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Höchstädt

14.05.2020

Höchstädt: Lehrer und Schüler im Kampf gegen Corona

Solche Face-Shields sind kein Ersatz für eine Mund-Nasen-Maske.
Bild: Lienert

Fabian Binder aus Höchstädt und Norman Kümpel produzieren sogenannte „Faceshields“. Sie wollen damit nicht reich werden, sondern helfen, wo es Sinn macht

Herr Binder, Sie sind eigentlich Lehrer, und Norman Kümpel war einer Ihrer Schüler. Jetzt machen Sie aber etwas ganz anderes.

Binder: Beruflich bin ich als Lehrer tätig und war Klassenlehrer von Norman Kümpel. Während der Elternzeit habe ich ein Nebengewerbe angemeldet, über das ich vor allem Gebrauchtwaren wie Elektronik und Spielzeug verkaufe. Norman ist 16 und durchläuft inzwischen eine Lehre zum Schreiner.

Wie sind Sie zu der Faceshield-Produktion gekommen?

Binder: In die Faceshield-Produktion sind wir eingestiegen, weil die Mutter meines Ex-Schülers für eine Altenheimkette tätig ist. Aufgrund der Engpässe auf dem Markt für Schutzartikel konnte sie für ihre Mitarbeiter kein Material mehr erwerben. Wegen eines Schulprojekts hatte Norman einen 3D-Drucker und wusste auch, dass ich ebenfalls einen besitze. Deshalb hat er mich gebeten, mit ihm zusammen solche Masken herzustellen.

Fabian Binder ist eigentlich Lehrer, aktuell aber in Elternzeit. Der Höchstädter produziert sogenannte Faceshields.
Bild: Nadine Bernsch

Dies haben wir zum reinen Materialpreis gemacht, Norman hat als Dank dann einen kurzfristigen Vertrag auf 450-Euro-Basis bekommen, um auch die finanzielle Abwicklung zu erleichtern.

Wer hat bisher Ihre Schutzschilder geordert?

Binder: Neben dem Pflegeheim-Verband haben Schulen, eine Uni-Einrichtung und eine Behörde solche Faceshields bekommen oder bestellt.

Verdienen Sie damit Geld?

Binder: Die Kalkulation für die Preise ist sehr niedrig angesetzt, sodass ich nicht davon ausgehe, nennenswerten Gewinn zu machen. Uns ging es vor allem darum, den auf den Märkten herrschenden Wucher zu begrenzen.

Norman Kümpel mit einem blauen Faceshield.
Bild: Nadine Bernsch

Deshalb haben wir uns auch bei MakerVsVirus registriert, also einer dezentralen Internetplattform, bei der Menschen oder Institutionen mit 3D-Druckern oder ähnlichen Geräten Faceshields an existenzielle Einrichtungen entweder umsonst oder gegen Materialpreis weitergeben. Die frei verkäuflichen Masken sind immer noch sehr günstig und würden nur dann einen kleinen Gewinn abwerfen, wenn alle eingesetzten Geräte bei der Produktion nicht kaputtgehen.

Sind die Schutzmasken zertifiziert?

Binder: Nein, eine offizielle Zertifizierung hat nicht stattgefunden.

Wie entstehen diese Shields?

Binder: Die Rahmenhalterung fertigt der 3D-Drucker an, die Klarsichtfolien werden mit einem handelsüblichen Locher vorbereitet. Je nach Ausführung werden unterschiedlich dicke Folien verwendet. Zudem kann ein Schaumband für größeren Tragekomfort eingesetzt werden oder eine Antibeschlag-Beschichtung aufgetragen werden, die gerade in der Pflege sinnvoll sein kann (beim Duschen/Baden etc.). Der Rahmen besteht bei uns aus ABS, die Klarsichtfolie aus PVC, das Schaumband aus PU, sodass das Faceshield auch thermisch desinfiziert werden kann. Die Variante ohne Schaumband hält dabei 110 Grad, mit Schaumband 90 Grad Temperatur stand.

Für wen sind solche Shields notwendig?

Binder: Ich persönlich sehe sie nicht als Ersatz für einen Mund-Nasen-Schutz, auch wenn manche Kunden sie so einsetzen möchten. Aber dafür ist die Datenlage meiner Meinung nach nicht eindeutig genug. Eher ist es ein Zusatzschutz zur normalen Maske, zum Beispiel für Vorerkrankte/Alte beim Einkaufen oder Dienstleister mit häufigem Kundenkontakt (Arzthelfer, Friseure etc.). In bestimmten Situationen, in denen Masken unpraktisch sind, könnten Faceshields eine Alternative sein, da langes Maskentragen einerseits durch Durchfeuchtung weniger sicher wird und andererseits die Sauerstoffsättigung beeinträchtigt, was wieder andere gesundheitliche Probleme nach sich ziehen kann.

Ihre persönliche Meinung?

Binder: Persönlich würde ich solche Situationen aber lieber gänzlich meiden, als Faceshields einzusetzen. Aber gerade Lehrkräfte bzw. Schulträger, die jetzt ja zu Präsenzveranstaltungen gezwungen sind, könnten dadurch zumindest einen kleinen Beitrag zu etwas mehr Infektionsschutz leisten. Aber ganz klar: Nur durch ein Faceshield wird eine Unterrichtssituation nicht auf einmal sicher, was die Infektionsgefahr betrifft.

Interview: Simone Bronnhuber

Kontakt: FBBMTec@gmail.com oder Telefon: 0151/50505547

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