Holzheim

26.08.2016

Fluglärm im Idyll

Ingrid und Rudolf Ruf in ihrem Garten am Rand des Holzheimer Ortsteils Fultenbach. Eine kleine Straße, Felder, und dann schon der Wald sind hinter dem Gartenzaun. Doch diese Ruhe können die Rentner nur manchmal genießen.
Bild: Jakob Stadler

Einige Bewohner des Holzheimer Ortsteils Fultenbach fühlen sich durch die Geräusche beeinträchtigt. Besonders schlimm ist es für Ingrid und Rudolf Ruf

Es könnte so idyllisch sein, im Garten von Ingrid und Rudolf Ruf. Hinter dem Zaun liegt eine kleine Straße, die nur Anlieger befahren dürfen, dahinter erstrecken sich Felder vor dem nahen Wald. Die Rufs haben sich nicht ohne Grund für das Haus am Rand des Holzheimer Ortsteiles Fultenbach entschieden. „Man zieht extra raus aufs Land, weil man Ruhe braucht“, sagt Ingrid Ruf. Doch diese Ruhe hat das Rentnerehepaar nur manchmal. Über Fultenbach ist ein Kunstflieger unterwegs. „Der geht hoch rauf“, sagt Rudolf Ruf und fährt mit der Hand die steile Kurve eines Flugzeuges nach, das zum Looping ansetzt, „und gibt dabei Vollgas. Das ist ein Aufheulen, wie von einer Turbine. Wenn er dann runtergeht, ist es leiser, aber dann geht es wieder los.“ Immer wieder trainiere ein Pilot in der Nähe verschiedene Tricks.

Auf den Lärm reagiere jeder unterschiedlich, erklärt Rudolf Ruf. Es gebe Nachbarn, die das Geräusch nicht besonders stört, andere schränke es dagegen ein. Wie Anneliese Lacher, die zwei Straßen weiter wohnt. „Gerade am Wochenende, da will man es ja ruhig haben. Wenn wir dann draußen unsere Stühle aufgeschlagen haben und der Flieger anfängt, dann gehen wir rein.“ Eigentlich sei es ja eine extrem ruhige Gegend. „Ich sitze hier gerne auf dem Balkon und lasse es mit gut gehen“, sagt Lacher. Am Morgen höre sie nur das Vogelgezwitscher. Doch das Motorengeräusch sei „unertragbar“. Auch Einwohner des Altenmünsterer Ortsteils Hennhofen, der südlich von Fultenbach liegt, haben sich über den Flieger beschwert.

Für Rudolf Ruf ist das Geräusch besonders schlimm. Der Rentner leidet an einer Nervenkrankheit. Als er im Garten steht und ein normales Flugzeug mit niedrigem Geräuschpegel vorbeifliegt, beginnt er plötzlich unkontrolliert zu zucken. Ein Anfall. Er setzt sich auf einen der Gartenstühle, seine Frau hält ihn, um ihn zu beruhigen. Immer wieder zuckt er, versucht, sich zu konzentrieren. Das könne Stunden anhalten, erklärt seine Frau. „Deswegen trage ich draußen normalerweise Ohrenstöpsel“, sagt Rudolf Ruf, der sich konzentriert, um trotz der Zuckungen ruhig zu sprechen. Beim Lärm, den das Kunstflugzeug verursacht, würden die aber kaum etwas helfen. Ist der Flieger da, bleibe er drinnen. Wegen der Krankheit habe sich das Paar nach einem ruhigen Wohnsitz umgesehen. Doch auch ohne die sei der Lärm unzumutbar.

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Im Februar 2015 hat sich das Paar das Haus angesehen und sich dafür entschieden, dorthin zu ziehen. Lange hatten sie im Ausland gelebt, jetzt wollten die Rentner in die Nähe der Familie, die im Landkreis Augsburg wohnt. Damals war es ruhig. Der Fluglärm habe im Sommer begonnen. Doch im vergangenen Jahr sei es weniger schlimm gewesen als in diesem Sommer. Jetzt sei der Pilot jedes Wochenende mehrere Stunden unterwegs, dazu am späten Nachmittag unter der Woche. Immer an der gleichen Stelle, dass mache es besonders schlimm. Dadurch stellt er für sie eine dauerhafte Belästigung dar.

Doch einfach wo anders fliegen, das kann der Pilot gar nicht. Denn auch wenn der Luftraum innerhalb bestimmter Gesetzesgrenzen frei ist, lassen sich Piloten für Kunstflüge im Normalfall sogenannte Kunstflugboxen genehmigen, erklärt Albert Gerstmayr, der Vorsitzende des Gundelfinger Flugsportvereins. So kann ein Pilot das Gebiet, in dem er seine Kunststücke übt, nicht nach Belieben verändern. „Er kann nicht das eine Mal dort und dann woanders fliegen“, sagt Gerstmayr. Der Pilot, der über Fultenbach fliegt, starte aber nicht in Gundelfingen. Gerstmayrs Verein habe selbst eine Kunstflugbox, erklärt er. Allerdings für Segelflugzeuge, die keinen Motor haben und daher bedeutend leiser sind.

Martin Köppl von der zuständigen Deutschen Flugsicherung in München bestätigt, dass sich bei Holzheim so eine Box für einen Motorkunstflieger befindet. Wer der Pilot ist, kann seine Behörde aus Datenschutzgründen nicht herausgeben. Der Flieger verstoße gegen keine Gesetze, das geht auch aus einer Antwort des Luftamtes Südbayern hervor, an das sich die Rufs gewandt haben. Sind alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, kann die Flugsicherung eine solche Box nicht verweigern. Sie kann aber den Ort festlegen. Dabei achte die Behörde darauf, möglichst wenige Leute zu stören. „Ein Experte sieht sich an, wie die Besiedlungsstruktur am Boden aussieht“, sagt Köppl. „Was er damit aber nicht erreichen kann: alle zufriedenzustellen.“

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