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23.02.2015

Fünf Tage krank ohne ärztliche Krankschreibung?

Sollen Arbeitnehmer künftig ohne ärztliches Attest fünf Tage fehlen können? Dieser Vorschlag stößt in den Unternehmen im Kreis auf unterschiedliche Reaktionen.
Bild: dpa

Eine Forschergruppe spricht sich für eine Lockerung der Attestpflicht aus. Aber wie denken hiesige Unternehmen darüber? Und was sagt der Arzt?

Von Katharina Gaugenrieder und Maximiliane Reichhardt

Landkreis Die Arztpraxen sind überfüllt, auch im Landkreis. Die Ursache hierfür ist nicht nur die derzeit grassierende Grippewelle. Eine Studie eines Magdeburger Forscherteams hat ergeben, dass viele Patienten nur wegen der ärztlichen Bescheinigung einen Allgemeinarzt aufsuchen. Dies überlaste wiederrum die Hausärzte.

Die Forscher raten deshalb, die Regelungen für Krankschreibungen zu lockern. Demnach solle es dem Arbeitnehmer möglich sein, sich für die Dauer von bis zu einer Woche ohne einen Arztbesuch krankzumelden. Bei BSH in Dillingen müssen Mitarbeiter, die krank sind, momentan ab dem dritten Tag ein ärztliches Attest vorlegen. So sei es im Entgeltfortzahlungsgesetz und im Tarifvertrag geregelt, sagt der Dillinger Personalleiter Thomas Reuter. Dies nun auf fünf Arbeitstage auszuweiten, sieht er skeptisch. Einerseits habe das Unternehmen dadurch weniger Planungssicherheit, weil so nicht so gut absehbar sei, wann der Mitarbeiter wieder zur Arbeit kommen kann. Zum anderen sei man der Meinung, dass es Sinn macht, dass ein Mitarbeiter, der drei Tage krank ist, auch den Arzt aufsucht. Schon zu seiner eigenen Sicherheit.

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So sieht man die Sache auch im Landratsamt. Dort ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ebenfalls nach dem dritten Tag fällig. Und das solle auch so beibehalten werden. „Durch die zeitnahe ärztliche Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit lässt sich die Überbrückung der Ausfallzeiten besser planen und entscheiden, ob den betroffenen Arbeitsbereichen eine Vertretung zugewiesen werden muss. Durch diese Planungssicherheit können krankheitsbedingte Arbeitsausfälle besser kompensiert werden“, teilt Sprecher Peter Hurler mit.

Auch die EM-Group in Wertingen hat in dieser Angelegenheit bisher eine feste Regelung: Kathrin Freudenberg, Mitarbeiterin der Personalabteilung, sagt, dass Arbeitnehmer hier verpflichtet sind, ab dem dritten Krankheitstag eine Krankschreibung vorzuweisen. Freudenberg sieht, auch wenn die neue Regelung käme, keine Probleme. Ihrer Meinung nach ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Regelung überhaupt durchgesetzt werde. Sollte dies allerdings doch der Fall sein, so werde die EM–Group das mit Freude tun. Denn trotz der Größe des Unternehmens sei das notwendige Vertrauen in die Mitarbeiter gegeben.

Günter Schwertberger von Holzbau Schwertberger in Dillingen hält den Vorschlag der Forscher dagegen bestenfalls für „amüsant“. In seiner Firma müssen kranke Mitarbeiter ab dem ersten Tag der Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. „Das geht aber auch noch rückwirkend.“ Damit, so Schwertberger, habe man gute Erfahrungen gemacht. Auch er hält es, ähnlich wie der Personalleiter von BSH, für sinnvoll, dass kranke Mitarbeiter zum Arzt gehen müssen. „Das ist ja auch im Sinne der Gesunderhaltung.“

Auch Dr. Egbert Hollein, der in Gundelfingen als Allgemeinarzt praktiziert, hält von dem Vorschlag der Magdeburger Forscher wenig. „Ich persönlich halte das für Unfug. Dadurch wird mir die Möglichkeit genommen ernste Krankheiten frühzeitig zu erkennen und schnell einzugreifen.“ Natürlich sei mit der momentanen Krankheitswelle einiges los. 100 Patienten am Tag könnten es da schon einmal sein. Vier bis fünf Minuten pro Patient, das müsse da oft reichen. Trotzdem: „Es ist mir lieber, wenn die Leute kommen“, sagt der Mediziner. Denn ob die Erkrankung harmlos oder ernster ist, das zeige sich meist schnell.

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