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19.07.2010

"Hänsel und Gretel" als Sommermärchen

Mit brillanten Stimmen und schauspielerischem Engagement: Nathalie Mittelbach als Hänsel (links) und Isabel Blechschmidt als Gretel bei der Aufführung der Märchenoper im Höchstädter Schlosshof. Fotos: Pawlu
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Mit brillanten Stimmen und schauspielerischem Engagement: Nathalie Mittelbach als Hänsel (links) und Isabel Blechschmidt als Gretel bei der Aufführung der Märchenoper im Höchstädter Schlosshof. Fotos: Pawlu

Höchstädt "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck gilt an Opernhäusern als sicheres Erfolgsstück für die Weihnachtszeit. Das Lebkuchenhaus der Hexe und die Präsenz von 14 Engeln scheint das Werk jahreszeitlich zu binden.

Die szenisch-konzertante Aufführung im Höchstädter Schlosshof lieferte den überzeugenden Beweis, dass sich das "Kinderstubenweihfestspiel" durchaus als Sommermärchen einsetzen lässt. Bei der Veranstaltung des Bezirks Schwaben sorgten Christian Pyhrr (musikalische Leitung), Natalie Böck und Istvan Nemeth (Choreografie) zusammen mit den Darstellern für den notwendigen Zauber.

Volksliedhafte Melodienführung

Das Schwäbische Instrumentalensemble verdeutlichte die volksliednahe Melodienführung Humperdincks, die im Arrangement Alexander Krampes unangetastet blieb. Konsequenterweise wurde der Handlungsablauf, der sich an die Grimm'sche Version anlehnt, als eine parabelhafte Geschichte von Bedrohung und glücklichem Ende ganz im Sinne romantischen Volksglaubens präsentiert. Die vielen Besucher genossen die berühmten Volkslieder, die Humperdinck übernommen hat oder die sein Erfindungsgeist zu Volksliedern werden ließ.

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Die meteorologisch ungestörte Veranstaltung zog auch Kinder an, von denen viele wohl erstmals mit dem musikalisch-optischen Reiz einer Oper in Berührung kamen. Selbstverständlich konnte die Inszenierung im Schlosshof nicht alle lieb gewordenen Details der Grimm'schen Vorlage und des Librettos von Humperdincks Schwester Adelheit Wette übernehmen. Gehext wurde hier mit einem modernistischen Staubwedel. Ein bisschen Backwerk ersetzte das Lebkuchenhaus. Hänsel wurde im Stall nicht mit fetten Leckerbissen, sondern mit Chips gefüttert. Der Zuschauerbereich diente als Backofen, in den die Hexe schließlich hineingestoßen wurde.

Faszinierende atmosphärische Dichte

Dennoch verströmte die Aufführung faszinierende atmosphärische Dichte. Die elf Instrumentalisten sorgten für die perfekte Umsetzung der Partitur, die Choreografie der tanzenden Engelschar, entsandt vom "DanceCenter Nr. 1", erinnerte an die metaphysischen Komponenten der "Kinder- und Hausmärchen" und die Darsteller erwiesen sich nicht nur als hervorragende Sänger, sondern auch als engagierte Schauspieler. Obwohl Humperdinck die Handlung "in märchenhafte Zeiten" verlegte, war die Armut dieser Märcheneltern (Liat Himmelheber und Philipp Gaiser) in der Hartz-IV-Epoche nicht mehr ganz unverständlich. Nathalie Mittelbach (Mezzosopran) als Hänsel und Isabel Blechschmidt (Sopran) als Gretel verdeutlichten vor allem in den liedhaften Duetten die Brillanz ihrer Stimmen. Jasmin Hörner bereicherte als Sand- und Taumännchen die Inszenierung mit jener Poesie, die ihre Kraft aus transzendentalen Quellen schöpft. Die Knusperhexe war kein weibliches Wesen, sondern Richard Resch. Obwohl sich Humperdinck für einen Tenor in dieser Rolle nicht erwärmen konnte, offenbarte sich in dieser Besetzung ein tieferer Sinn: Der entmythologisierte Hexenmann mit strahlender Stimme ließ sich leicht überlisten.

Frauen sind intelligenter …

Den Esprit für diesen Sieg über leicht dümmliche Magie lieferte Gretel. Und so war auch mit dieser Inszenierung eine Erkenntnis belegt, die ohnehin in allen Wissenschaftsmagazinen steht: Frauen sind intelligenter als Männer.

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