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Höchstädt

20.01.2019

Höchstädt: Weiblicher Charme und männliche Leidenschaft

Trio Fleurs mit der Sopranistin Annette Sailer traf im Schloss Höchstädt auf Pathos. Ein Auftritt mit einer Mischung aus weiblichem Charme und männlicher Leidenschaft. Ein musikalischer Kampf zwischen den Geschlechtern.
Bild: KOhout

Das Trio Fleurs trifft auf Pathos im ausverkauften Rittersaal des Höchstädter Schlosses. Mit dem Rittersaal hatte das Trio ein Problem.  

Ein fulminantes Konzerterlebnis voll weiblichen Charmes, männlicher Leidenschaft und mitreißendem Witz entstand durch gewagte musikalische Begegnungen zwischen den Geschlechtern im ausverkauften Rittersaal am vergangenen Sonntag. Dabei schlüpfte die Sopranistin Annette Sailer mit außerordentlicher Stimmkraft, facettenreichen Timbres und schauspielerischer Leichtigkeit in die Männerrollen des Rüpels Orlofsky aus der Operette „Die Fledermaus“, des schüchternen Jünglings aus Mozarts „Hochzeit des Figaros“ oder des koketten Kavaliers in Brahms’ „Feinsliebchen“.

Das Publikum im Schloss Höchstädt reagierte laut

Technisch tadellos umgarnte die Flötistin Sonja Lorenz-Bayer das Spiel der Geschlechter. Detailverliebt verlieh sie Mouquets „Pan et les Nymphes“, Robert Stolzes „Blumenlieder“ als auch Hollaenders „Kleptomanin“ außergewöhnliche und gewitzte Klangmomente. Der Farbenreichtum des Trios gipfelte im feinsinnig begleitenden und technisch hoch versierten Klavierspiel von Barbara Bartmann. Das Ausmaß ihrer vielfältigen musikalischen Fähigkeiten bewies sie nicht nur in Debussys „Mädchen mit den Flachshaaren“, sondern insbesondere, als sich das Damentrio nach Edith Piafs „Milord“ zur gemeinsamen Zugabe mit dem Münchner Pathos-Ensemble verabredete.

Entzückt über vokale Spitzen, instrumentale Persiflagen eines Blockflötenquartetts, zweier Saxofone und zweier Pianisten sowie tänzerischer Einlagen applaudierte ein euphorisches Publikum dem „Männer- und Frauentango“ aus der Feder des Pathos-Ensembleleiters Andreas Hirtreiter.

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Trio Fleurs kritisiert Rittersaal

Eben dieser läutete die zweite Konzerthälfte kabarettistisch gekonnt ein, indem er das Publikum zu behelligen versuchte, wie „unglaublich schmutzig“ es doch im Saal sei. Dem pflichteten seine beiden Mitstreiter eindringlich bei. Das Männergespann präsentierte sich instrumental, schauspielerisch als auch gesanglich als hervorragend aufeinander eingespielte Einheit. Mit Daniel Flores’ „Tequila“, Percy Wenrichs „Eine Reise ins Glück“ oder „Harlem Nocturne“ von Earle Hagen unterhielt Pathos genreübergreifend und herzerfrischend humorvoll die restlos begeisterte Zuhörerschaft. Gleichermaßen strahlend wie farbenreich und tiefgründig komplettierte die Sopranistin Priska Eser das Quartett.

Mit ihrem Auftritt bewegte sich die Formation über Brahms, Schubert und Mozart – bezaubernd lustig arrangiert sowie hervorragend dargeboten – zusehends dem Kampf der Geschlechter entgegen. Den programmatischen Höhepunkt bot Irving Berlins „Alles, was du kannst, das kann ich noch besser“. Hier lieferten sich Eser und Hirtreiter eine köstlich komische Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau, die schließlich versöhnlich endete mit Bernsteins „One Hand, one Heart“.

Am Ende des Konzerts sind alle glücklich

Stephan Reiser überzeugte mit all seinen Saxofonen auf ganzer Linie mit ideenreichen Improvisationen und klangschönen Soli. Unaufdringlich aber höchst konzentriert und omnipräsent fungierte der Pianist Max Hanft als ausgezeichneter Begleiter.

Ein runder Abend würde man denken, wäre da nicht diese Sache mit dem „schmutzigen Schloss“. Dieser gestreute Skandal löste sich als Späßchen zwischen den Akteuren und dem Kastellan des Hauses auf. „Blitzeblank und sauber: Zum Heiraten wie geschaffen!“, betonten die Künstler und stimmten damit nicht nur den Förderverein des Schlosses Höchstädt restlos glücklich. (pm)

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