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Höchstädt

14.09.2016

Höchstädt baut sein Wasserwerk zurück

Das Höchstädter Wasserwerk wurde 1962 gebaut. Im Jahr 1984 wurde zum letzten Mal größer renoviert.
Bild: Simone Bronnhuber

Der Stadtrat hat entschieden, künftig Trinkwasser von Rieswasser liefern zu lassen. Nicht alle sind mit dieser Entscheidung glücklich. Auch ansässige Unternehmen sind davon betroffen. Was das für den Bürger bedeutet.

Eines war klar: Die Stadträte um Bürgermeister Stefan Lenz haben schon viele Male darüber gesprochen, Vor- und Nachteile abgewogen und emotional darüber diskutiert. Denn auch wenn bei der Sitzung am Montagabend die Abstimmung schon nach knapp 30 Minuten eindeutig ausfiel, so hat die Entscheidung weitreichende Auswirkungen für die Stadt Höchstädt und seine Bürger. Lenz: „Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Zwei Jahre diskutieren wir darüber. Dies ist keine Entscheidung, die nur aus wirtschaftlicher Sicht gefällt werden kann. Aber wenn wir die Daten und Fakten abwägen, dann wird es schwierig sein, ein Wasserwerk in dieser Größe selbst zu betreiben.“ 17 seiner Räte stimmten zu, vier dagegen. Damit ist seit Montag klar: Die Stadt Höchstädt baut sein eigenes Wasserwerk zurück und schließt sich der Bayerischen Rieswasserversorgung an. „Das ist kein Status, vor dem man sich fürchten muss.“

Der Rathauschef erläuterte, dass diese Entscheidung schon überfällig sei, die wasserrechtliche Genehmigung zur Entnahme von Grundwasser ende am 31.12.2020. Eine Konzeptvorlage hätte schon 2014 erstellt werden müssen, eine entsprechende Verlängerung hätte man erhalten. Grundsätzlich habe es drei Varian-ten zur Diskussion gegeben: das städtische Wasserwerk sanieren, Wasserlieferung über Rieswasser und eine Lösung mit Bergheimer Ried finden – Letzteres wurde bei der Sitzung am Montag erst gar nicht mehr in den Pott geworfen. Die nackten Fakten sprechen eine eindeutige Sprache: Die Sanierung würde laut Bürgermeister Lenz insgesamt rund 1,1 Millionen Euro kosten, der jährliche Kostenbedarf belaufe sich auf 416160 Euro. Die Verbrauchsgebühr – bei unveränderter Grundgebühr – steigert sich von 1,02 auf 1,28 Euro pro Kubikmeter. Eine Steigerung auf 1,24 gibt es auch bei Variante zwei, für die sich das Gremium entschieden hat. Aber: „Wir bekommen einen Zuschuss, der viel bedeutet“, sagte Lenz. 1,5 Millionen Euro gibt der Bund dazu, wenn die Stadt Höchstädt das eigene Wasserwerk zurückbaut und sich Rieswasser anschließt. Dadurch, so die Berechnungen, bleibt circa eine Million Euro übrig, der jährliche Kostenbedarf wurde mit 404221 Euro ermittelt. Die Förderung steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem B16-Ausbau im Norden von Höchstädt. Denn: Mit dem Rückbau des Wasserwerks braucht es kein Wasserschutzgebiet mehr. Somit wird der Straßenausbau billiger, wie Lenz erklärte. „Das spricht auch für eine flotte Umsetzung der B16 im Norden.“ Außerdem sehe Lenz für die Stadt damit wieder mehr Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem sei der jetzige Flachbrunnen mit seiner geringen Deckschicht sensibel für Verunreinigungen. „Außerdem kennen wir Rieswasser. Wir haben in dem Zweckverband bereits einen Sitz. Wir haben nicht nur eine wirtschaftliche Verantwortung, sondern auch eine Verantwortung für Qualität und Sicherheit“, sagte der Rathauschef. Wobei er und seine Gremiumsmitglieder immer wieder betonten, dass das Trinkwasser für die Bürger in Höchstädt und den Stadtteilen qualitativ mehr als in Ordnung sei. Oberglauheim, Deisenhofen und Schwennenbach werden bereits von Rieswasser beliefert. Höchstädt und Sonderheim nun auch. Künftig, so Lenz weiter, werde nach wie vor die Stadt das Wasser verteilen und abrechnen. Geliefert werde es aber eben von Rieswasser.

CSU-Fraktionssprecher Ludwig Kraus sagte, dass seine Partei „schweren Herzens“ für diese Variante stimme, auch, weil „wir nicht abschätzen können, was für Anforderungen künftig an ein Wasserwerk gestellt werden“. Zudem sei Rieswasser ein bekanntes Unternehmen, mit dem man schon zusammenarbeite und das nicht profitgesteuert sei. „Ich sehe auch eine gewisse Erleichterung für die Landwirtschaft, wenn wir das Wasserschutzgebiet nicht mehr haben. Es gibt schon genug Einschränkungen“, so Kraus. Hans Mesch, der für die Freien Wähler und Junges Höchstädt sprach, war es auch wichtig, dass der Preis für die Bürger langfristig gesichert ist: „Der Wasserpreis wird deutlich steigen – so oder so.“ SPD-/FDP-Sprecher Wolfgang Konle sagte, dass der Anschluss zu Rieswasser die einzige richtige Entscheidung sei, vor allem, weil man die Entwicklung im Norden der Stadt nicht verhindern dürfe – dies unterstellte Konle den Umlandvertretern. Denn Armin Hopfenzitz sagte beispielsweise: „Jeder sollte Verantwortung für unser Wasser tragen. Ich finde, dass wir nachhaltig denken sollten und deshalb unser Wasserschutzgebiet behalten sollten.“ Fraktionssprecher Johann Jall sprach sogar davon, dass die „Zahlen alle schön gerechnet und geredet sind“. Seinen Berechnungen nach würde der Bürger, der von Rieswasser beliefert wird, aktuell 65 Prozent mehr für hundert Kubikmeter zahlen. Viel mehr beschäftigte ihn aber das Thema B16: „Einziger Profiteur ist die Stadt Höchstädt. Deisenhofen und Mörslingen sind die Leidtragenden. Mit dem Zuschuss von 1,5 Millionen Euro für das Wasserwerk sollte lieber nach dem Wohl der Bürger geschaut werden.“ Von der Entscheidung am Montag sind auch Höchstädter Unternehmen tangiert – allen voran die Wasserenthärtungsfirma Grünbeck. Wie unsere Zeitung erfahren hat, gab es im Vorfeld Gespräche mit den Verantwortlichen. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte Geschäftsführer Peter Lachenmeir, dass „Grünbeck seine Anforderungen definiert hat und darauf vertraut, dass die Stadtverwaltung und der Stadtrat diese berücksichtigen werden“. Zwar wurde es bei der Sitzung am Montag nicht offiziell angesprochen, aber laut Auskunft der Verwaltung habe sich die Stadt mit Rieswasser auf Hartwasser geeinigt.

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