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06.03.2009

Gemeinsamer Kampf um arbeitsfreien Sonntag

Lauingen Das Datum 3. März war nicht zufällig: An diesem Tag hatte der römische Kaiser Konstantin den Sonntag erstmals unter Schutz gestellt. Heute scheint der Sonntag als Tag der Ruhe und Besinnung immer mehr in Frage gestellt. Für einen arbeitsfreien Sonntag hat am vergangenen Dienstagabend eine lebhafte Diskussionsrunde mit Vertretern aus Kirche und Wirtschaft im Lauinger Kolpinghaus mobilgemacht. Dazu hatte die ALG-III-Gruppe (Arbeit - Leben - Glaube) der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde eingeladen.

Sonntagsschutz seit 60 Jahren im Grundgesetz

Betriebsseelsorger Thomas Hoffmann bedauerte, dass der Sonntag immer weniger als Tag der Ruhe gelte. Walter Prinz, Mitglied im Kolping-Diözesanvorstand Augsburg, beschäftigte sich in einer Präsentation mit der Entstehung des Sonntags als Ruhetag (siehe Info-Kasten). Martin Knecht erläuterte, dass der "Sonntagsschutz" in der Bundesrepublik in diesem Jahr 60 Jahre alt werde. Auch die DGB-Kreisvorsitzende Antonie Schiefnetter sagte: "Der Sonntag ist als arbeitsfreier Tag sehr wichtig." Dieser Tag der Ruhe sei aber in der gegenwärtigen Wirtschaftswelt immer mehr in Gefahr.

"Der Mensch soll den Sabbat ehren", betonte Stadtpfarrer Lothar Hartmann. Die Notwendigkeit von Sonntagsarbeit in manchen Gesellschaftsbereichen, wie Pflege oder Gastronomie, sei ihm bewusst: "Doch wir sollten uns wieder mehr auf die Wurzeln des Sonntages besinnen, denn dieser ist, wie Jesus schon sagte, für den Menschen da." FDP-Stadtrat Alois Jäger sieht ebenfalls die Notwendigkeit eines freien Sonntags. Für diesen gemeinsamen Familientag müsse sich jeder konsequent einsetzen: "Die notwendige Arbeit sollte auf ein Mindestmaß beschränkt werden."

Gemeinsamer Kampf um arbeitsfreien Sonntag

Christoph Mayer, Mitglied der Kolpingsfamilie, bemerkte, dass nur an einem freien Sonntag die gesamte Familie etwas gemeinsam unternehmen könne. Walter Kaminski, Vorsitzender des Dekanatsrates, hält ein persönliches Bekenntnis jedes Einzelnen für nötig, um den Sonntag als freien Sonntag erhalten zu können. Er ist der Meinung, dass der Umgang mit dem Sonntag wieder neu erlernt werden muss: "Neben dem Gottesdienst soll man sich an diesem Tag in innerer Ruhe bewegen."

Betriebsrat Georg Steinmetz sagte, dass das Ziel der Sonntagsarbeit der Dienst am Menschen sein sollte. Natürlich sei Sonntagsarbeit mitunter unvermeidbar. Steinmetz weiß, wovon er spricht, denn er arbeitet in einem Autozulieferbetrieb. Paul Hartmann, Betriebsrat bei Same Deutz-Fahr, sagte, solche Diskussionen wären bereits viel früher notwendig gewesen. Antonie Schiefnetter sprach in diesem Zusammenhang von einem Kinoeffekt: "Einer fängt mit Sonntagsöffnungen an und viele ziehen mit." Die Folge: Der Vorteil der Profitsteigerung des Vorreiters sei schnell hinüber und alle hätten später den Nachteil der Sonntagsarbeit.

Für Otto Wagner, Personalrat in der Elisabethenstiftung, sind die notwendigen Arbeiten am Sonntag solche, die anderen Menschen einen Sonntag ermöglichen. Der Appell der Teilnehmer am Ende: Die Ruhe des Sonntags muss erhalten bleiben.

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