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Landkreis Dillingen

28.01.2021

Genossenschaftsbanken im Kreis Dillingen: Der Sparstrumpf ist nicht die Lösung

Wer größere Geldbeträge bei den Genossenschaftsbanken im Landkreis parkt, muss auch dort inzwischen mit Minuszinsen rechnen. Das Geld in den Sparstrumpf zu stecken, ist aber nach Ansicht der Banker nicht die richtige Strategie, sie raten zu einem Mix bei der Anlage von Vermögen.
Foto: Ralf Lienert (Symbol)

Plus Corona und die anhaltende Niedrigzinsphase bereiten den Genossenschaftsbanken im Landkreis Dillingen Sorgen. Was die Kreisverbandssprecher Alexander Jall und Alexander Lehmann Sparern raten.

Corona hat auch bei den Raiffeisenbanken und Volksbanken im Landkreis Dillingen das Jahr 2020 überlagert. Von reduzierten Öffnungszeiten, Home-Office, virtuellen Versammlungen bis zu Corona-Krediten reichten die Themen, die vor einem Jahr noch nicht absehbar waren. Dazu kamen laut Pressemitteilung die bekannten Herausforderungen wie Niedrigzins-Phase, überbordende Bankenregulierung und Digitalisierung. Dennoch blicken die Genossenschaftsbanken im Landkreis Dillingen insgesamt zufrieden auf das zurückliegende Geschäftsjahr 2020 zurück. Diese Bilanz ziehen jedenfalls Kreisverbandsvorsitzender Alexander Jall (VR-Bank Donau-Mindel) und sein Stellvertreter Alexander Lehmann (Raiffeisen-Volksbank Donauwörth).

"Gesundes Wachstum der Gruppe im Landkreis Dillingen"

Trotz vielfältiger Einschränkungen hätten sich die Geschäftszahlen 2020 positiv entwickelt. „Insgesamt kann man von einem gesunden Wachstum unserer Gruppe im Kreis Dillingen sprechen“, betont Jall. Sowohl im Kreditgeschäft als auch im Anlagegeschäft seien solide Wachstumsraten zu verzeichnen. Leh-mann erläutert: „Wir erleben auch nach dem Ausbruch der Pandemie eine rege Nachfrage nach Krediten, vor allem im Bereich der Immobilienfinanzierungen.“ Hier sei der Wunsch nach langen Zinsbindungen zu erkennen, was bei den historischen Niedrigzinsen für die Kunden sinnvoll sei. Das betreute Kundenkreditvolumen stieg laut Pressemitteilung um beachtliche 8,6 Prozent oder 113 Millionen auf 1,3 Milliarden Euro an.

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank bereitet Sorgen

Dass es für die Kundeneinlagen praktisch keine Zinsen mehr gibt, dafür ist nach Worten der beiden Bankensprecher die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verantwortlich. „Wir bieten unseren Mitgliedern und Kunden eine hoch qualifizierte Beratung an und suchen hier gemeinsam Alternativen bei der Geldanlage“, sagt Jall. Trotz der „Nullzinsen“ wuchsen die Kundeneinlagen um 5,8 Prozent auf 1,539 Milliarden Euro, das betreute Kundenanlagenvolumen stieg um sieben Prozent auf 2,475 Milliarden. Das gesamte betreute Kundenvolumen, zu dem alle Geschäfte zählen, die zusammen mit den Verbundpartnern der genossenschaftlichen Finanzgruppe gemacht werden (unter anderem Bausparkasse Schwäbisch Hall, Union Investment, R+V Versicherung), beläuft sich auf 3,765 Milliarden Euro.

Dieses Mal mit Maske: Kreisverbandsvorsitzender Alexander Jall (rechts) und sein Stellvertreter Alexander Lehmann legten die Bilanz 2020 der Genossenschaftsbanken im Landkreis Dillingen vor.
Foto: Ralf Lienert (Symbol)

„In den vergangenen fünf Jahren ist das Kundenvolumen um 30 Prozent gewachsen. Mit diesen Zahlen sind wir als Gruppe im Kreis Dillingen klar führend am Markt“, sagt Jall und verweist auf das Erfolgsrezept: „Wir sind näher dran an den Kunden – von Aislingen bis Bissingen und von Buttenwiesen bis Zöschingen.“ Kundennähe sei in der heutigen Zeit aber nicht mehr allein durch eine Filiale vor Ort, sondern durch ein „Omnikanalkonzept“ zu erreichen. Aber auch in Zeiten von mobile banking über das Smartphone bleibe „der persönliche Kontakt zu uns ein zentraler Bestandteil der Geschäftsbeziehung“. Insgesamt 25 genossenschaftliche Geschäftsstellen (eine weniger als 2019) im Landkreis, davon zehn zur reinen Selbstbedienung, würden diese Aussage untermauern.

Von den etwa 96500 Landkreis-Einwohnern seien 36424 und damit fast 38 Prozent Mitglied und damit Miteigentümer einer genossenschaftlichen Bank im Landkreis, betont Lehmann. Viel Arbeit habe der Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr mit sich gebracht. Fast 100 sogenannte Corona-Kredite – mit oder ohne staatliche Hilfe – mit einem Volumen von 11,8 Millionen wurden bewilligt und mehr als 400 Tilgungsaussetzungen bearbeitet. „Insgesamt kämpfen sehr viele unserer Unternehmerkunden mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Sorgen machen wir uns vor allem um die Geschäfte, die in den Innenstädten angesiedelt sind“, erläutert Lehmann. Viele davon seien auch Kunden bei den Genossenschaftsbanken. Jall informiert, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise bisher entweder von den Kunden selbst zum großen Teil aufgefangen wurden oder die verschiedenen Hilfsmaßnahmen des Staates und die Unterstützung der Banken greifen. „Ich befürchte aber, dass das nur die Ruhe vor dem Sturm ist“, sorgt sich der Vorstand der VR-Bank Donau-Mindel. Corona werde Spuren hinterlassen.

Lehmann nennt eine weitere negative Folge. „Die ultralockere Geldpolitik der EZB wurde und wird weiter ausgebaut, um die zusätzlichen Schulden aufgrund der Corona-Pandemie schultern zu können.“, stellt Lehmann fest. Insgesamt belaste das Negativzinsumfeld massiv, der negative Einlagezins bei der EZB liege bei minus 0,5 Prozent. Kalkulatorisch müssten alle kurzfristig fälligen Kundengelder mit Negativzinsen belastet werden. „Mit Firmenkunden und Institutionen, die große Einlagen bei uns unterhalten, bestehen bereits entsprechende Individualvereinbarungen“, teilt der Vorstand der Raiffeisen-Volksbank Donauwörth mit. Die Negativzinsen werden, so die Einschätzung Lehmanns, nicht auf die sehr vermögenden Kunden beschränkt bleiben. Konkret entscheide das jede einzelne Bank für sich im Rahmen ihrer Geschäftspolitik.

Ein Mix aus verschiedenen Anlageformen wird empfohlen

Der Sparstrumpf sei aber auch keine Lösung, erklärt Alexander Jall. Denn da werde das Vermögen ja durch die Inflation von alleine weniger. Der Banker sagt: „Es war in den vergangenen Jahrzehnten noch nie so schwierig, dafür zu sorgen, dass das Vermögen Rendite abwirft.“ Deshalb sei auch der Beratungsbedarf bei den Kunden extrem hoch. Jall empfiehlt Sparern einen Mix aus verschiedenen Anlageformen. Dazu gehörten das Sparen in möglichst verschiedene Aktienfonds, die Geldanlage in Immobilien und Immobilienfonds sowie in Edelmetall – „der sichere Hafen in der Krise“. Zudem empfiehlt Jall „eine saubere persönliche Absicherung“ im Ruhestand und bei Berufsunfähigkeit. (mit pm)

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