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Hausbau: Beliebigkeit ist kein Rezept

Kommentar Von Hertha Stauch
22.06.2019

Es gibt viele Beispiele für oder gegen "Neues Wohnen auf dem Land" - aber wollen wir so beliebig gestaltete Dörfer?

Jüngst im Bauausschuss des Stadtrates Wertingen: Der Besitzer einer alten Gaststätte – ein tragendes Gebäude mitten in einem Ortsteil – verkauft das Haus an einen Investor. Der legt einen Plan vor, der dem Bauausschuss Kopfzerbrechen bereitet. Der Bauherr will die alte Wirtschaft abreißen und auf dem Areal sechs Einfamilienhäuser bauen. So einfach geht das natürlich nicht, der Bauausschuss hat dem Besitzer zu Recht einen Riegel vorgeschoben, ehe dieser die historisch gewachsene Dorfstruktur und somit den Charakter des Dörfleins für immer verändern würde.

Birgt das Stoff für Konflikte?

Beispiel zwei – Frauenstetten: In einer Siedlung aus den 1990er Jahren stehen auf großen Grundstücken schmucke Einfamilienhäuser im schwäbischen Stil. Auf einem freien Grundstück plant ein Investor – statt einem – nun drei Häuser im Toskanastil und weicht gravierend vom Bebauungsplan ab. Der Gemeinderat ist nicht abgeneigt – Verdichtung heißt das Stichwort. Die Anwohner protestieren. Stoff für Konflikte?

Es gibt viele Beispiele und Argumente für oder gegen „Neues Wohnen auf dem Land“ – auch die kunterbunte Stixenfeldsiedlung in Buttenwiesen oder die neue Eisenbach-Bebauung in Wertingen gehören dazu. Die Frage ist, ob wir wirklich beliebig gestaltete Dörfer und Ortskerne wollen. So beliebig, dass wir nicht mehr wissen, in welchem Bereich der Welt wir uns nun gerade befinden – in der Toskana oder im postmodernen Teil einer Großstadt?

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Erst wurde die schwäbische Bauweise honoriert, jetzt ist zeitgemäßes Bauen maßgebend

Vor einiger Zeit noch hat der Landkreis die schwäbische Bauweise honoriert. Jetzt schwenkt er um und unterstützt im erweiterten Sinne „zeitgemäßes Bauen“, bei dem nicht nur die Gestaltung, sondern auch Wirtschaftlichkeit und Ökologie maßgebend sind. Das ist legitim, denn unsere Dörfer dürfen nicht in der Vergangenheit stecken bleiben.

Alte Strukturen sind längst überholt und betreffen den gesamten Lebensraum Dorf. Da greift die Initiative von Donautal-Aktiv. Sie beschäftigt sich damit, wer in Zukunft noch im Dorf leben kann und wie entsprechender Wohnraum für Jung und Alt generiert werden kann. Generationenübergreifendes Wohnen ist für die Identität eines Dorfes ebenso wichtig wie die regionaltypische Gestaltung des Wohnraums. Deshalb ist das Projekt von Donautal-Aktiv ein gutes. Es gibt Denk- und Handlungsanstöße und es zeigt auf, dass Beliebigkeit kein Rezept ist.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:

Initiative im Kreis Dillingen: Damit der Ortskern nicht ausstirbt

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