Jubiläum

12.05.2011

Heimat-Poetry

Sind beim Poetry Slam der Hyazinth-Wäckerle-Mittelschule Lauingen dabei (von links): Lena, Valentino, Valton, Arbnor, Laura und Angela.
Bild: Foto: Salvamoser

Die Schüler der Hyazinth-Wäckerle-Mittelschule interpretieren Gedichte des Namenspatrons auf andere Art

A Blümle, a Kräutle, Gelt! wärst gern a Bräutle? Jetzt wartest halt no’, Denn es eilt it a so!

A Rädle, a Scheible, Hätt’s g’wiß gern a Weible? Nimm de Bettzipfel in Arm, Dös ist au recht warm! Was d’Schwäble ei’traget Und d’Leut d’rzue saget – Wir wisset scho’ gnue Und lachet derzue!

Lauingen Laura schunkelt ein bisschen im Takt, als sie gemeinsam mit Angela die Strophen von Hyazinth Wäckerles Gedicht „Zwoi Trutzige“ aufsagt. „Ich tu mir leicht mit dem Schwäbischen“, erklärt die Fünftklässlerin, die in Brasilien geboren ist, lächelnd. Wie viele andere Schüler der Lauinger Mittelschule üben die beiden für den Poetry Slam, einen Dichterwettstreit, im Vorfeld des 175. Geburtstages von Hyazinth Wäckerle, dem Namenspatron ihrer Schule. Die Besten unter ihnen treten am Festakt am Sonntag, 15. Mai, gegeneinander an.

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Poetry Slam und Heimatdichtung, wie passt das überhaupt zusammen? Die Lehrerinnen Cornelia Burkard und Josefa Strehle wollten genau das herausfinden. Inspiriert von Poetry-Slam-Veranstaltungen in Großstädten, wo sie die Begeisterung junger Leute für Lyrik miterlebten, wollten sie Ähnliches auch an ihrer Schule ausprobieren. Und sie stellten fest: Nicht nur auf offiziellen Slams kommen lyrische Texte an.

Strehle hat in ihrer 8. Klasse zum Beispiel Internet-Videos auf YouTube gezeigt, in denen der „Erlkönig“ von Goethe auf unterschiedliche Weise interpretiert wird. „Gedichte werden durch die Rapkultur aufgewertet“, glaubt Strehle. Und viele Jugendliche hätten Spaß daran, sich selbst oder in der Gruppe darzustellen.

Wer beim Poetry Slam punkten kann, muss für die zweite Runde einen Hyazinth-Wäckerle-Text einstudieren. „Die Kinder mit Migrationshintergrund kämpfen mit dem schwäbischen Dialekt – aber auch unsere fränkischen Lehrerkollegen“, sagt Schulleiter Alfons Strasser schmunzelnd.

Die Schüler ließen sich von ihrer nicht immer korrekten Aussprache oder Versprechern nicht unterkriegen, erzählen Burkard und Strehle. „Sie machen einen Sport draus.“ Und die, die richtig Schwäbisch können, sind stolz darauf. Außerdem käme es beim Poetry Slam nicht so sehr darauf an, wer es qualitativ am besten mache, sondern wer auf der Bühne am besten rüberkomme, sagt Burkard. „Mal sehen, wie mutig die Schüler sind.“

Zwischen Rap und Lyrik

Der Sechstklässler Valton präsentiert seinen selbst getexteten Rap „Ich hab’ dich gesehen“ souverän, wippt mit den Füßen im Rhythmus – aber nicht in Mundart. Anders als Laura und Angela tut er sich mit dem Schwäbischen schwerer. Für das Finale hat er sich deswegen eine Vorbereitungstaktik überlegt: „Wir lernen ja auch Englisch und können es dann auch. Wir brauchen nur jemanden, der Schwäbisch kann“, erklärt er selbstbewusst.

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