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Diät-Angebot in Dillingen

12.03.2019

Heilfasten: Warum die Kurse einer 69-Jährigen ausgebucht sind 

Schwester Judith Harrer sieht im Heilfasten auch die Möglichkeit, sich über die Sinne wieder mehr selbst zu spüren. So mancher nutzt das Angebot auch als Diät.
Bild: Birgit Hassan

Plus Schwester Judith Harrer leitet in Dillingen Heilfastenkurse. Die sind grundsätzlich ausgebucht. Was sie und die Menschen zum Fasten motiviert.

Gleich am ersten Samstag der Fastenzeit ging es los. 20 Menschen – „das absolute Höchstmaß“ – hatten sich zum Heilfasten nach Buchinger mit Schwester Judith Harrer in Dillingen angemeldet. Fünf Tage lang begleitet die 69-Jährige alljährlich mehrere Gruppen während des Fastens – einem ganzheitlichen Fasten, das sich auf den Leib, die Seele und den Geist auswirke. Sich selbst ernährt sie währenddessen mit Reduktionskost. Das persönliche Fasten muss noch etwas warten.

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Heilfasten mit Schwester Judith Harrer: Drei Liter Tee am Tag

Gestartet haben die 20 Fastenden – 19 Frauen und ein Mann – am vergangenen Samstagabend ihr fünftägiges Programm mit einer Tasse Tee. Anschließend geht es ans Entlasten. 30 Gramm Glaubersalz, aufgelöst in Wasser, bringen den Darm in Schwung, regen ihn zur vollständigen Entleerung an. Alle hatten bereits im Vorfeld einen Brief von Schwester Judith bekommen. „Wer bereits zuhause entlasten will, kann dies tun“, erzählt sie. Doch die meisten schätzen es, gemeinsam zu starten. Während des ersten Abends führt die Dillinger Klosterschwester ausführlich in die Grundsätze des Heilfastens nach dem Arzt Buchinger ein. Auch für Menschen, die mit dem Heilfasten vertraut sind, empfindet sie das immer wieder für notwendig. Alle verzichten so nach dem Entlasten auf feste Speisen, trinken mindestens drei Liter Tee oder Wasser am Tag. Kaffee, Alkohol und Zigaretten dagegen sind tabu. Mittags gibt es eine frische Gemüsesbrühe zum Löffeln, dazu ein Glas zuckerfreien Saft, serviert im Weinglas. Die Gemeinschaft und Tischkultur sind für Schwester Judith Harrer dabei wichtige Elemente. Ein schön gedeckter Tisch und ein besinnliches Gebet gehören ganz selbstverständlich dazu. Was zudem immer am Tisch steht, sind Zitronen- und Ingwerscheiben – zum Lutschen oder ins heiße Wasser und den Tee. Das gilt auch für die „Tee-Time“ um 18 Uhr.

Während das „Essen“ vorgeschrieben ist, sprich es gibt nur Flüssiges, überlässt die Fastenanleiterin in allen anderen Bereichen den Menschen die eigenen Entscheidungen. Darüber, wie viel sie von den Angeboten nutzen oder wann sie vielleicht einfach nur Ruhe brauchen. Fernsehen, Handy, Lautstärke und Lärm hält sie in dieser Zeit für eher unpassend, findet es vor allem wichtig, dass die Menschen „runterkommen“. Sie verbietet nichts, regt aber klar zu „Weniger“ an. „Es geht nicht nur ums körperliche Fasten“, sagt sie. Vielmehr darf der Mensch in dieser Zeit auch sein Bedürfnis nach Stille und Ruhe spüren. „So wird er zu sich selbst und nach innen geführt.“ Und so kann laut Schwester Judith Harrer auch die Frage auftauchen: Was brauche ich tatsächlich? Nach was hungere ich wirklich?

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Bezug zum eigenen Körper

Existenzielle Grundthemen sind das für die 69-Jährige. Ihnen versucht sie sowohl in ihren geistlichen Impulsen auf den Grund zu gehen als auch in Einzelgesprächen, die sie allen Teilnehmern anbietet. Im Laufe des Jahres würde soviel zugedeckt, bekomme vieles kaum Raum und Zeit. „Während des Fastens werden wir sensibel – eine gute Voraussetzung, um mit uns und mit Gott in Kontakt zu kommen.“ Träume zu achten gelte es dann ebenso wie einen Bezug zum eigenen Körper herzustellen. So animiert die Fastenleiterin die Menschen speziell in dieser Zeit zu bewusster Körperpflege – duschen, baden, cremen, ölen. „Der Körper reinigt sich, scheidet viele Giftstoffe über die Haut aus.“ Um das Entgiften zu unterstützen, regt Schwester Judith Harrer zu Leberwickel, frischer Luft und Bewegung an: Walken, Schwimmen, Leibübungen – alles Angebote auf freiwilliger Basis. „Fasten ist eigentlich eine Entrümpelungsaktion für jede Zelle, ein Frühjahrsputz für den ganzen Körper“, sagt sie, „der Darm entleert sich, die Selbstheilungskräfte werden angeregt, der Stoffwechsel schaltet um auf innere Ernährung, die Reserven werden genutzt.“

Diät: Das Abnehmen ist ein positiver Nebeneffekt

Ein positiver Nebeneffekt sei für viele, dass sie abnehmen. Doch Schwester Judith Harrer sagt ihnen von Anfang an: „Das nächste Vierteljahr werden’s auch wieder zunehmen.“ Seit nunmehr 13 Jahren bietet die gelernte Krankenschwester mit Zusatzausbildung als Exerzitien- und Meditationsleiterin Fastenkurse an. Als sie vor gut drei Jahren zu Regens Wagner nach Dillingen kam, setzte sie das Heilfasten dort fort. „Gesundheit ist das Ziel“, definiert sie ganz klar und rät daher ab einem bestimmten Alter vom Heilfasten ab. Außerdem solle man natürlich vorher grundsätzlich gesund ein. „Und wer länger als zehn Tage fastet, gehört in die Hände von Ärzten.“

Jede(n) Einzelne(n) fragt sie zudem nach der persönlichen Motivation. Dazu gehört für sie selbst: „Merken, ich kann noch auf etwas verzichten, muss nicht alles haben. So gelingt mir auch, um eines höheren Wertes Willen auf etwas zu verzichten.“ Das übt die 69-jährige Schwester der Franziskanerinnen persönlich ab Beginn der christlichen Fastenzeit. Zunächst mit Reduktionskost, was heißt: mehr Salat und Gemüse, die Hälfte Menge Brot, eine halbe Portion Fleisch und nichts Süßes. Nach der Fastenbegleitung in Dillingen wird sie eine weitere Fastengruppe im hessischen Hünfeld anleiten, die ebenfalls bereits voll ausgebucht ist. Ihr persönliches Fasten wird sie schließlich in der Karwoche auf Flüssiges reduzieren. Mit 69 Jahren noch nicht an der Altersgrenze? „Ich traue mir zu, rechtzeitig zu spüren, wenn es soweit ist“, sagt sie lachend, mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehend.

Im Rahmen unserer Fastenserie ist ein Artikel über den Gundelfinger Ayurvedakoch Wolfgang Neutzler erschienen: So kann der Körper das Überflüssige loslassen

Lesen Sie auch einen Kommentar zur Fastenzeit: Jetzt ist Zeit für Erholung

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