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Binswangen/Laugna

13.06.2019

Hast du auch ein Tagebuch?

Sophia Maier und Mirjam Heindel haben Tipps wie man ein Tagebuch führen kann.
Bild: Emma Schaller

Tagebücher können helfen, das Erlebte zu verarbeiten oder ganz einfach Stimmungen, Aktivitäten und Gefühle festhalten. Aber wer führt heute noch eins?

Anne Frank schrieb eines, Max Frisch auch. Sogar Christopher Columbus. Und ihr? Habt ihr ein Tagebuch? Wer eines hat, der weiß: Sie offenbaren die innersten und persönlichsten Gedanken eines Schreibers. Aber das ist längst nicht alles. Die Bücher, ob klein, bunt, kariert oder liniert, können auch wichtige historische Ereignisse zugänglich machen. Wie etwa die Entdeckung Amerikas. Aber auch die Schreckensherrschaft der Nazis ist darin festgehalten.

Aber das typische Tagebuch sieht anders aus. Zumindest haben wir davon eine andere Vorstellung: peinliche Einträge mit 14, Liebeskummergeschichten und andere den typischen, therapeutischen Monolog Pubertierender. Das muss aber keineswegs so sein, wie die 18-jährige Sophia Maier aus Laugna und die 18-jährige Mirjam Heindel aus Binswangen beweisen. Die jungen Frauen haben und pflegen ihre Tagebücher. Obwohl das ihre ganz persönlichen Schätze sind, haben sie uns ein wenig davon verraten.

Warum schreibt ihr?

Sophia hat schon als kleines Kind damit angefangen – obwohl sie noch gar nicht Schreiben konnte. Das hat ihr Papa übernommen. Sie hat ihm alles diktiert. Heute muss Sophia schmunzeln, wenn sie an ihre ersten Schreibversuche zurückdenkt. „Ich wollte ein cooles Mädchen sein, das Tagebuch schreibt“, sagt sie. Inzwischen sieht sie es anders. Das Tagebuch ist für die 18-Jährige der beste Weg, ihre Gefühle zu verarbeiten. Über die Jahre hat sie bereits drei Tagebücher vollgeschrieben und füllt aktuell ein viertes.

Sophia Maier (links) aus Laugna und Mirjam Heindel aus Binswangen nutzen ihr Tagebuch für die verschiedensten Dinge.
Bild: Emma Schaller

Sophia ist es auch, die ihre gleichaltrige Freundin Mirjam mit dieser Art Hobby ansteckt. Mit einem selbst gebastelten Tagebuch beginnt alles – ein Geschenk von Sophie. „Mirjam hat mir erzählt, dass sie gerne ein Tagebuch anfangen möchte.“ Und das tut sie dann auch. Sie schreibt ein Kopfbuch, wie sie es liebevoll nennt. Darin sammelt die 18-jährige Binswangerin nicht nur die Ereignisse des Tages, sondern notiert auch Erinnerungen und Träume für die Zukunft. Sie sagt: „Es hilft total, den Kopf freizubekommen.“ Regelmäßig schreibt Mirjam erst seit einem halben Jahr in ihr Tagebuch. Sie befüllt die Seiten immer dann, wenn Dinge aus ihrem Kopf heraus müssten. Oder wenn ihr langweilig ist.

Wie fängt man an?

Wer neu mit dem Tagebuchschreiben anfangen möchte, für den hat Sophia einen Tipp: „Das Gefühl, eines vollen Buches ist wirklich toll, deshalb sollte man mit einem dünneren Buch anfangen.“ Inhalt und Gestaltung des Tagebuches kann von Person zu Person variieren. Das zeigen auch berühmte Beispiele wie Kafka, der über sein eigenes Gefühlsempfinden schrieb, während Erich Honecker ein Gefängnistagebuch führte. Auch was den Zeitpunkt des Schreibens anbelangt, ist man flexibel, weiß Sophia. Sie sagt lachend: „Ich habe anfangs vor dem Schlafengehen geschrieben, aber dann bin ich immer viel zu spät ins Bett gekommen, deshalb musste ich das aufgeben“. Jetzt habe sie keine festen Zeiten mehr.

Was bringt es euch?

Aufschreiben unterstütze nicht nur die Erinnerung, sagen die beiden. Auch Gefühle werden gespeichert und „kontrolliert“. Wenn man sehr wütend sei, könne es hilfreich sein, seine Gedanken zu Papier zu bringen und zu sortieren. „Ein Tagebuch muss überhaupt nicht unbedingt ein Buch sein“, ergänzt Sophia. Außerdem heiße ein Tagebuch nicht etwa so, weil man es jeden Tag füllen müsse. Wem regelmäßige Einträge schwerfallen, für den hat die 18-Jährige einen Tipp: Man solle das Schreiben wie ein Date ansehen, um aktiv dabeizubleiben. Man könne es auch wie eine Art Ritual aufziehen: Erst Zähne putzen, dann ins Bett legen und dann schreiben.

Mirjam erzählt: „Ich schreibe aber nicht nur, manchmal kritzele ich meine Gedanken einfach auf die Seiten und zeichne etwas.“ Damit verarbeitet sie ihre Gedanken und Erfahrungen. Das tue sie beispielsweise nach Trennungen, wenn es ihr nicht gut gehe. Sie schreibe, wenn sie wütend auf jemanden sei, das aber nicht kommunizieren möchte. Sie sagt: „Manchmal bin ich wie in einem Zwiespalt mit mir selbst, wenn ich schreibe, führe ich eine Art Gespräch mit mir und dem Buch, und dann komme ich meistens auf eine Lösung und kann danach handeln“.

Was schreibt ihr auf?

„Ich mag es auch, Seiten zwischendrin einfach schön zu gestalten, weil ich die Bücher immer mal wieder durchblättere“, erzählt Sophia. So dekoriert sie ihre Seiten mal mit buntem Klebeband oder kleinen Zeichnungen. Sie sortiert sogar nach Kategorien, die sie farblich unterscheidet. Ihre Träume schreibe sie grundsätzlich in Lila auf. Und sie hängt an ihrem Tagebuch. Wenn die 18-Jährige länger von zu Hause weg ist, packt sie das Tagebuch immer mit ein. „Wir mussten einmal eine halbe Stunde vom Italien Urlaub zurückfahren, weil ich es daheim vergessen hatte“.

Wie eine Art Therapie?

Ähnlich wie ihre Freundin Sophia sieht die Binswangerin Mirjam das Tagebuchschreiben nicht als Verpflichtung. Stattdessen ist es für sie eine Form der Selbsttherapie. Schreibe man in ein Buch, müsse man nicht mit anderen Menschen reden, jeder könne ganz einfach zu sich selbst finden. Jeder brauche ihrer Meinung nach eine Art von Tagebuch. Sie glaubt, dass jeder Mensch etwas für sich ganz alleine braucht. Deshalb findet die 18-Jährige auch, dass der Begriff viel offener gestaltet werden müsste. Freundin Sophia drückt es so aus: „Wenn ich mal wieder ein Gedankenkarussell oder ein Spinnennetz im Kopf habe, dann löse ich das durch das Aufschreiben auf“. Und solche Spinnennetze kennen wir alle.

Was gefällt euch so?

Die beiden jungen Frauen lieben ihre Bücher. Für die beiden ist es das Befüllen nicht nur ein Hobby. Es ist eine Leidenschaft. Und eine Art Geschichtsbuch. Wenn Mirjam ihre Einträge nachblättert, muss sie oft lachen, wie sie erzählt. „Es ist verrückt, wie sich die eigenen Interessen im Laufe der Zeit wandeln“, sagt sie. Das könne einem wirklich helfen, etwas über sich selbst herauszufinden und seinen Platz im Leben genauer einzuschätzen. Das habe einen positiven Nebeneffekt – man könne „alles aus sich herausschreiben“. Aus diesem Grund nehme sie ihr Tagebuch auch überall mit hin. Sogar in die Schule. Dort helfe es ihr das ein oder andere Mal eine langweilige Stunde durchzustehen, verrät die 18-Jährige und muss lachen. „Ich muss das Tagebuch eigentlich immer dabei haben, ohne es fehlt etwas.“

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