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Gundelfingen

05.10.2019

Hässliches Gemüse hat beim Verbraucher keine Chance

Obwohl die Verbraucher immer mehr auf den Geschmack achten, verlangt der Handel von den Produzenten weiterhin bei allen Gemüsesorten ansprechende Optik. Karotten, die auf diesem Förderband nicht den Vorgaben entsprechen, werden vernichtet.
Bild: Horst von Weitershausen

Plus Die Gemüsebauern der Gartenbauzentrale Gundelfingen stehen zur Zeit im Erntestress. Warum so viele Erzeugnisse im Müll landen.

Das Getreide ist in der Scheune, Grünland und Mais sind zum Großteil siliert, Rüben und Spätkartoffeln stehen zur Ernte an. Während Ackerbauern damit beschäftigt sind, ihre Zwischenfrucht anzubauen oder den Boden für die nächste Aussaat vorzubereiten, stehen die Gemüsebauern in der Region zur Zeit voll im Erntestress, wie auf den Feldern rund um Gundelfingen zu sehen ist. Da müssen Karotten, Rettiche, Pastinaken, Petersilwurzeln und sämtliche Kohlarten vom Weißkraut über Rotkraut bis zum Blumenkohl, Sellerie, Eissalat und Chicorée auf Abruf der Vertriebsorganisation angeliefert werden, um die regionalen Gemüseprodukte täglich frisch in den Regalen der Supermärkte, Discounter und des Einzelhandels zu platzieren.

Zuständig für den Vertrieb und die Vermarktung des Gemüses in der Region ist die Gartenbauzentrale Main-Donau in Gundelfingen. Dabei handelt es sich um eine Erzeugergenossenschaft, die 1966 in der Gärtnerstadt gegründet wurde und 1998 um den Standort Albertshofen in Franken erweitert wurde.

Warum Regionalität bei Gemüse so wichtig ist

Die Absatzgebiete erstreckten sich auf Bayern, Baden Württemberg, Sachsen und Thüringen, berichtet Geschäftsführer Werner Hopf. „Das macht uns zu einer der größten bayerischen Frischgemüse-Genossenschaften, worauf wir ganz schön stolz sind“, sagt Hopf.

Aus dem Bereich Gundelfingen komme dabei hauptsächlich im Freiland angebautes Wurzelgemüse und Kohl aller Art in den Handel. In Albertshofen werde das Gemüse hauptsächlich in Gewächshäusern kultiviert. Hier werden zum Beispiel Salatgurken und Tomaten, aber auch Spezialkulturen wie Rettich, Feldsalat oder Bio-Kresse geerntet.

Angesprochen auf die vielbeworbene „Regionalität“ sagt Hopf, dass diese Welle der Gartenbauzentrale Main-Donau sehr gutgetan habe. Sie fordere jedoch auch große Investitionen. So habe das Unternehmen allein in Gundelfingen sehr viel in Lagermöglichkeiten investieren müssen. Am Standort sei ein Langzeitlager für 10000 Tonnen Wurzelgemüse entstanden.

Werner Hopf, Geschäftsführer der Gartenbauzentrale Main-Donau in Gundelfingen mit frisch geerntetem Gemüse
Bild: Horst von Weitershausen

„Die Kunden wissen heute in der Regel nicht mehr, wann welches Gemüse oder Obst Saison hat“ erklärt der Geschäftsführer. Dafür müsse entsprechende Ware eben von Gebieten eingeführt werden, wo dieses Gemüse zu diesem Zeitpunkt Saison habe. Dies führe jedoch zu höheren Preisen und Geschmacksverlusten und könne auch nicht unter dem Slogan „Regionalität“ in den Handel kommen.

Neben dem Geschmack spielt auch die Optik eine Rolle

Überhaupt habe sich das Verbraucherverhalten in den vergangenen zehn Jahren verändert, weiß Hopf. Wo früher nach der Optik eingekauft worden sei, spiele immer mehr der Geschmack die entscheidende Rolle. Der Geschäftsführer sagt aber: „Dennoch müssen wir uns auch gerade in der Optik an die Vorgaben unserer Handelspartner halten.“

So müssten beispielsweise Karotten über eine gewisse Länge und Umfang verfügen, ebenso das Gewicht und die Größe des Salats, des Kohls oder des Selleries. Die Ware werde deshalb bereits bei der Anlieferung auf diese Kriterien untersucht. „Entspricht das jeweilige Gemüse dabei nicht den Vorgaben, muss es leider entsorgt werden“, sagt Hopf und deutet dabei auf Stapel von erschreckend vielen angelieferten Kisten mit Gemüse, deren Weg in den Kompost führt. „Ugly Vegetable hat in Zeiten eines gut versorgten Marktes beim Verbraucher keine Chance“, bedauert der Geschäftsführer.

Wurzgelgemüse und Kohl gedeiht in diesem Jahr besonders gut

Wenn dann auch noch wie im vergangenen Jahr das Wetter kontraproduktiv ist, hätten die Erzeuger den großen Schaden. „Zum Glück ist die Ernte beim Wurzelgemüse und den Kohlsorten in unserer Region in diesem Jahr gut“, sagt Hopf. Es sei aber schwierig geworden, die notwendigen Anbauflächen für den Gemüseanbau pachten zu können. „Die guten Böden unserer Heimat und die optimalen Lagen schaffen ideale Bedingungen für den Gemüseanbau“, sagt der Geschäftsführer. Und das treibe den Pacht in die Höhe. Gerade beim Lebensmittel Gemüse, so Hopf, stehe die zertifizierte Regionalität neben der Bioware immer mehr im Vordergrund des Kaufverhaltens der Verbraucher.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Es fehlt an Wertschätzung

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