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Oberliezheim

30.09.2019

Hier steht ganz Oberliezheim auf der Bühne

In Oberliezheim spielt das ganze Dorf mit Theater. Diese Szene zeigt die Ankunft von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg.
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In Oberliezheim spielt das ganze Dorf mit Theater. Diese Szene zeigt die Ankunft von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg.
Bild: Dominik Bunk

Plus Von der Wasserquelle bis zum eigenen Skilift – in dem Stück „Der heilige Leonhard erzählt“ lebt die 750-jährige Geschichte Oberliezheims auf.

Motorengeräusche erklingen. Nicht etwa die eines Autos oder eines Lastwagens, sondern die eines sehr alten, rot- bis orangefarbenen Traktors. Das Publikum beobachtet voller Spannung das landwirtschaftliche Fahrzeug aus einer anderen Zeit, das von rechts auf die Bühne fährt und eine ungewöhnliche Fracht mit sich herumschleppt. Einen kleinen, zweirädrigen Anhänger, beladen mit einem in ein weißes Tuch gehüllten Gegenstand. Vier Männer, alle in Arbeitskleidung gehüllt, laden die sonderbar anmutende Fracht ab und stellen sie in die linke, hintere Ecke der Bühne. Doch was verbirgt sich unter dem geheimnisvollen Sichtschutz? Als die Männer den Schleier lüften, befindet sich darunter wider Erwarten kein Sperrgut, sondern der heilige Leonhard, der Schutzpatron des idyllischen Örtchens Oberliezheim. „Vor 750 Jahren war es noch ein paar hundert Jahre hin bis zur Entdeckung Australiens oder Amerikas“, erzählt der Dorfpatron. „Aber Oberliezheim wurde gegründet!“

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Hier steht ganz Oberliezheim auf der Bühne
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In Oberliezheim gibt es großes Theater
Bild: Dominik Bunk

Leo Veh hat das Theaterstück geschrieben

Gespielt wird dieser vom Oberliezheimer Leo Veh, dem Autor des Theaterstückes „Der heilige Leonhard erzählt“, das am Freitagabend das im Ort eigens dafür errichtete Zelt füllt. Der 60-Jährige freut sich sehr über die zahlreichen Zuschauer. Er ist überzeugt: „Diese Gemeinschaftsleistung funktioniert nur, weil alle mitmachen. Die Dorfgemeinschaft bekommt einen richtigen Schub durch das Theater.“ Das bestätigt Peter Sporer im Prolog des Bühnenspektakels. „Mancher Autofahrer, der durch das Dorf fuhr, muss sich gedacht haben, was läuft da denn für ein Völkchen rum?“, erzählt er dem neugierigen Publikum. Denn Autofahrer könnten bei der Durchreise oftmals auch mittelalterliche Soldaten oder Pfarrer aus dem 18. Jahrhundert erblickt haben, da sich vom Säugling bis zum Rentner alle Dorfbewohner an dem Projekt zum 750. Jubiläum beteiligen.

„So etwas gibt es nicht alle Tage“

Dieser Einsatz zahlt sich aus. Albert Singer aus Dillingen beispielsweise war sehr gespannt auf das, was die Oberliezheimer da aufgezogen haben. „Meine Frau hat gesagt, das hört sich toll an, das müssen wir uns anschauen“, sagt der 68-Jährige. Ihm sei das auch lieber als der Rummel bei der Dillinger Nacht. Auch die Bissinger Walter und Erna Hörhammer wollten sich das Event nicht entgehen lassen, auch wegen der Ortsnähe. „So etwas gibt es nicht alle Tage“, finden die 69-Jährige und der 77-Jährige. Besonders beeindruckt sind sie vom Zusammenhalt der Dorfbewohner. Aber auch außerhalb des Landkreises schlägt die Veranstaltung Wellen. „Ich bin vollends begeistert, es hat mir große Freude bereitet. Das Stück ist charmant und ortsauthentisch“, meint die 52-jährige Barbara Ruck aus dem Augsburger Stadtteil Stadtbergen, die durch Freunde im Ort auf die Vorführung aufmerksam geworden ist.

Hier steht ganz Oberliezheim auf der Bühne

Und das zu Recht. Wasser, das aus dem Boden spritzt, um den Fund des wichtigsten Lebenselements bei der Ortsgründung zu symbolisieren. Fliegende Funken beim Nachstellen des Anschlusses an das Stromnetz, ein lauter Knall, um eine Sprengung im Steinbruch authentisch an das Publikum weiterzugeben – die Oberliezheimer haben es richtig krachen lassen.

Auch Tiere haben auf der Bühne ihren Auftritt

Zudem hat nicht nur die menschliche Bevölkerung des Dorfes auf der Jurahochfläche zwischen Kessel- und Donautal mitgewirkt, sondern auch die vierbeinige. Hunde, Schafe, ein Kalb und ein Pferd – alle bekommen ihren großen Moment. Bemerkenswert sind auch die authentischen und liebevoll bis ins Detail ausgearbeiteten Kostüme und Requisiten, wie Bierkrüge und Schnapsgläser aus Steinzeug.

Für das leibliche Wohl der Gäste ist während der halbstündigen Pause im gegenüber dem Zelt liegenden Vereinsheim der Freiwilligen Feuerwehr Oberliezheim gesorgt. Hier gibt es für die Hungrigen und Durstigen eine typische lokale Auswahl an Getränken und Brotzeitklassiker wie hausgemachtes Schmalzbrot.

Am Ende gibt es Befallsstürme

Am Ende werden die Schauspieler für ihre Leistung mit Beifallsstürmen gefeiert. Es ist zweifelsohne ein Highlight der derzeit laufenden Landkreis-Kulturtage. Aufführungen finden noch von Donnerstag, 3. Oktober, bis Sonntag, 6. Oktober, statt. Die Vorführungen sind bereits ausverkauft.

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