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Landkreis Dillingen

07.11.2019

Foodsharing: Mit einem Klick gegen Verschwendung

Im Landkreis gibt es eine Initiative, die sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln einsetzten möchte. Sie nennt sich Foodsharing.
Bild: Alexander Kaya

Plus Marina Deisenhofer und Sabine Reiser möchten Lebensmittel vor dem Müll retten. In Dillingen gibt es dafür seit einigen Tagen ein Foodsharing-Projekt. Wer mitmachen kann.

Marina Deisenhofer sitzt vor ihrem Laptop. Langsam lässt die 27-Jährige ihren Mauszeiger über den Bildschirm wandern. Auf der Landkarte, die den Bereich rund um Wertingen zeigt, sind verschiedene Symbole zu sehen. Über einem grünen Einkaufskorb stoppt Deisenhofer ihre Bewegung und klickt. „Biogemüse – vor allem Kartoffeln, heute tagsüber abzuholen“, liest die Wertingerin ihrer Freundin Sabine Reiser vor, die neben ihr sitzt.

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Wie Betriebe die Foodsharing-Initiative in Wertingen finden

Knapp zwei Jahre ist es her, dass Deisenhofer einen Foodsharing-Bezirk in ihrer Heimat ins Leben gerufen hat. „Das Prinzip dahinter ist einfach – wir wollen Lebensmittel vor der Tonne retten“, erklärt sie. Wer bei der deutschlandweiten Initiative als „Foodsharer“ mitmacht, kann überflüssiges Essen an andere weitergeben oder von ihnen abholen. Auch in Dillingen ist das Projekt jetzt angelaufen und soll möglichst viele Menschen dazu animieren mitzumachen.

Sabine Reiser (links) und Marina Deisenhofer betreuen die Foodsharing-Bezirke in Wertingen und Dillingen. Damit nicht mehr so viele Lebensmittel in den Müll wandern, wünschen sie sich viele neue Mitglieder.
Bild: Tanja Ferrari

„In Wertingen machen inzwischen schon rund 50 Mitglieder mit und fünf Betriebe, bei denen wir regelmäßig etwas abholen“, erzählt Deisenhofer. Dazu gehört auch der Bioladen „Natur pur“ von Cecilia Feistle. Die Inhaberin freut sich über die Möglichkeit und sagt: „Uns ist es wichtig, dass nichts Essbares weggeschmissen wird.“ Weil der Laden auch eine Küche habe, blieben oftmals Lebensmittel übrig.

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Erst kürzlich hätte sie sechs Kilogramm schrumplige Paprika gehabt, die sie nicht rechtzeitig verkochen konnte. „Besonders beim Obst und Gemüse wird es schnell zu viel“, betont Feistle. Da freue sie sich über jeden Abnehmer. Als Marina Deisenhofer damals auf sie zugekommen sei, habe sie nicht lange gezögert. Sie sagt: „Das Konzept passt zu unserem Laden und wir tun etwas Gutes.“ Brot, Joghurt, Obst und Gemüse: Einmal die Woche, immer am Donnerstagnachmittag, würden die Foodsharer in den Laden kommen und alles, was übrig ist, kostenlos mitnehmen.

Wie man beim Foodsharing mitmachen kann

Doch nicht nur Betriebe können beim Foodsharing mitmachen, auch Einzelpersonen ab 18 Jahren haben die Möglichkeit, Lebensmittel an andere weiterzugeben. Im Bezirk Donauwörth gibt es sogar eine 70-Jährige, die bei der Aktion mitmacht. „Eigentlich ist es wie bei Ebay-Kleinanzeigen“, erklärt die Höchstädterin Sabine Reiser, die den Bezirk Dillingen seit wenigen Tagen betreut. Wer sich über die Webseite registriert, kann Warenkörbe für andere zur Verfügung stellen und selbst abholen.

Kontaktiert man einen Anbieter und wird sich einig, kann anschließend eine Uhrzeit zum Abholen ausgemacht werden. Wenn die Grundsätze der Initiative in einem kurzen Quiz richtig wiedergegeben wurden, darf man gemeinsam mit einem erfahrenen Foodsharer zu einer Abholung. Anschließend können die Nutzer auch selbstständig bei Betrieben übriges Essen abholen, sagt sie.

Welche Lebensmittel dürfen über Foodsharing geteilt werden

Die Palette an Lebensmitteln, die gerettet werden kann, ist vielseitig. Eine Regel, was weitergegeben werden darf, gibt es nicht. Deisenhofer erklärt: „Prinzipiell geht alles, was noch gut ist. Wir schließen die Haftung aus, und jeder, der mitmacht, ist für sich selbst verantwortlich.“ Auch Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum schon überschritten sei, könne man meist noch guten Gewissens verbrauchen.

Danke für euer zahlreiches Erscheinen und euer Interesse an unserem Infoabend gestern in der Roggenkugel Für alle die...

Gepostet von Foodsharing Wertingen Dillingen am  Dienstag, 5. November 2019


In den vergangenen zwei Jahren hat die 27-Jährige schon vieles gesehen: von einer einzelnen Gurke bis hin zu 70 Stück Trockenhefe, jeweils in der 500-Gramm-Packung, war alles dabei. Mit großen Mengen hatten die Foodsharer auch zu kämpfen, als sie vor einigen Wochen beim Wertinger Stadtfest im Einsatz waren. „Durch das schlechte Wetter am letzten Tag der Veranstaltung war unglaublich viel übrig geblieben“, erinnert sich Deisenhofer. Die Stände hatten sich über die Abnehmer gefreut, da die Lebensmittel ansonsten alle in den Müll gewandert wären. Über 25 Liter Waffelteig und weit mehr als 500 Semmeln teilten die Mitglieder an jenem Sonntagabend untereinander auf. „Ich habe bestimmt 50 Waffeln gebacken“, erzählt Sabine Reiser und muss lachen. Manchmal müsse man eben kreativ werden und den Speiseplan entsprechend der Lebensmittel, die zur Verfügung stehen, anpassen. „Was da ist, muss weg“, witzelt sie. Gerade das sei allerdings das Schöne an der Initiative.

Aus diesem Grund wünschen sich die beiden Frauen auch viele neue Mitglieder für den Bezirk Dillingen. Die Lebensmittelbörse soll weiter wachsen. „Wir wollen die Menschen für die Idee begeistern und zum Mitmachen motivieren“, sagt Reiser. Wenn sich auch in Dillingen genügend Mitglieder registriert hätten, könnten sie auf die Betriebe im Landkreis zugehen. „Nur wenn genügend Abnehmer da sind, funktioniert das System“, erklärt sie.

Wer Lebensmittel vor dem Müll retten will, kann sich auf www.foodsharing.de registrieren. Weitere Infos via E-Mail unter dillingen@foodsharing.network.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar unserer Autorin: Foodsharing: Eine wichtiges Zeichen gegen Verschwendung

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