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Straßenkünstlerfest

16.07.2018

Hoch hinaus in den Dillinger Abendhimmel

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5 Bilder
Hoch hinaus in den Dillinger Abendhimmel: Mad Hias, alias Mathias Schmitt, bei einer Zahnbürsten-Jonglage.

In der Innenstadt wird gefeiert bis zum Morgengrauen. Aber einer hat großes Pech

Das Straßenkünstlerfest hat gerade erst angefangen, aber der Mad Hias ist schon schweißüberströmt. Am Freitagabend trat der Straßenkünstler noch in Südtirol auf, einen Tag später gibt er vier Vorstellungen in der Dillinger Königstraße. „Hier muss es voll schnell gehen“, sagt der 41-Jährige. Zwischen ihren Auftritten haben die Straßenkünstler nur jeweils 30 Minuten, um abzubauen, durch die Menschenmenge zur nächsten Bühne zu laufen und das Publikum dort wieder für sich zu gewinnen. „Das ist eines der wenigen Straßenkünstlerfestivals, die ich noch mache“, sagt Mathias Schmitt, wie der Mann aus Beilngries richtig heißt, und holt tief Luft. Hochzeiten oder Firmenjubiläen seien weniger stressig.

Doch der Geschäftsführer des Dillinger Kulturrings, Alfred Saur, würde jedes Jahr anrufen. Absagen kann der Mad Hias dann nicht. Denn „Dillingen ist wunderschön. Das Festival ist toll. Ich hatte hier eine meiner bislang schönsten Shows. Die Leute sind sympathisch und freuen sich auf jeden Künstler.“ Woanders müsse man schon beim Aufbauen eine Riesenshow machen, damit die Leute dann, wenn es losgeht, auch parat stehen. Das sei das Wichtigste überhaupt: Interesse wecken, Spannung aufbauen. In Dillingen dagegen würden die Leute immer auf die Künstler warten und die gute Stimmung sei von Anfang an da. Da könne man direkt loslegen.

Für Dillingen hat sich der gebürtige Dinkelscherbener (Kreis Augsburg) etwas Besonderes einfallen lassen. Eine Feuershow mit lokalem Bezug auf Dillingen – doch das wirkt erst bei Einbruch der Dunkelheit. Bis dahin jongliert der Straßenkünstler mit allem, was er zwischen die Finger kriegt, animiert zu Applaus, hüpft auf und von Kisten, um die Menschen zu unterhalten. Außerdem sollen seine Zuschauer etwas lernen, erklärt er ihnen. Schließlich ist Mad Hias im richtigen Leben Lehrer in Ingolstadt. Musik und Sport unterrichtet er. Ganz klar, dass bei Lehrer Schmitt jeder Schüler jonglieren lernen muss. Und sei es nur mit zwei Bällen. Die Überkreuzbewegung sorge für Verknüpfungen im Hirn und helfe, sich zu konzentrieren.

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Alfred Saur freut sich, dass der Mad Hias wieder dabei ist. „Er war mein erster Ansprechpartner 2014 für das Straßenkünstlerfest, er weiß, welche Künstler gut sind und hat die Kontakte. Wenn man so will, war er der Mann der ersten Stunde.“ Was den Geschäftsführer des Kulturrings zudem freut: Das Wetter passt. Die Stadt habe einfach Glück. Findet auch Oberbürgermeister Frank Kunz. Er dankt dem Veranstalter, dem Kulturring, stellvertretend dessen Vorsitzendem Werner Bosch, und den Vereinen, die mithelfen, dass das Fest zusammen mit den Straßenkünstlern wieder so gelungen ist. Es sei eines der Highlights im Dillinger Veranstaltungskalender.

Kein Wunder, ist doch an jeder Ecke etwas los. Mittendrin plötzlich Menschen in Tracht, merkwürdige Instrumente, es wird getanzt, gerufen und gelacht: Maria Odete Putz, Neu-Dillingerin seit gut einem halben Jahr, hat ihre portugiesische Tanzgruppe aus Weinheim (bei Heidelberg) nach Dillingen geholt. Mit ihrem Mann ist die 72-Jährige in die Große Kreisstadt gezogen und fühlt sich dort so wohl, dass sie gefragt hat, ob die Tanzgruppe mitmachen kann. Mit Trommel, Akkordeon, Kastagnetten und einem Instrument mit Glöckchen haben die 25 Männer und Frauen eine tolle Show gezeigt. Mit ganz anderer Musik sorgen die Bands Mr. Hill oder Soul City mit ihrer Rock-, Jazz- oder Country-Musik, da wo sie gerade spielen, ebenfalls für super Stimmung. Manche Zuschauer tanzen spontan mit, singen, klatschen oder genießen es einfach. Plötzlich, kurz nach 21 Uhr, ist es stockdunkel. Nur die Königstraße leuchtet weiter – und der Schlosshof.

Denn kaum packen die Straßenkünstler zusammen, wechseln die Feierwütigen dorthin. DJ Achim gibt Vollgas, und das Schloss bebt bis zum Morgengrauen. Andere sitzen noch entspannt in der Königstraße bei Cocktails und Bier zusammen und genießen die laue Nacht. Doch für einen nimmt der Abend ein böses Ende: Mad Hias. Es ist sein vorletzter Auftritt an diesem Abend. Da schneidet er sich in den Finger und bricht sich eine Kuppe. Die Verletzung ist so stark, dass der Künstler seinen Auftritt beenden muss. Am Sonntag lässt er alle Dillinger grüßen und bedauert den Unfall sehr – schließlich stand die tolle Feuershow noch an. „So etwas ist mir in 19 Jahren noch nie passiert. Aber ich will auf jeden Fall wieder nach Dillingen. Denn mein zweiter Auftritt dort am Samstagabend war für mich einer meiner schönsten.“

Viele weitere Fotos finden Sie bei uns im Internet unter donau-zeitung.de/bilder

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