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Dillingen

28.05.2015

Gefahr durch Gifthaare

„Bekämpfungsaktionen dürfen wegen der gesundheitlichen Belastung nur von Fachleuten durchgeführt werden.“Werner Boos, Mitarbeiter im Bauamt der Stadt Wertingen

Der Eichenprozessionsspinner ist in der Region noch nicht gesichtet worden. Warum trotzdem Vorsicht geboten ist

Von Bärbel Schoen

Landkreis Sie sind nur so groß wie der kleine Finger. Trotzdem können sie dem Menschen gefährlich werden: Der Eichenprozessionsspinner bereitet im Landkreis Dillingen seit Jahren Probleme. Denn wenn die Raupen eines eigentlich harmlosen Nachtfalters zu Tausenden von den Baumkronen herabkriechen, können deren feine, giftige Härchen zu allergischen Reaktionen führen, bei empfindlichen Menschen mitunter sogar Asthmaanfälle und allergische Schocks auslösen. Deshalb rät das Landratsamt Dillingen zu besonderer Vorsicht. Die Schädlingsraupen bilden etwa Mitte Juni die gefährlichen Brennhaare aus, die brüchig und innen hohl sowie mit Widerhaken versehen sind und den Giftstoff Thaumetopoein enthalten.

Im Raum Dillingen hatte die Verbreitung der Raupe in den vergangenen Jahren zugenommen. Heuer wurden im Dillinger Stadtgebiet laut Stadtgärtnerei bislang keine Sichtungen gemeldet. „Im weitläufigen Auwald ist ein Vorkommen aufgrund des ausgeprägten Eichen-Bestands und der Erfahrungen der Vorjahre nicht auszuschließen“, teilte Jan Koenen, Pressesprecher der Stadt Dillingen, gestern mit.

In Wertingen ist seit kurzem Werner Boos die richtige Anlaufstelle, wenn der Schädling gesichtet wird. Dem Mitarbeiter des Bauamtes ist bislang allerdings auch noch kein Befall bekannt. Er steht in engem Kontakt mit der Naturschutzbehörde, der Forst- und Gesundheitsverwaltung, die gegebenenfalls befallene Eichen begutachten und Gegenmaßnahmen treffen. Boos: „Bekämpfungsaktionen dürfen wegen der gesundheitlichen Belastung nur von Fachleuten durchgeführt werden. Diese sind spezialisiert und haben die richtige Arbeitstechnik.“ Laut Pressemitteilung der Unteren Naturschutzbehörde am Dillinger Landratsamt ist aufgrund der letztjährigen Situation wieder mit einer flächendeckenden Ausbreitung im Landkreis zu rechnen.

Die älteren Eichenprozessionsspinner bilden große, mit Kot und abgestreiften Larvenhäuten gefüllte, bis zu einem Meter lange Gespinstnester an Stämmen und in Astgabelungen.

Von hier aus wandern die Raupen zu ihren Fressplätzen, wobei sie Prozessionen in Form von breiten Bändern bilden, die bis zu zehn Meter lang sein können. Die Verpuppung der Raupen erfolgt Ende Juni, Anfang Juli in dicht aneinander gedrängten Kokons in Gespinstnestern. Die Falter sind grau gefärbt mit schwach ausgeprägten dunkleren Querlinien. Sie können weit fliegen und werden durch Lichtquellen im Siedlungsbereich angelockt. Sie neigen besonders in Trockenjahren zu Massenvermehrungen, wobei lichte Eichenwälder, Alleen, Bestandsränder und Einzelbäume in warmtrockenen Jahren bevorzugt werden. Dort ist besondere Vorsicht geboten.

Nicht nur der direkte Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner ist gesundheitsschädlich. Die Gespinstnester können mehrere Jahre als feste Gebilde erhalten bleiben. Somit können die Gifthärchen lange Zeit in der Umwelt intakt bleiben. Die mikroskopisch kleinen Gifthaare können bis zu 200 Meter weit mit dem Wind weitergetragen werden.

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