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Kabarett

16.04.2019

Große Satire und ein Söder-Zäpfle

Als Bauernehepaar lästern Bianca Bachmann und Jürgen Kirner, musikalisch begleitet von Bernhard Gruber (links) und Berni Filser, im Lauinger Stadeltheater. Das Publikum war am Ende hingerissen von dem Auftritt.
Bild: von Weitershausen

Das Gastspiel der Couplet AG im Lauinger Stadeltheater wird zu einem Brettel-Highlight. Das Publikum belohnt die vier Künstler mit einem Beifallssturm

Ein ausverkauftes Stadeltheater war beim Gastspiel der Couplet AG zu erwarten. Doch dass am Ende dieses Bühnenspektakels das Publikum zu einem solch lautstarkem Beifallssturm hingerissen wird, überrascht dann doch. Dies ist weit mehr als die Aufforderung, das Programm mit Zugaben zu verlängern.

Mit Jürgen Kirner, Bianca Bachmann, Bernhard Gruber und Berni Filser stehen vier hoch professionelle Brettelkünstler auf der Bühne. Ihre musikalische Polit- und Gesellschaftssatire löst beim Publikum im Stadeltheater immer wieder begeisterte Lachtiraden aus. Da folgt in ihrem Programm „Wir kommen – die Rache der Chromosomen“ eine kabarettistische Hochleistung auf die andere, und die Zuschauer haben kaum Zeit, zwischen dem Lachen Luft zu schöpfen. Als Bauern-Ehepaar lästern Bachmann und Kirner über die Nachbarn und bringen dabei auch die Kritik der Gesellschaft an Biogas, Ammonium verseuchten Boden, Asbest, Kunstdünger, Nachhaltigkeit und der Adoption afrikanischer Kinder unter.

Anschließend besingen sie als stolzes Ehepaar ihren Sohn Kevin, dem als Champ im RTL-Diktatoren-Camp die Welt jetzt offen steht. „Denn überall auf der Welt werden jetzt Diktatoren gewählt.“ Kirner und Bachmann ergänzen sich auch als Alkoholiker-Liebschaft mit herrlich verbogenem Wiener Dialekt perfekt. Aber sie glänzen auch in ihren jeweiligen Solo-Auftritten.

Große Satire und ein Söder-Zäpfle

So muss sich niemand fürchten vor ihrer „Rache der Chromosomen“, auch wenn der Titel des Programms wie eine Drohgebärde klingt. Es gibt kaum Halt vor einem Thema, und dabei legen die beiden in beinahe zynischer Freude die Finger zwischen die eitrigen Pickel menschlicher Abgründe.

So nehmen sie auch ungesunde Lebensweisen samt Verbrauchern mit Pharma- und Lebensmittelindustrie aufs Korn. „Dick ist schick und fett ist nett“ oder „Stündlich einen Zucker-Joint und der Tag, der ist dein Freund“ sind ihre Empfehlungen. Und wenn Kirner als Rentner mit Hartz-IV-Bedarf markerschütternd ruft: „Haaam se meine Flaschn gesehn?“ und dabei Kanzlerin Merkel verdächtigt, mit ihrem Diesel durch Bayern zu fahren und dabei alle bayerischen Polit-Flaschen um sich- und einzusammeln, wird es politisch im Stadeltheater.

Dazwischen versuchen sich Otto und Gustl beim Umarmungstraining. Dabei spielt Gruber, Mitbegründer und musikalischer Kopf der Couplet-AG, die Rolle des wortkargen Otto mit stoischer Gelassenheit, denn nur so kann er den lispelnden, fröhlich-naiven Gustl davon abhalten, die Menschen im Publikum mit seinem Lötkolben zu tätowieren.

Ein Glück, dass es von Otto für Gustls Lötkolben keinen Strom gibt. Dafür unterhält der Gustl die Leute gern mit kleinen Reimen, denn „Mein Geist der sprüht, wenn‘s Kölberl glüht“. Mit diesen kleinen Kalauern unterhalten die zwei das Publikum, wenn sie nicht Jürgen Kirner und Bianca Bachmann mit Akkordeon und Gitarre begleiten.

In einer ihrer Zugaben verteilen die Kabarettisten dann als Höhepunkt kleine Geschenke in weißer Plastikfolie, die sie mit Schwung dem Publikum zuwerfen. Ein Söder rektal Zäpfle mit der ärztlichen Empfehlung: „ist multifunktional!“

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