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Gundelfingen

10.11.2018

Günstiger oder zukunftssicher?

Die Kläranlage der Stadt Gundelfingen ist in die Jahre gekommen und soll modernisiert werden. Der Stadtrat muss zwischen einer kleineren und günstigeren sowie einer größeren und teuereren Variante, die womöglich zukunftssicherer ist, entscheiden. So oder so wird das Projekt wohl mehr als zehn Millionen Euro kosten.
Bild: Judith Roderfeld, Archiv

Gundelfingen muss sich bei der Modernisierung der Kläranlage zwischen zwei verschiedenen Varianten entscheiden. Beide kosten wohl deutlich mehr Geld als geplant.

Die Stadt Gundelfingen hat diverse Millionenprojekte vor der Brust. Brenzhalle, Westliche Bleiche, Feuerwehrgerätehaus – und die Kläranlage. Die ist in die Jahre gekommen und benötigt eine Modernisierung. Um dieses Vorhaben ging es bei der jüngsten Stadtratsitzung am Donnerstagabend. Ernst Engesser vom Ingenieur-Büro Schlegel aus München stellte zusammen mit Harald Pröbstle, Tiefbauamtsleiter der VG Gundelfingen, die Planungen vor. Die beiden präsentierten zwei mögliche Varianten, wie die Kläranlage einmal aussehen könnte. Es geht vereinfacht gesagt darum, ob die Stadt eine kleinere, kostengünstigere, oder größere und dafür auch teurere Variante haben möchte.

Die kleineres Variante birgt ein Risiko

Variante eins würde die bisherigen, räumlichen Abgrenzungen der Kläranlage beibehalten. Ohne diese Flächenerweiterung hätte die Kläranlage eine Maximalgröße von 22000 EW, das bedeutet Einwohnerwert – ein Vergleichswert in der Wasserwirtschaft. Das Risiko der kleineren Variante: Siedeln sich in Zukunft neue Unternehmen in der Gärtnerstadt mit hohem Abwasserabfall an, könnte die Kläranlage eventuell an ihre Grenzen stoßen. Eine Bodenuntersuchung hat nun auch ergeben, dass das Areal nicht wie bisher angedacht im Norden zu erweitern wäre. „Der Boden dort ist zu schlecht“, erklärte Pröbstle. Hier kommt die zweite Variante ins Spiel. Bei dieser würde das Areal der Kläranlage im Westen um rund 3000 Quadratmeter wachsen. So wäre ein Ausbau auf einen Einwohnerwert von 28000 möglich – und auch eine vierte Reinigungsstufe wäre so möglich, die etwa auf Medikamentenreste, Hormone und Mikroplastik abzielt.

Nicht der Preis unterscheidet die beiden Varianten

Die beiden Varianten unterscheiden sich in der Planungs- und Bauzeit. Die größere würde planmäßig fast ein Jahr länger benötigen – gute viereinhalb Jahre. Und, der bedeutendste Unterschied: der Preis. Es stehen kalkulierte Gesamt-Investitionskosten von 10,2 zu 10,6 Millionen Euro gegenüber, nach jetzigem Stand ein Unterschied von 400000 Euro also. Das liegt vor allem am Hochwasserschutz. Die Kläranlage liegt im HQ-100-Gebiet, benötigt für den Fall des hundertjährigen Hochwassers also einen besonderen Schutz. Der vorhandene Schutz würde nicht ausreichen, dies habe eine Untersuchung gezeigt, macht Pröbstle deutlich. „Hier müssen wir grundlegend sanieren, ansonsten steht die Kläranlage bei einem HQ-100-Ereignis unter Wasser.“ Und das kostet. 1,5 Millionen Euro für die kleinere und 1,8 Millionen Euro für die größere Variante.

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Die Kosten sind in jedem Fall deutlich höher als bislang angenommen

Die Gesamtkosten beider Varianten, die im Rahmen der Stadtratsitzung kommuniziert wurden, liegen deutlich über den bisher angenommenen Preisen. Im Gegensatz zur Bedarfsplanung ist die Schätzung bei der nun vorgestellten Vorplanung um rund 1,2 Millionen Euro angestiegen. Hauptsächlich verantwortlich dafür sind die Erkenntnisse aus dem Baugrundgutachten, die Mehrkosten von 600000 Euro ergeben haben. Daneben schlagen, wie bei so vielen Projekten derzeit, auch die steigenden Baupreise zu Buche. Michael Wohlhüter (CSU) zeigte sich „erstaunt“ über die Preissteigerung. „Sind die Informationen über den schlechten Baugrund erst jetzt aufgekommen?“, fragte er. Pröbstle antwortete: „Uns lag kein Baugrundgutachten vor.“ Siegfried Wölz (SPD) erkundigte sich nach Fördermitteln. Man habe bereits beim Landratsamt angefragt, erklärte Pröbstle. Ausgehend von den bisherigen Antworten bekomme die Stadt keine Zuschüsse. „Aber wir schauen weiter, dass wir irgendwelche Fördermittel erhalten.“ Bürgermeisterin Miriam Gruß betonte, dass man sich nicht auf einzelne Summen versteifen, sondern sich vielmehr über die Notwendigkeit der Maßnahmen unterhalten solle.

Eine Entscheidung steht noch aus

Der Stadtrat wurde am Donnerstagabend lediglich informiert. Eine Entscheidung, wie die neue Kläranlage aussehen soll, steht noch aus. „Aus der Sicht des Planers empfehle ich die Variante eins, da sie günstiger und schneller zu realisieren ist“, sagte Engesser. Franz Kopp (FW) war anderer Meinung. „Zu Beginn der Planungen sind wir davon ausgegangen, dass wir eine Option haben, die Leistung der Kläranlage im Norden aufzustocken.“ Nach der Bodenuntersuchung sei dies nicht mehr möglich, deshalb bleibe nichts anderes übrig als die größere Variante. Parteikollege und Dritter Bürgermeister Werner Wittmann unterstrich diesen Standpunkt. „Wir brauchen in allernächster Zeit die Reinigungsstufe vier, eher noch fünf.“ Weitergehen sollen die Beratungen zur Kläranlage im Bauausschuss.

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