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Kernkraft

21.03.2019

Gundremmingen: Das größte Kernkraftwerk mit dem höchsten Müllberg

Die Gegner des Zwischenlagers geben nicht auf. Jetzt trafen sie sich wieder in Dillingen.
Bild: Bernhard Weizenegger, Archivbild

Die Bürgerinitiative gegen das Zwischenlager will nicht aufgeben, sondern weiter dagegen kämpfen. Bei einem Termin in Günzburg hoffen die Gegner auf Antworten.

Im Vergleich zu den gewaltigen Hausmüllmengen nimmt sich die genehmigte Zahl an Reststoffen im Zwischenlager von Gundremmingen eher bescheiden aus: Knapp 2000 Tonnen hochradioaktiven Mülls dürfen dort auf rund 190 Stellplätzen für Castor-Behälter angesammelt werden. Deren Inhalt erreicht angesichts ihrer ungeheuren Brisanz kaum vorstellbare Dimensionen. „Es braucht über eine Million Jahre, bis dieser Atommüll so weit abgeklungen ist, dass die Radioaktivität wieder das radioaktive Niveau des Grundstoffes Uran erreicht“, ringt Raimund Kamm vor rund drei Dutzend Gästen um Fassung. Der Vorsitzende des „Forum – Gemeinsam gegen das Zwischenlager“ hat zusammen mit Ulrike Brenner und Monika Hitzler in die Osteria zur goldenen Traube nach Dillingen eingeladen, die sonst eher für fröhlich-gesellige Zwecke aufgesucht wird. Doch die von dem Energieexperten eingebrachten Fakten und Ziffern stehen mehr für das Gegenteil davon.

Die Bürgerinitiative klagt sein Jahren, erinnert ein Gundelfinger

„Ein halbes Jahr nach Entnahme der verstrahlten Spaltelemente aus einem AKW – verharmlosend Brennelemente genannt – strahlen diese rund zehn Milliarden Mal so stark wie ein nicht verstrahltes Uranspaltelement“, macht Kamm deutlich und weist auf die verschiedenen Lagerungs- und Aufbereitungsstandorte europaweit hin, in denen die Reste aus der Kernspaltungsenergie landen.

Auch im Landkreis Günzburg in unmittelbarer Nachbarschaft zu Dillingen. So wurden mehr als 200 Tonnen des Materials aus dem Ende 2017 dichtgemachten Block B in der dortigen Zwischenstation untergebracht.

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Dagegen klagt die Bürgerinitiative seit Jahren. Mit Niederlagen wie Erfolgen, worauf Gundelfingens ehemaliger Dritter Bürgermeister Rudolf Wahl im Laufe des Abends hinweist. Sieben Riesenordner belegen die juristischen Bemühungen des engagierten Streiters gegen die Atomkraft. „Viele Dokumente mit sicherheitsrelevanten Passagen, etwa die Auswirkungen eines Absturzes oder terroristischen Angriffes, wurden einfach geschwärzt und dürfen selbst von Richtern nicht eingesehen werden“, beklagt der unermüdliche Kläger vor seinen Mitstreitern.

Die Mitglieder beweisen eine Engelsgeduld

Grund zum bloßen Schwarzsehen verspürt das „aufrechte Häuflein“ der Zwischenlager-Kritiker an diesem Abend in der Traube dennoch kaum. Schließlich weiß es einen 900 Mitglieder starken Verein mit Engelsgeduld und stabiler Kassenlage im Rücken. „So schlecht sieht es für uns dann doch wieder nicht aus, zumal wir an unseren Einwänden festhalten und wieder vor Gericht ziehen werden“, gibt sich Wahl über die Fortsetzung „einer unendlichen Geschichte“ zuversichtlich. Auch wenn es schwer werden dürfte.

Sieht die Bedeutung der Atomkraft weltweit eher sinken: Kernkraft-Kritiker Raimund Kamm.
Bild: Julia Sewerin

Raimund Kamm bedauert, dass bei vielen Bürgern nach Abschaltung eines Meilers das Thema abgehakt oder schlicht vergessen werde: „Wir haben da zu kämpfen gegen ein Atommüll-Dilemma, das uns die einstigen Väter und Mütter der Atomkraftnutzung hinterlassen haben.“ Der Routinier verweist jedoch mehrmals darauf, dass alle Deutschen Verantwortung an einer sinnvollen Lösung trügen und sorgte sich um „künftige Generationen, die vom Atomstrom niemals profitierten, aber trotzdem die Last zu tragen“ hätten. Beispielsweise in Form eines Endlagers für die Atomreste, bei dessen künftiger Festlegung kein Sankt-Florians-Prinzip vorherrschen dürfe.

Der Forumsvorsitzende rechnet „bei dieser Frage bundesweit mit Riesen-Konflikten“. Doch zunächst sollen Landespolitiker am Mittwoch, 3. April, um 19.30 Uhr im Forum am Hofgarten in Günzburg Antworten liefern.

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