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Kabarett

21.10.2018

Hader hadert in Höchstädt

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Josef Hader trat am Freitag mit seinem Programm „Hader spielt Hader“ in der Nordschwabenhalle in Höchstädt auf. Mal stehend, mal sitzend, mal am Keyboard bringt er das Publikum mit schwarzem Humor zum Lachen.
Bild: Jakob Stadler

Der Wiener Kabarettist ist ausverkaufte Säle gewöhnt – doch in der Nordschwabenhalle bleiben am Freitag viele Plätze frei. So wird es ein intimer Abend.

Mal lacht das Publikum beim Auftritt von Josef Hader minutenlang durch. Mal ist es totenstill. Nicht, weil eine Pointe nicht zünden würde. Sondern, weil Hader es darauf anlegt. Gleich mit den ersten Schritten auf der Bühne beherrscht er die Stimmung im Saal. Er würgt den Applaus ab. „Das ist nicht fürs Fernsehen, wir brauchen nicht übertreiben“, sagt er, um dann von der „intimen Humor-Baracke“ zu sprechen, in der er auftritt. Gemeint ist die Höchstädter Nordschwabenhalle. Die ist am Freitagabend tatsächlich intim.

Jeder Auftritt nach Höchstädt ist ausverkauft

Hader gilt als einer der bekanntesten Kabarettisten des Landes – gut, damit ist seine Heimat Österreich gemeint. Doch eigentlich hat der Wiener auch in Deutschland eine große Fangemeinschaft. Nach seinem Höchstädt-Auftritt spielt er am Samstag in Landshut – ausverkauft. Am Dienstag tritt er in Graz auf, am Donnerstag in Karlsfeld bei München, am Freitag in Berlin – ausverkauft, ausverkauft, ausverkauft. Anfang November füllt er das Münchner Audimax an zwei Tagen nacheinander.

Hader nimmt die Lage mit Humor

In Höchstädt lief der Verkauf schleppend. Die Kulturinitiative „Kulti“ hatte sich gefreut, den Hochkaräter bekommen zu haben – doch in die Halle würden deutlich mehr als die rund 250 Menschen passen, die letztendlich gekommen sind. Hader nimmt es mit Humor. Er meint, „wenn der wirklich so gut wäre, wäre die Halle voll“, und singt sein Lied für die Leute, die nicht gekommen sind. „Sehr passend“, merkt er an. Dann zeigt sich der schwarzhumorige Wiener Schmäh, für den er seit den 1980er-Jahren bekannt ist. „Die Irmgard, die Irmgard, wär heut da, wann sie da Franz net würgen tat.“

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Keiner kommt ungeschoren davon

Hader erzählt Geschichten, die halbwegs gemäßigt anfangen, in die er sich dann hineinsteigert. Er selbst mache die Kreta-Diät – nur Olivenöl – um dann zu erfahren, dass Frankreich die gleiche Herzinfarktrate hätte wie Kreta. Was machen die Franzosen, das so gesund ist? „Viel Wein trinken, keine Fremdsprachen sprechen und unfreundlich sein?“ Damit fängt sein Monolog über Vorurteile an, in dem er am Ende nahezu jeden beleidigt hat. „Die Allerunfreundlichsten sind die Serben – wenn’s die Kroaten nicht gäbe“, äzt Hader schließlich, schimpft über die Wiener mit ihren Tschechen-Augen, die Franzosen sowieso.

Die blödesten Tiere und der Trottelfisch

Dann macht er sich über Tiere her. Katzen seien die „allerblödesten Tiere“, das sei wissenschaftlich erwiesen, sie seien das „fehlende Bindeglied zwischen Pflanze und Tier“. Das „Gemüse mit Schwanz“ lebe in einer kranken Parallelwelt – hier sehe er Parallelen zu Politikern. Delfine seien noch schlimmer, erklärt Hader angewidert, stimmt das Flipper-Lied an und bricht es gleich wieder ab – „Trottelfisch“.

Neben diesen Momenten, in denen er sich in Rage geredet hat, sind da die stillen Augenblicke, in denen Hader melancholisch wird. Er setzt sich verkehrt herum auf den Stuhl, die Arme auf der Rückenlehne, und erzählt von seiner Scheidung. In der Halle herrscht Ruhe. Er wirkt ehrlich, fast ergriffen, als er erzählt, sie hätten sich gegen Kinder entschieden. Kurz darauf folgen die Lacher. Kinder erzeugen so viel CO2. Da war die Entscheidung „Auto oder Kind“. Man habe festgestellt – beim Kind, nicht beim Auto –, „preis-leistungsmäßig ist das kein Must-have“. Er bringt das Publikum wieder zum Schweigen. An Weihnachten wünsche er sich schon Kinder. Er schwärmt von „tappsenden Zwergerl“, die mit leuchtenden Augen den Weihnachtsbaum anschauen. Das stelle er sich toll vor. „Na ja, scheiß drauf, die paar Tage im Jahr, es ist eh nicht oft Weihnachten“, sagt er. Außerdem gebe es ja die Option, sich zu betrinken.

Auch ein Nachwuchs-Kabarettist darf ran

„Hader spielt Hader“ ist ein Best-of-Programm, mit dem der Wiener bereits 1997 auf Tour war, 2011 hat er es neu konzipiert. Das Internet kommt nicht vor, deshalb überlässt er das Publikum nach der Pause für zehn Minuten dem Kabarettisten Rudi Schöller. Der erzählt, wie er seinen Eltern das Internet erklärt, und spielt ein Lied, in dem er Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer und Jan Delay im Wechsel parodiert. „Das größte Talent der österreichischen Kabarettszene“, sagt Hader, als Schöller von der Bühne geht, „hatte heute leider keine Zeit. Aber er ist auch nicht schlecht.“

Hader selbst spielt zwei Stunden. Mal im Stehen, mal im Sitzen, mal singend und am Keyboard spielend. Zwei Mal spricht er mit seinem Tontechniker Gerhard. Hader trägt ein schwarzes Hemd zur schwarzen Hose. Bis auf sein Instrument und den Stuhl ist die Bühne leer. Hader braucht keine große Show. Das Publikum beherrscht er auch so.

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