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Tag der Kulturen

18.07.2016

Freundschaft geht durch den Magen

Flüchtlingskinder und ihre Pateneltern: Hier kümmert sich der Dillinger Kirchenpfleger Manfred Kronwitter um die kleine Mhearet. Das Mädchen hat eritreische Eltern und wurde in Dillingen geboren.
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Flüchtlingskinder und ihre Pateneltern: Hier kümmert sich der Dillinger Kirchenpfleger Manfred Kronwitter um die kleine Mhearet. Das Mädchen hat eritreische Eltern und wurde in Dillingen geboren.
Bild: Bärbel Schoen

Flüchtlinge und Helfer begegnen sich in Dillingen auf eine ganz besondere Art

Die Stimmung erinnerte etwas an einen orientalischen Basar: Viele Menschen, die gleichzeitig zu reden schienen, herumtollende Kinder, farbenfrohe Gewänder, glänzende Schmuckstücke vom Hindukusch, und über allem schwebte der Duft von Mokka, Kardamom und Koriander. Zum „Nachmittag der Kulturen“ hatte der Dillinger Asylhelferkreis geladen, und rund 250 wechselnde Besucher kamen in den Stadtsaal. Für die Pfarrerin Sabine Verron-Kleiner war dies ein großer Erfolg: „Schön, dass so viele gekommen sind und sich über das Essen kennengelernt haben.“

Spannungen zwischen den Flüchtlingen konnten so abgebaut werden, denn sie besuchten sich gegenseitig an den Ständen und probierten die Nationalgerichte der anderen aus. Mehr Dillinger Bürger hätte sich Cornelia Kügel-Merkel gewünscht. Die im Asylkreis engagierte, frühere Lehrerin sieht jedoch einen Anfang gemacht: „Aus dem Tag der Kulturen könnte ein Stadtfest entstehen.“ Aus Dillingen eine bunte, lebendige und pulsierende Stadt zu machen, ist das erklärte Wunschziel der Asylhelfer.

Für die Kreisstadt-Bewohner war das vergangene Wochenende nur so gespickt mit Ereignissen: Am Freitag die Verleihung des Ulrichspreises an Wolfgang Schäuble, am Samstag das Straßenkünstlerfest und am Sonntag die Mozartnacht im Schlosshof. Während Flüchtlinge aus Eritrea, Afghanistan, Syrien und Somalia von Krieg, Terror und Gewalt erzählten, nahm Oberbürgermeister Frank Kunz in seiner Begrüßungsrede zu den aktuellen Ereignissen Bezug: „Der schreckliche Terroranschlag in Nizza mit über 80 Toten und der Putschversuch in der Türkei machen Angst. Unsere westlichen Werte und unsere christlich geprägte Kultur geben aber auch Hoffnung“, so Kunz weiter. Ein Nachmittag wie am vergangenen Sonntag, an dem die Landkreisbürger Einblicke in fremde Kulturen erleben durften, trage zur Akzeptanz und Integration bei. Deshalb zollte das Stadtoberhaupt seinem Stadtratskollegen Georg Schrenk großen Dank und Respekt für die Organisation von dreieinhalb Stunden Programm.

Angst und Schrecken standen dabei neben Heiterkeit und Freude: Schreckliche Fluchtgeschichten aus dem Mund von Syrern, Afghanen und Somalier. Fröhliche Flüchtlinge und Helfer im Chor auf der Bühne, die wippend und klatschend Volkslieder in den jeweiligen Landessprachen sangen. Die Anpassung an die deutsche Kultur sei ein langwieriger Prozess, mahnte Georg Schrenk: „Kultur darf man nicht auf Begriffe wie Kopftuchtragen, Freitagsgebet oder Verweigerung des Handschlags reduzieren. In den Staaten, aus denen unsere Flüchtlinge kommen, sind viele unserer Werte fremd.“ Die Gleichheit von Mann und Frau etwa oder die Trennung von Staat und Religion. „Ich amüsiere mich immer über die Kopftuchdiskussion. Meine Großmutter trug vor 55 Jahren immer Kopftuch, wenn sie das Haus verließ. Wir können also Veränderungen nicht über Nacht einfordern.“

Am Rande der Veranstaltung berichtete der frühere Oberst von anonymen Anrufern, Vorurteilen und von Freundschaften, die zerbrachen, weil sich Menschen für Flüchtlinge engagieren. Gleichzeitig gibt es Menschen, die sich nicht davon abhalten, zu helfen, wie zum Beispiel Barbara Brüning. Die Patin kümmert sich seit Längerem um die Familie Momoe aus Eritrea. Wie das Zusammenleben inzwischen klappt, schilderten sie und Eshetu Momoe eindrücklich. „Sie gehören zu unserer Familie und bereichern unser Leben“, machte Brüning deutlich. Die Wertingerin Antonie Bay verbrachte den Sonntagnachmittag mit einer afghanischen Familie in Dillingen. „Es gab Tränen, weil nicht alle Platz im Auto hatten“, erzählte sie von weinenden Kindern aus der Mozartstraße. Die Krankenschwester lässt sich ebenfalls nicht davon abbringen, Flüchtlingen das Einleben in Deutschland zu erleichtern. „Solange sie bei uns sind, sollen sie menschenwürdig leben“: Diesem Schlusswort von Georg Schrenk schloss sich die Wertinger Krankenschwester an.

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