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Gundelfingen

08.09.2015

Flüchtlinge ziehen in die Turnhalle

Ab Donnerstag wird die Kreissporthalle in Gundelfingen gesperrt. Demnächst werden dort Schlafplätze für Flüchtlinge aufgebaut. Wann genau die ersten Asylbewerber kommen, steht noch nicht fest.

In Gundelfingen entsteht eine Erstaufnahmeeinrichtung. Die Sportstätte ist bereits ab Donnerstag gesperrt

Gundelfingen Die Kreissporthalle Gundelfingen wird ab kommendem Donnerstag bis auf Weiteres gesperrt und in eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge umfunktioniert. Erst gestern Mittag erfuhr Gundelfingens Bürgermeister Franz Kukla davon – die Nachricht war für ihn aber nicht sonderlich überraschend. „Nach den Bildern im Fernsehen habe ich damit schon gerechnet“, sagt Kukla im Gespräch mit unserer Zeitung. „Dass das nun eine besondere Situation ist, ist klar. Aber ich gehe davon aus, dass die Menschen in Gundelfingen den Flüchtlingen offen gegenüberstehen.“ Eine gute Unterbringung der Menschen, die vor Krieg und Angst geflohen sind, stehe nun im Vordergrund. „Sie bekommen in Gundelfingen einen ersten Eindruck von Deutschland. Es ist mein Wunsch, dass die Menschen mit ihren schlimmen Schicksalen jetzt erst einmal Ruhe finden und ruhig schlafen können“, so Kukla weiter.

Bei den Einschränkungen, die sich aus der Sperrung der Halle ergeben, hofft er auf Hilfe von außen. Denn der Turnverein Gundelfingen, allen voran die Handballabteilung, sei auf die Halle angewiesen. „Eine Lösung gibt es noch nicht. Wir wollen bei den umliegenden Gemeinden schauen, ob es dort noch Kapazitäten gibt. Ich setze da auf die Solidarität anderer Vereine“, sagt Kukla. Der Sportunterricht der städtischen Schulen ist laut Kukla nicht von der Sperrung betroffen. Anders sehe es indes bei der Real- und der Berufsschule aus. Man müsse in nächster Zeit zusammenrücken, sagt Kukla. Wann die ersten Flüchtlinge in der Halle untergebracht werden, steht derzeit noch nicht fest. Das Landratsamt und die Stadt Gundelfingen gehen aber davon aus, dass das zeitnah der Fall sein werde.

Der Landkreis Dillingen reagiert mit der Hallensperrung nach Aussage von Landrat Leo Schrell auf die sich seit Wochen zuspitzende Flüchtlingssituation und die insbesondere in Bayern in sehr großer Zahl ankommenden Asylbewerber. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hat die Bayerische Staatsregierung für diese Situation einen Notfallplan für Bayern beschlossen, nach dem alle Landkreise verpflichtet sind, für die notfallmäßige Unterbringung von Asylbewerbern Betten- und Unterbringungskapazitäten in einer Größenordnung von bis zu 300 Personen bereitzuhalten.

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Schrell sieht laut einer aktuellen Pressemitteilung in der Aufnahme der vielfach traumatisierten Menschen eine zutiefst humanitäre Aufgabe, der es sich in einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zu stellen gelte. Unabhängig davon seien die Landratsämter durch Vorgaben des Ministeriums und der Regierung von Schwaben auch verpflichtet, Unterkünfte und Erstaufnahmeeinrichtungen zur Verfügung zu stellen. „Um – zumindest zunächst – nicht gemeindliche Hallen in Anspruch nehmen zu müssen, organisieren wir die Erstaufnahme für rund 200 Personen in der kreiseigenen Sporthalle in Gundelfingen“, sagt Schrell. Dazu werden in den kommenden Tagen Hilfsorganisationen in der Halle Schlafplätze und Aufenthaltsbereiche einrichten. Die Registrierung der Flüchtlinge erfolgt durch die Regierung von Schwaben. Zudem muss seitens des Landratsamtes die gesundheitliche Überprüfung der Flüchtlinge sowie deren Verpflegung organisiert werden. Bis zu 14 Tage bleiben die Asylbewerber in der Noterstaufnahme und werden dann innerhalb Bayerns und auf andere Bundesländer verteilt. Ob die Kreissporthalle zunächst nur kurzzeitig gesperrt bleiben müsse, könne nach Aussage des Landrats derzeit nicht seriös beantwortet werden. Dies hänge ganz entscheidend von der weiteren Entwicklung ab. So verfüge das Landratsamt aktuell nicht über die notwendigen Unterbringungskapazitäten, die voraussichtlich bis zum Jahresende benötigt werden. Schrell hat deswegen die Gemeinden Ende vergangener Woche um Unterstützung bei der Unterbringung von Asylbewerbern gebeten.

Trotz der Knappheit an Unterkünften ist Schrell aber mit der Bewältigung der Aufgabe zufrieden: „Bislang ist die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen im Landkreis dank eines herausragenden ehrenamtlichen Engagements der Bevölkerung gut gelungen.“ Die zahlreichen Helferkreise seien unverzichtbar für die Bewältigung der großen Herausforderung, vor der auch die Landkreisverwaltung bei der Unterbringung der Asylbewerber seit Monaten stehe. Ungeachtet dessen werden mit Blick auf den anhaltenden Zustrom für die Betreuung der Menschen noch ehrenamtliche Helfer gesucht. Diese können sich bei der Ehrenamtskoordinatorin des Landkreises, Gisela Lohmeyer, unter Telefon 09071/51389 oder per E-Mail an gisela.lohmeyer@landratsamt.dillingen.de melden. (mit pm)

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