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Nähstube

02.07.2011

Historische Hauben, Hemden und Hosen

Marlis Reitmeier (rechts) zeigt Kundin Philomena Weishaupt die Schnitte.
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Marlis Reitmeier (rechts) zeigt Kundin Philomena Weishaupt die Schnitte.

Für das große Fest im Juli wurden seit September vergangenen Jahres 200 komplett neue Gewänder geschneidert.

Glött In 320 Stunden kann man viel machen – lesen, radeln oder in der Sonne liegen. Doch statt diese Stunden für ihr Freizeitvergnügen einzuplanen, haben zwölf Frauen aus Glött sie lieber in die Handarbeit gesteckt und zahlreiche mittelalterliche Gewänder geschneidert – in der historischen Nähstube im Glötter Rathaus. Nur noch zwei Wochen sind es, bis am 14. Juli der Startschuss für das große Historische Fest fällt. Dann haben für fünf Tage Knechte, Mägde und Edelleute das Sagen im 1100-Seelen-Dorf. Und das zu Recht, denn heuer feiert Glött 450 Jahre Schloss und 300 Jahre Fugger.

Dass dann alle in der richtigen Gewandung kommen, liegt in der Verantwortung von Gemeinderätin Marita Vohrer, ihrer Kollegin Christiane Fleischmann und zehn anderer fleißigen Frauen. Seit September stehen sie donnerstags im zweiten Stock des Rathauses zur Verfügung – bieten Stoffe in Grün- und Brauntönen an, nehmen Maß und schneiden Muster aus und beraten vor allem. Nur nähen, das müssen die Kunden dann noch selbst – oder eben einen Profi ranlassen.

So macht es auch Katja Feistle. Die Vorsitzende des Kindergartenelternbeirats hilft zwar ebenfalls in der Nähstube, selbst nähen kann sie ihr Kostüm allerdings nicht. Vor allem, weil sie etwas Ausgefalleneres aus rotem Samt und braunem Leinen haben wollte. Damit aber nicht nur ihr eigenes, sondern auch die Kostüme der anderen Kindergarten-Eltern zum Schluss richtig sitzen, war an einem Nachmittag eine Schneiderin da, die zehn Müttern beim Nähen half.

Historische Hauben, Hemden und Hosen

Bürgermeister als Edelmann

Doch auch an den regulären Nähstuben-Tagen war, so Feistle, „ziemlich was los“. Das bestätigt Marita Vohrer: „Wir hatten immer drei Tische voll mit Stoffballen.“ Insgesamt 200 komplett neue Gewänder wurden seit September geschneidert. Daneben wurden zahlreiche Einzelstücke, wie Blusen, Hemden und Hauben, angefertigt. „Ein paar mussten geändert werden, weil sie vom letzten Fest nicht mehr gepasst haben“, so Vohrer. Der ein oder andere Bürger wollte aber auch einfach nur etwas Neues. Bürgermeister Friedrich Käßmeyer hingegen wird im gleichen Gewand wie vor elf Jahren kommen – nämlich als Edelmann.

Ganz so edle Gewänder gibt es bei Marita Vohrer und ihren Helfern nicht: „Wir machen nur einfache Sachen, wie Röcke, verschiedene Blusen und Stirnbänder.“ Dabei dürfen letztere aber eigentlich nur ledige Frauen tragen. Verheiratete müssten eigentlich auf eine sittsame Haube zurückgreifen. Aber Marita Vohrer sagt lachend: „So ernst nehmen wir das hier nicht.“ Bei Reißverschlüssen ist dann aber Schluss – beim Historischen Fest ist alles geknöpft.

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