Melodie triumphal verklang, kannte der Beifall keine Grenzen mehr. Als Zugabe belohnte das Quintett instrumental die Zuhörer mit Tom Liers „Hymne an den Frieden“ und vokal mit dem Gute-Nacht-Lied „Neigen sich die Stunden“.

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