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Dillingen

24.01.2020

Harry Bachler: Mister Rettungsdienst geht

Nach rund drei Jahrzehnten im Rettungsdienst verabschiedet sich Harald Bachler von seinen Aufgaben beim BRK Dillingen. In seiner Zeit als Sanitäter und Leiter hat er viele Veränderungen und Entwicklungen miterleben dürfen.
Foto: Tanja Ferrari

Plus Rund drei Jahrzehnte war Harry Bachler Chef der Sanitäter im BRK Kreisverband Dillingen. Es gibt kaum eine Veränderung, die er nicht miterlebt hat. Erinnerungen begleiten ihn in die Rente.

Fast neun Millionen Kilometer hat Harald Bachler, den alle nur „Harry“ nennen, in seinem Arbeitsleben zurückgelegt. Mehr als 350000 Einsätze verteilen sich auf über drei Jahrzehnte im Dienst. Zum Ende des vergangenen Jahres hat sich der Leiter des Rettungsdienstes des BRK-Kreisverbands in Dillingen in die wohlverdiente Rente verabschiedet. Darüber, dass er es knapp 34 Jahre in der Donaustadt ausgehalten hat, muss Bachler noch heute schmunzeln. Der Liebe wegen war er in den 80er-Jahren in den Landkreis gekommen, dem er anfangs so gar nichts abgewinnen konnte. „Ich hätte nie gedacht, dass ich hier einmal in Rente gehen werde“, sagt er und lacht. Zwar schlägt sein Herz noch immer für die Berge und seine Heimat Langenneufnach im südlichen Landkreis von Augsburg, doch inzwischen verbindet ihn mit Dillingen eine eigene Geschichte.

Wie Harry Bachler nach Dillingen zum BRK kam

Nur zwei Jahre nachdem er hergezogen war, übernahm er im Juli 1987 die Leitung des Rettungsdienstes. „Die Entscheidung hatte ich mir nicht leicht gemacht“, erzählt er. Weil er über die nötige Erfahrung verfügte und gerne etwas von Grund auf habe ändern wollen, bewarb er sich für den Job. „Eigentlich wollte ich lieber weiterhin direkt mit den Patienten arbeiten, doch die Möglichkeit musste ich nutzen“, erinnert er sich.

Auch wenn Bachler bereits offiziell in seine Rente gestartet ist, verbringt er die ein oder andere Stunde noch am BRK-Standort in Dillingen. Trotz sorgfältiger Übergabe kann der Mann, bei dem in den vergangenen Jahren alle Fäden zusammengelaufen sind, nicht so einfach in den Ruhestand verschwinden. Der Umstand, dass ab und an noch seine Hilfe benötigt wird, stört ihn nicht. Im Gegenteil. Wenn er für ein Problem gerufen wird, begrüßt er zunächst alle mit seinem Credo: „Ganz ruhig bleiben.“ So kennt man Harry.

Warum ihn der Rettungsdienst so fasziniert

Wie Bachler zum Rettungsdienst gefunden hatte, weiß er noch ganz genau. Als kleiner Bub ist er mit seinem Vater beim Tag der offenen Tür des Fliegerhorsts in Lagerlechfeld gewesen und hat dort die Luftrettung kennengelernt. „Ich war nicht am Starfighter interessiert, sondern fasziniert vom Luftrettungsmeister“, erzählt er. Was er damals zu sehen bekam, beeindruckte ihn. Auch die Fernsehserie „Sprung aus den Wolken“ verstärkte seine Begeisterung.

Da er für die Luftrettung noch viel zu jung war, begann er eine Sanitätsausbildung. Er sagt: „Auch dafür war ich eigentlich nicht alt genug, doch mit viel betteln konnte ich einen Platz ergattern.“ Ob es für ihn der richtige Weg war, wusste Bachler zu diesem Zeitpunkt nicht. 1970 änderte sich das. Zufällig war er beim Baden, als ein Kind in das Wasser fiel. Ohne zu zögern belebte er es wieder und rettete sein Leben. Danach ist er sich sicher. Die Situation wird für ihn zum Schlüsselerlebnis. Über den Krankentransport und Unfalldienst ging es anschließend weiter zum Krankenpfleger. Während Bachler seinen Wehrdienst verrichtete, meldete er sich freiwillig bei den Fallschirmjägern und nahm an Lehrgängen zur Luftrettung teil.

Bei über drei Jahrzehnten im Rettungsdienst hat der langjährige Leiter viele Entwicklungen und auch Veränderungen miterlebt. In seinen ersten Tagen sei noch vieles anders gewesen. Nicht nur, dass es weniger Einsätze gegeben habe, auch die Organisation sei eine andere gewesen. Eine offizielle Notrufnummer gab es nicht. Da ein Telefonanschluss nicht überall selbstverständlich war, hätten ehrenamtliche Helfer oder Fahrer oftmals bei Einsätzen in der Nacht erst zu Hause abgeholt werden müssen. „Manch einer hatte beim Schlafengehen eine Schnur am Zeh befestigt, damit er vom Fenster aus geweckt werden konnte“, sagt er. Dann wurden Rettungsleitstellen geschaffen, Funk auf Polizeifrequenz eingeführt, und auch die Ausbildung wurde vereinheitlicht. „Es hat sich alles stetig verbessert“, sagt er. Inzwischen sei nicht mehr nur der Transport vorrangig, sondern die direkte Versorgung.

Welche Schwierigkeiten die Arbeit im Rettungsdienst mitbringt

Schwierigkeiten im Rettungsdienst gibt es allerdings noch immer: Beispielsweise zu wenig niedergelassene Ärzte oder die Spezialisierung von Kliniken. „Dadurch haben Betroffene viel längere Wege und Wartezeiten vor sich“, betont Bachler. Der Ärztemangel, der über die Feiertage im Landkreis Aichach-Friedberg diskutiert wurde, sei in Dillingen glücklicherweise kein Problem. „Dass bei uns komplette Schichten ausfallen, kommt selten vor“, sagt er. Für einige Stunden könnte es allerdings ab und an einen Engpass geben. Das liege aber an den unterschiedlichen Arbeitszeiten von niedergelassenen Ärzten und Krankenhausärzten. Auch dass Dienstpläne erst kurzfristig voll werden, sei keine Seltenheit.

Dass die Politik meist eher Probleme schafft, als sie zu lösen, damit kämpft Bachler seit vielen Jahren. Er erklärt: „Das ist wie bei einem Uhrwerk – die Politiker stehen meist nur vor den Zeigern und fragen sich, wieso diese nicht synchron laufen.“ Werde dann etwas verändert, würden die einzelnen Zahnrädchen nicht mehr gut ineinanderlaufen. Das gelte auch für ein Pflichtjahr im Freiwilligendienst. „Alles lechzt nach Freiwilligen – es ist aber falsch, das Dienstjahr zum Kaschieren des Fachkräftemangels zu nutzen“, appelliert er. In seiner Laufbahn hatte er mit hunderten Zivildienstleistenden, Jugendlichen, die den Bundesfreiwilligendienst absolvieren, oder Auszubildenden zu tun. Unter dem Motto „Fordern und fördern“ hat er viele Menschen auf ihren ersten Schritten im Rettungsdienst begleitet. „Einige sind Ärzte, Professoren oder Sanitäter geworden“, sagt er stolz. Dass er ab und an sogar noch Kontakt zu ehemaligen Schützlingen hat, freut ihn besonders.

Doch er verbindet nicht nur positive Erinnerungen an drei Jahrzehnte im Rettungsdienst. „Es gibt kaum eine Straße im Landkreis, die ich entlangfahre und nicht mit einem schweren oder sogar tödlichen Unfall in Verbindung bringe.“ Die Belastung bei Einsätzen sei teilweise enorm. Wer eine Mutter um ihren tödlich verunglückten Sohn weinen sieht, der müsse das erst einmal verarbeiten. Die Unterstützung durch Kollegen und die Notfallseelsorge seien deshalb wichtig. Um das eigene Gewissen zu beruhigen, sollte im Nachgang immer darüber gesprochen werden, ob noch etwas anderes hätte getan werden können, rät er. „Am Ende tun wir unser Möglichstes und sind nicht die, die darüber entscheiden, ob ein Leben weitergeht oder nicht.“

Auf seine Rente freut er sich. Wie sein Leben nach dem Rettungsdienst aussieht, weiß er genau. Die beiden Töchter mit ihren drei Kindern und seine Frau hätten während seiner aktiven Zeit zu oft das Nachsehen gehabt. Das soll sich nun ändern. Auch dem Basteln, seinem Garten und dem Musizieren will sich Bachler widmen. „Alles verlangt nach Zeit, die ich jetzt hoffentlich habe.“

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