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Bissingen

12.06.2019

Goldschakal oder Wolpertinger: Was ist das für ein Tier im Kesseltal?

Um welches Tier handelt es sich hier? Ruth Becker, die dieses Foto auf dem Fuchsberg im Kesseltal gemacht hat, denkt, es ist ein Goldschakal, wie er kürzlich auch in Wertingen gesichtet wurde. Herangezoomt ist das Tier etwas besser zu erkennen. Es gleicht teilweise einem Fuchs, ist aber viel größer. Deshalb mutmaßt die Fotografin, dass es ein Goldschakal ist.
Bild: Ruth Becker

Plus Nichts Genaues weiß man nicht. Nur soviel, dass da ein Tier umherstreift, das nicht zu den heimischen Arten passt.

Jetzt wird es ernst. Nein – keine Angst –, nicht der Wolf hat derzeit den Landkreis Dillingen im Visier. Es könnte vielmehr der Goldschakal sein, auf dessen Spuren sich die Leser unserer Zeitung befinden. Die Pfingstsonne lockte am vergangenen Sonntag Ruth und Manfred Becker aus Syrgenstein aus dem Haus. Im Wanderführer „Wander mit“, den unsere Zeitung herausgegeben hat, suchten sie sich einen zwölf Kilometer langen Rundweg durch das Kesseltal aus. Dass diese Tour durchaus spannend werden würde, hatte das Paar nicht in diesem Ausmaß erwartet.

Zwischen Fronhofen, das zur Gemeinde Bissingen gehört, und dem Fuchsberg sichten die Wanderer ein Tier, das sie zunächst nicht eindeutig identifizieren können, weil es zu weit entfernt ist. Es schnüffelt auf einer abgemähten Wiese herum. „Zuerst dachten wir an einen Wolf, der einen Unfall hatte, weil der Schwanz so kurz war“, rätselt Ruth Becker noch heute. Sicher ist sich das Paar, dass es auch kein Fuchs ist: „Dafür ist das Tier zu groß.“ Was ist es dann?

Lange haben Sie die Bilder genau angeschaut

Am Abend glücklich, aber erschöpft wieder zu Hause angekommen, blättern die Syrgensteiner in unserer Zeitung und lesen unsere Geschichte vom mutmaßlichen Goldschakal, der auf einer Terrasse in der Marienfeldsiedlung in Wertingen gesichtet wurde. Sofort sind sie sich sicher: „Was wir gesehen haben, ist ein Goldschakal“. Ruth Becker hat das Tier auch mit ihrer Spiegelreflexkamera fotografiert, allerdings von einiger Entfernung aus, sodass das Bild beim Heranzoomen immer unschärfer wird. Dennoch – als sie ihre Fotos auf dem PC betrachtet, kommt sie immer mehr zur Überzeugung, dass es sich um einen Schakal handeln kann. Noch lange diskutiert sie am Abend mit ihrem Mann über das Erlebnis, ehe sie die Fotos unserer Zeitung schickt. Scherzhaft meint Ruth Becker am Ende: „Was weiß ich, was das ist, vielleicht ein Wolpertinger?“

Schakal oder Fuchs? Helmut Jaumann, Vorsitzender der Kreisjägervereinigung Dillingen, will es wissen und schaut für unsere Zeitung kritisch auf die Fotos. „Bei den Fotos, die die Leute alle machen, bin ich sehr vorsichtig geworden“, sagt er. Es sei wesentlich einfacher, ein Tier zu erkennen, wenn es sich in Bewegung befindet. Bei stehenden Tieren auf Bildern sei es schwer, diese zu bestimmen. Jaumann will sich letztendlich nicht festlegen. „Das Foto mit dem Gesicht nach vorne erinnert mich schon sehr an einen Jungfuchs“, meint er. Jungfüchse seien jetzt etwa zehn Wochen alt und schon unterwegs. Auf den anderen Fotos sei der Fuchs nicht so ganz klar. Was den Jägervorsitzenden stutzig macht, ist der Schwanz des Tieres, der eher an einen Schakal erinnere. Letztlich bleiben Zweifel. Denn Jaumann sagt: „Ich bin kein Schakal-Experte – das ist reine Theorie für mich.“

Und woher kommt eigentlich plötzlich der Waldrapp?

Eindeutige Klarheit herrscht hingegen inzwischen bei einem anderen tierischen Thema, das ebenfalls vergangene Woche unsere Zeitung beschäftigte. Der Waldrapp ist wieder zurück. Der gänsegroße Vogel, den ein Leser bei Rieblingen mit seiner Handykamera aufgenommen hatte, war in unseren Breitengraden ausgestorben. Das Tier stammt wahrscheinlich aus dem Auswilderungsprojekt von Burghausen im Landkreis Altötting. Diplombiologin Monika Schirutschke vom Landesbund für Vogelschutz, Bezirksgeschäftsstelle Memmingen, bestätigt, dass das in Rieblingen geschossene Foto einen Waldrapp zeigt. „Der Waldrapp war bis ins 17. Jahrhundert in Mitteleuropa heimisch. Derzeit gibt es nur noch sehr wenige Brutplätze, unter anderem in Marokko, in Mitteleuropa ist er ausgestorben“, schreibt die Biologin an unsere Zeitung.

Das sind die typischen Merkmale des Vogels

Beobachtungen vom Waldrapp kommen jährlich in Bayern vor, weiß Schirutschke. Allerdings meist nur am Alpenrand. In Burghausen gibt es ein Artenschutzprojekt, das die Vögel aufzieht und zum Ziel hat, sie wieder hier anzusiedeln. Ob der Rieblinger Waldrapp aus Burghausen kommt, ist nicht feststellbar. Die Vögel werden beringt, und ohne Ringnummer können die Projektbetreiber nicht sagen, woher der Vogel kommt. Dass es sich aber um einen Waldrapp handelt, ist sicher. Typische Merkmale sind der kahle Kopf, der lange Schnabel und der Federnkranz um den Kopf.

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