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Naturschutz

27.04.2015

„Gestatten, Ameisenheger!“

Circa eine Million Ameisen leben in diesem Haufen am Waldrand in Holzheim. Die Teilnehmer des Ameisenheger-Kurses bestaunten ihn.
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Circa eine Million Ameisen leben in diesem Haufen am Waldrand in Holzheim. Die Teilnehmer des Ameisenheger-Kurses bestaunten ihn.
Bild: von Neubeck

Am Lehrbienenstand in Holzheim fand ein ganz besonderer Kurs statt

Es ist höchste Zeit etwas für ganz kleine Mitgeschöpfe zu tun, die man oft gar nicht sieht, mitunter, wenn sie im Haus vorkommen, sogar als Schädlinge betrachtet: die Ameisen. Gab es vor circa 120 Jahren in Deutschland noch rund 480 Arten, waren es bei der letzten Erhebung 2003 in Bayern nur noch 72 Arten der fleißigen Krabbler. Die Hauptursache für den Rückgang sieht Hubert Fleischmann, Chef der Ameisenschutzwarte Landesverband Bayern, in der fehlenden Vernetzung der einzelnen Lebensräume: „Für Ameisen ist die Überwindung von befestigten Flächen fast unmöglich geworden. Ebenso befinden sich viele Ameisenbestände in isolierten Waldgebieten, wodurch die Verbreitung und der Austausch von Erbgut kaum mehr möglich ist.

Die ehrenamtlichen Ameisenschützer haben sich zum Ziel gesetzt, ihren Beitrag gegen das weitere Aussterben zu leisten. Dazu gehört auch die Ausbildung zum „Ameisenheger“. Ein solcher Kurs fand vergangenen Samstag im Lehrbienenstand in Holzheim statt. Und das kam nicht von ungefähr, denn Alois Schuster ist bereits seit 1988 mit dabei. Voller Stolz führt er die 15 Kursteilnehmer aus ganz Bayern in den kleinen Wald gleich hinter der Wiese beim Lehrbienenstand und direkt am Waldrand zeigt er auf den ersten Ameisenhügel.

Kursleiter Hubert Fleischmann erläutert, dass sich dort geschätzt eine Million Tiere bis in zwei Meter Tiefe aufhalten. Circa 600 Königinnen, die bis 20 Jahre und mehr alt werden können, sorgen für Nachwuchs.

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Den Winter verbringen die Ameisen im Nest. Wenn die Temperatur unter fünf Plusgrade absinkt, begeben sich die Ameisen in eine Kältestarre und warten auf das kommende Frühjahr. Ende Februar, Anfang März erwachen die in der Nestkuppel überwinterten Arbeiterinnen und wecken das gesamte restliche Ameisenvolk. Dann beginnt die Königin mit der Eiablage. Nach vier bis sechs Wochen schlüpfen die Geschlechtstiere. Anfang Mai findet der Hochzeitsflug statt. Ein Männchen kann mehrere Weibchen begatten und stirbt danach. Ein Weibchen wird von mehreren Männchen begattet und bricht sich die Flügel ab.

Durch Samenverschleppung wachsen in ameisenreichen Wäldern wesentlich mehr blühende Pflanzen, als in anderen Waldgebieten. Davon profitieren wiederum viele Insekten vor allem Schwebfliegen, Schlupfwespen Solitärbienen und viele mehr. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Außerdem dienen die Ameisen selbst als wichtige Nahrungsquelle für viele Vögel.

Die Ameisenheger wollen die Völker schützen, sie bei Baumaßnahmen notfalls auch umsiedeln, was schon vielfach mit Erfolg geschah, und auch Verständnis bei Kindern wecken. Edith Zöttl aus Altenmünster, die mit Mann Wolfgang die Ausbildung absolviert, ist sich sicher: „Kinder sind die besten Multiplikatoren. Über sie erreicht man oft auch die Eltern. Das Ganze soll aber auch Spaß machen ohne erhobenen Zeigefinger.“

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