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Weltrekord

10.01.2020

Gundelfinger Firma baut Rekord-Fassade für neue Google-Zentrale

Direkt neben dem Londoner Bahnhof King’s Cross baut sich Google eine neue Zentrale. Die Fassade dafür kommt aus der Region.
Bild: BIG/Heatherwick (Simulation)

Plus Der Internetgigant Google lässt in London eine neue Zentrale bauen. Die Hülle dafür liefert die Firma Gartner aus dem Kreis Dillingen.

Im Norden Londons, direkt neben dem bekannten Bahnhof King’s Cross, baut sich Internetgigant Google eine neue Zentrale. Es wird ein standesgemäßer Bau für den Weltkonzern – ein sogenannter "Landscraper" für 4000 Mitarbeiter. Im Gegensatz zu einem Hochhaus, einem "Skyscraper", ist das Gebäude deutlich länger als hoch.

Es wird sich 50 Meter in die Höhe und unglaubliche 330 Meter in die Länge erstrecken. Nicht nur die geplanten Maße sind bemerkenswert, sondern auch die Fassade. Das neue Google-Hauptquartier wird die größte Glas-Holz-Fassade der Welt tragen. Dieses Konstrukt der Superlative kommt aus der Region. Die Firma Gartner mit Hauptsitz in Gundelfingen (Kreis Dillingen) plant und fertigt die Hülle für den Mega-Bau.

Neue Google-Zentrale in London: Drei Fußballfelder aus Glas und Holz

Insgesamt 23.500 Quadratmeter wird die Fassade groß sein – drei Fußballfelder also aus Glas und Holz. Zum Einsatz kommen mehr als 2000 Glasscheiben, die jeweils bis zu acht Meter lang und zum Teil über 1,5 Tonnen schwer sind, außerdem über 950 bis zu zehn Meter hohe Holzpfosten-Konstruktionen. Sie alle lässt Fassaden-Spezialist Gartner bei Partnerfirmen herstellen und nach Gundelfingen bringen.

So soll das neue Hauptquartier des Internetgiganten Google in London einmal aussehen.
Bild: BIG/Heatherwick (Simulation)

Lediglich die Unterkonstruktion aus Stahl, die die Fassade trägt, stellt die Firma selbst her. Die gelagerten Materialien kommen dann, wenn die Baustelle in London soweit sein wird, per Lkw aus der schwäbischen Kleinstadt in die britische Metropole, um sie vor Ort auf der Baustelle zusammenzufügen.

Ursprünglich war geplant, die Fassade ab September 2019 anzubringen. Doch die Arbeiten am Rohbau verzögern sich. Mittlerweile rechnet Gartner damit, mit ihrem Part erst in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres beginnen zu können. Verantwortliche des Unternehmens fliegen alle ein bis zwei Wochen nach London, um den Fortschritt des Projekts zu begutachten. Es geht um viel Geld. Durch die Zeitverzögerung stapeln sich die Bauteile bei der Firma. Zwei zusätzliche Lagerhäuser im benachbarten Heidenheim mietete die Firma bereits an, weitere Flächen in Offingen (Kreis Günzburg) sind reserviert. An den Kosten will Gartner Google beteiligen.

Gartner baut Fassade für neue Google-Zentrale in London, links Geschäftsführer Jürgen Wax, rechts Projektleiter Johannes Schwenk
Bild: Andreas Schopf

Google-Fassade stellt Gartner aus Gundelfingen vor eine Herausforderung

Auch die Fassade selbst stellt die Entwickler vor einige Herausforderungen. Kaum ein Teil dafür gleicht dem anderen. Alleine für die Holzprofile muss Gartner fast 200 verschiedene Querschnitte entwickeln. Überhaupt erfordert der Einsatz von Holz besondere Überlegungen. Da dies ein recht weicher Stoff ist, verformt er sich unter dem Einfluss von Feuchtigkeit. Um die Flächen widerstandsfähig zu machen, wird das an der Außenseite verwendete Holz mit Essigsäure behandelt. So soll die Fassade 50 Jahre und mehr der Witterung trotzen.

Vor kurzem installierte Gartner einen kleinen Prototyp der Fassade auf dem heimischen Gelände. Um Belastungen, denen das Material künftig standhalten muss, zu simulieren, setzt die Firma einen alten Flugzeugmotor aus dem Jahr 1958 ein, der mit bis zu 2068 Pferdestärken Wind erzeugt.

Für Gartner ist der Auftrag von Google der aktuell größte. Die Verantwortlichen erwarten ein Volumen im dreistelligen Millionenbereich. Der Fassaden-Spezialist hat Erfahrung mit prestigeträchtigen Vorhaben dieser Art. BMW-Welt in München, Elbphilharmonie in Hamburg, die neue Arena des Fußballklubs Tottenham Hotspur in London, dazu die Zentralen von Apple im kalifornischen Cupertino und des Fahrdienstleisters Uber in San Francisco – sie alle haben eine Fassade aus Gundelfingen.

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