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Aktion

10.10.2017

Freiwillige schwitzen für den Artenschutz

Rechen, rechen und nochmal rechen: Die Helfer sind bei der Aktion am Samstag ganz schön ins Schwitzen gekommen.
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Rechen, rechen und nochmal rechen: Die Helfer sind bei der Aktion am Samstag ganz schön ins Schwitzen gekommen.
Bild: Jonathan Mayer

Im Wittislinger Ried räumten wieder freiwillige Helfer auf. Sie wollten vor allem der Natur etwas Gutes tun.

Es ist acht Uhr morgens als sich die freiwilligen Helfer ihren Weg ins Wittislinger Ried bahnen. Ihnen allen voran fahren die beiden urigen Traktoren, mit denen die fleißigen Naturpfleger das Moor aufräumen. Am Samstag fand die vierte Aufräumaktion in diesem Jahr statt, bei der sich wieder zahlreiche Helfer zusammenschlossen.

Sobald die ersten Freiwilligen auf der nassen Streuwiese eintreffen, die umgeben ist von Büschen und Bäumen, fangen sie auch schon an das feuchte Gras auf den Wiesen mit Mistgabeln und Holzrechen zusammenzutragen. Die meisten von ihnen sind schon seit einigen Jahren dabei. Sie wissen alle, was zu tun ist und sind ein eingespieltes Team. Vor allem Harald Böck kennt die Bedeutung des Wittislinger Moors als Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Deshalb hat der Naturschützer und Ornithologe, der hier jeden Grashalm und jeden Vogel kennt, schon 1982 die Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen, die sich seitdem um das Gebiet nahe des Klosters Maria Medingen kümmert. Seither ist er so etwas wie der Chef der ganzen Aktion, der aber auch selbst mit anpackt. „Unsere Arbeit hier schützt das Niedermoor und vor allem die Streuwiesen“, erklärt er. Die müssten regelmäßig gemäht werden, damit die Wiesen nicht verbuschen. Sonst könnten viele Tierarten ihren Lebensraum verlieren.

Das Moor diene vor allem Laubfröschen, Insekten und den unterschiedlichsten Vogelarten als Lebensraum. „Darunter sind auch viele gefährdete Tiere“, so Böck. Bei den Pflanzen im Naturschutzgebiet ist es ähnlich. „Allein 56 Pflanzenarten im Moor stehen auf der roten Liste“, erklärt Böck besorgt. Zu ihnen gehöre auch die einfache Wiesenraute. Die habe sogar Gefährdungsstufe eins und lockte wegen ihrer großen Zahl vor ein paar Jahren sogar Botaniker aus Hamburg nach Wittislingen, wie der Experte stolz erzählt. Gerade das mache die Arbeit so lohnenswert und wichtig.

Das finden auch die vielen Helfer. „Die Pflege der Natur ist mir sehr wichtig“, sagt zum Beispiel Britta Uhl, die schon morgens aus Wittislingen in das Naturschutzgebiet kam. „Aber vor allem macht die Arbeit sehr viel Spaß. Wir sind eine coole Truppe“, erzählt die 28-Jährige, die gerade an ihrer Doktorarbeit in Biologie schreibt. Auch das betont Böck: „Hier kann einfach jeder helfen. Vom Handwerker zum Professor ist alles dabei.“ Und neue Helfer seien immer willkommen.

Die Arbeit im und um das Moor ist aber nicht nur spaßig, sondern kann auch gefährlich werden, wie Carolin Stoll erzählt. Erst vor einigen Wochen sei einer der Traktoren, mit denen die nasse Streu weggefahren wird, im tiefschwarzen Boden eingesunken. „Da war es mal kurz nicht mehr witzig“, erinnert sie sich. Aber mit vereinten Kräften und der Hilfe eines weiteren Traktors konnte der Oldtimer aus dem nassen Boden gezogen werden. Deshalb benutzen die freiwilligen Naturpfleger auch alte Traktoren, denn die großen Maschinen wie sie in der Intensivlandwirtschaft benutzt werden, würden hier nicht weit kommen. „Und die würden durch ihr Gewicht unglaubliche Schäden auf den Streuwiesen hinterlassen“, merkt Böck an.

Damit so etwas nicht nochmal passiert, will Helmut Langer mit seinem urigen Traktor an vielen Stellen im Moor lieber nicht stehen bleiben. Dann heißt es Akkordarbeit und die sonst gemütliche Stimmung wird gehetzt: Die Helfer räumen das Gras vor dem Traktor weg und werfen das nasse Grün auf den Anhänger, während Langer die alte Maschine über den moorigen Boden abseits der Wege manövriert. Da geraten die Freiwilligen schon mal ins Schwitzen. „Das gehört eben auch dazu“, sagt Böck und lacht.

Nur eine Sache trübt die Stimmung der Helfer: „Wir werden leider immer weniger“, sagt Anton Hinterstößer. „Es gibt einfach nicht viele, die das Moor so schätzen“, meint der gebürtige Gundelfinger. Auch Harald Böck hofft, dass in den nächsten Jahren noch mehr Helfer zusammenkommen, um eines der letzten Niedermoore in der Umgebung vor dem Verschwinden zu schützen.

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