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Stadtrat

18.04.2018

Höchstädter diskutieren: Wie gefährlich ist Glyphosat?

Der Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft ist umstritten – aber nicht grundsätzlich verboten. Es gibt klare Vorschriften und Regelungen, in welchen Mengen wer wie das Pflanzenschutzmittel einsetzen darf. Im Höchstädter Stadtrat wurde das Thema heiß diskutiert. Mit dem Ergebnis: Alles bleibt beim Alten.
Bild: Patrick Pleul/dpa

Von Krebsrisiko bis Kiebitz: Ein Antrag, viele Argumente und eine Kampf-Abstimmung in der Stadtratssitzung.

Es soll krebserregend und verantwortlich für das Insektensterben sein. Und wegen des Einsatzes von Glyphosat ist auch der Kiebitz im Garten von Wolfgang Konle verschwunden. Zumindest fragt sich der Höchstädter Stadtrat, warum der Vogel, der seit Jahren Gast bei ihm war, plötzlich nicht mehr da ist. Ein Grund, warum er gemeinsam mit seiner SPD-Fraktion den Antrag gestellt hat, dass in allen städtischen – einschließlich Hospitalstiftung – Pachtverträgen bei Neuverpachtung oder Verlängerung ein Glyphosat-Verbot festgeschrieben werden soll. Zudem soll der Bauhof generell auf das Pflanzenschutzmittel verzichten. Konle sagt am Montagabend bei der Sitzung: „Fakt ist, dass die Bienen verhungern. Fakt ist auch, dass das eine Folge von übermäßigen Gebrauch von Glyphosat ist. Das ist das, was wir als Verbraucher wahrnehmen.“ Mit seinem Antrag löst der Stadtrat eine hitzige Diskussion im Höchstädter Gremium aus – denn einige Ratskollegen sind ganz anderer Meinung.

Simon Wetschenbacher (Umland) beispielsweise erklärt ausführlich, dass es verschiedene Studien gibt, eine davon aussage, dass bei regelgerechter Anwendung es keine gesundheitlichen Bedenken gebe. Und: „Nachdem wir in die bestehenden Verträge nicht eingreifen können, sehe ich das als populistischen Antrag. Mehr nicht.“ Einfach zu sagen, dass Glyphosat krebserregend sei, sei für ihn ein Unding. Er hat den Vorschlag, es ähnlich wie die Nachbarn aus Tapfheim zu machen: mehr Blühstreifen. „Da kann man richtig helfen“, so Wetschenbacher. Ludwig Kraus (CSU) argumentiert ähnlich. Der Fraktionssprecher sagt, dass es keinen anderen Berufsstand als den der Landwirte gebe, bei dem so viele Unwissende reinreden würden. Er betont, dass es europäisches Gesetz sei, dass Glyphosat in bestimmten Mengen und nach vorgeschriebenen Regeln eingesetzt werden darf. „Wenn in Höchstädt dieses EU-Recht nicht mehr gilt, dann müssen wir auch das Rauchen in Höchstädt verbieten“, so Kraus.

Jan Waschke (SPD) kann diese Argumente nicht nachvollziehen, er wettert dagegen: „Wir haben klar gesagt, dass wir nicht in bestehende Verträge eingreifen wollen. Und ich bin mir sicher, dass wir keinen Landwirt mit solch einem Verbot zerstören. Das Thema war nicht ohne Grund das Thema in ganz Europa. Ich frage mich: Wie wird es kontrolliert? Was heißt umsichtiger Einsatz? Eine Kommune muss umdenken.“ Der Kommentar von Wetschenbacher: „Deine Aussage zeigt, dass du keine Ahnung hast.“ Der Stadtrat und Landwirt erläutert, dass die Auflagen streng sind, regelmäßig Kontrollen stattfinden, jede einzelne Rechnung aufgehoben werden muss. Alles müsse lückenlos nachgewiesen werden. Jan Waschke sagt dazu, dass er objektiv diskutieren könne, Wetschenbacher nicht. „Du musst deinen Berufsstand verteidigen. Man muss doch noch fragen dürfen. Wir wollen niemanden an den Pranger stellen.“

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Doch auch Annett Jung, Stadträtin aus Sonderheim und Kreisbäuerin, fühlt die Landwirtschaft angegriffen. Sie sagt, dass es unabhängige Prüf- und Kontrollbehörden gebe, die man nicht entwerten solle. Außerdem gebe es keinen Grund, diese Diskussion auf kommunaler Ebene auszutragen. „Wir Landwirte sind doch auch Verbraucher, stellt uns nicht immer unter Generalverdacht“, so Jung. Sie erläutert, dass in einer Krebsstudie der Einsatz von Glyphosat auf der gleichen Ebene wie etwa Kaffee und Friseur eingestuft worden sei. „Man sollte sich auch mal überlegen, welche Berufsgruppe man angreift“, sagt die Stadträtin. Außerdem sei man in Sachen Blühstreifen schon auf einem guten Weg. Siegfried Gumpp (Umland) sagt, dass er „gleich bockgrantig“ werde. Deutschland stelle die bestüberwachten Lebensmittel her.

Hans Mesch (Freie Wähler) habe im Vorfeld im Internet recherchiert. Er sei auf bekannte Firmen gestoßen, die Glyphosat-Einsatz verbieten. Er habe aber auch Gutachten mit unterschiedlichen Ergebnissen gefunden. Er spricht trotzdem von einem Zeichen in Richtung Umweltschutz. Und Wolfgang Konle ergänzt, dass es Städte gibt, die sogar in bestehende Verträge eingreifen. „Wir wollen es ja nicht mal so drastisch.“ Außerdem wehre er sich vehement gegen den Vorwurf des Populismus.

Bürgermeister Gerrit Maneth lässt sein Gremium ausgiebig diskutieren. Er erläutert, dass aktuell die städtischen Pachtverträge eine Laufzeit bis Herbst 2022 haben, der Bauhof sowieso kein Glyphosat verwende. Er habe auch Gespräche mit Landwirten geführt, in denen deutlich wurde, dass das Pflanzenschutzmittel sehr dosiert und nur eingesetzt werde, wenn es wirklich notwendig sei. Ihm wurde auch gesagt, dass der Einsatz im privaten Bereich wohl mehr ins Gewicht falle. „Und es gibt aktuell kein Alternativ-Produkt“, so Maneth.

Trotzdem, und das macht er bei der Abstimmung deutlich, folgt der Höchstädter Rathauschef dem Antrag der SPD – Verbot von Glyphosat bei neuen Pachtverträgen. Das wird aber nicht umgesetzt. Denn nach einer Kampfstimmung, die mit 11:10 ausgeht an diesem Abend, ist klar: Es ändert sich nichts für die Landwirte in Höchstädt und den Stadtteilen. Alles bleibt beim Alten. Glyphosat darf in Höchstädt weiter verwendet werden. Da ändert auch die letzte Frage von Wolfgang Konle nichts mehr: „Und warum ist jetzt mein Kiebitz weg?“ Eine Antwort bekommt er nicht.

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