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Verkehr

04.02.2012

Hoffen auf glückliches Ende einer fast unendlichen (Leidens-)Geschichte

Endlich Entlastung erhofft sich die Stadt Dillingen durch die Realisierung einer Ortsumfahrung der Bundesstraße 16. Im Bild der Blick im Westen der Stadt Richtung Lauingen, wo sich der Verkehr täglich durchquälen muss, aufgenommen diese Woche.
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Endlich Entlastung erhofft sich die Stadt Dillingen durch die Realisierung einer Ortsumfahrung der Bundesstraße 16. Im Bild der Blick im Westen der Stadt Richtung Lauingen, wo sich der Verkehr täglich durchquälen muss, aufgenommen diese Woche.
Bild: Foto: von Neubeck

Nächste Woche Entscheidung über Finanzmittel für B16 neu in Dillingen

Dillingen Jetzt wird es ernst, der Entscheidungsprozess um die Finanzierung der Ortsumfahrung Dillingen im Zuge der Bundesstraße 16, die sogenannte B16 neu, deren Trasse im Norden der Stadt längst Baurecht hat und für die bereits erste Brücken stehen, wird am Dienstag im Haushaltsausschuss des Bundestages entschieden.

Zwar hatte die „Süddeutsche Zeitung“ vermeldet, es gebe schon grünes Licht für Geld aus Bonn für Dillingen, doch Alfred Mosen vom Bundestagsbüro des Abgeordneten Ulrich Lange sagte gegenüber der Donau-Zeitung, dass erst am kommenden Mittwoch, 8. Februar, entschieden werde, ob es ausreichend Finanzmittel für Bayern gibt, wo bekanntlich die Dillinger Maßnahme inzwischen oberste Priorität genießt.

Ein Blick zurück: Das Thema Umgehung wird nicht nur in Dillingen, sondern auch in Gundelfingen, Lauingen und Höchstädt seit mehr als drei Jahrzehnten diskutiert. Dabei sei an einige Fakten erinnert.

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Wer kann sich heute noch an die sogenannte „Lemmrich-Trasse“ erinnern? Sie verlief laut Rechtsdirektor Bernd Nicklaser von der Dillinger Stadtverwaltung weit im Norden und umfuhr die Städte und ihre Ortsteile großräumig. Allerdings bestätigte auch Nicklasers Kollege Bernhard Schulz, dass die Trasse in keinem Flächennutzungsplan eingetragen war und irgendwann einmal versandete.

Anders war es mit der „Städtetangente“, die das jetzige Wohnbaugebiet Hausen exakt auf Höhe der Schultheißstraße durchschnitten hätte. Sie wurde offiziell im Oktober 1984 zu Grabe getragen. Vorausgegangen war ein Verkehrsgespräch im Dillinger Landratsamt, an dem neben den Experten des damaligen Straßenbauamtes Neu-Ulm auch die örtlichen Mandatsträger und Bürgermeister mit Landrat Anton Dietrich, Bundestagsabgeordnetem Karl-Heinz Lemmrich, Landtagsabgeordnetem Otto Meyer, Bezirksrat Georg Winter und die Stadtoberhäupter Peter Schweizer (Gundelfingen) und Martin Schermbach (Lauingen) teilnahmen. Dabei herrschte Einigkeit darüber, dass Lauingen, weil es am stärksten von Verkehr und Straßenlärm in der Innenstadt betroffen sei, am dringendsten eine Umgehung benötigt. MdB Lemmrich fand es sinnvoll, gleichzeitig die damalige Teilumgehung Gundelfingens anzuhängen, um die ganze Stadt samt Echenbrunn zu umfahren. Gleichzeitig machte Lemmrich als damaliger Vorsitzender des Verkehrsausschusses auch deutlich: „Mit der Stadt Dillingen muss eindeutig klargestellt werden, dass eine Umgehung Dillingens nicht gemacht wird.“

Nur wenige Tage später hieß es in der DZ „Dillingen begräbt Städtetangente“. Gemeint war die Streichung aus dem Flächennutzungsplan. Und weiter berichtete unsere Zeitung damals: „Länger debattiert wurde die Frage der Städtetangente im Bereich zwischen Hausen und Schretzheim, früher einmal als Fortsetzung von Lauingen bis Höchstädt gedacht. Dieter Schinhammer, Carl Hosch und Alois Keis schlossen sich der Meinung von OB Weigl an, dass es nicht angehe, Lauingen Entlastung im Schwerlastverkehr zulasten des Wohngebietes in Hausen zu bringen. Die vorgesehene Trasse (Schultheißstraße) soll deshalb nur als Hauptsammel- oder Erschließungsstraße vorgesehen werden. Ob Lärmschutzmaßnahmen dennoch notwendig sind, soll untersucht werden. Karl Christa hatte gemeint, man solle sich eine später möglicherweise notwendige Entlastungsstraße offenhalten. OB Weigl („Wir werden nicht für alle Zeiten auf eine Umgehung verzichten“) sagte, wenn in Lauingen die kleine Lösung mit Einmündung auf die B16 realisiert werde, sollte geprüft werden, ob Dillingen mit Höchstädt eine ähnliche Teillösung für Steinheim erreichen kann.“

Bevor es aus Gründen einer rascheren Realisierung zur sogenannten „Abkoppelung“ kam, war die Dillinger Maßnahme, die sich sehr schnell nach Realisierung der Maßnahme in Gundelfingen und Lauingen als Notwendigkeit erwies, weil der Verkehr immer mehr zunahm, bis er die heutige enorme Zahl von täglich bis zu 23 000 Fahrzeugen – darunter sehr viel überregionaler Schwerlastverkehr – erreichte, mit Höchstädt zusammengespannt.

1996 hatte der Dillinger Kreistag eine Resolution zu diesem Thema verabschiedet, in der es u.a. hieß: „Es ist nicht hinzunehmen, dass im Landkreis Dillingen in den kommenden Jahren überhaupt keine Bundesstraßen-Baumaßnahme abgewickelt wird, während in Nachbarlandkreisen stets mehrere Projekte realisiert werden“. Das Raumordnungsverfahren wurde schließlich noch für Höchstädt und Dillingen gemeinsam eröffnet. Doch da sich schnell abzeichnete, dass durch die Debatte in Höchstädt über Nord- oder Südtrasse ein langwieriger Entscheidungsprozess zu erwarten war, während in Dillingen alles für den Norden sprach, koppelte man sich 2005 schließlich ab.

Noch im Dezember 1999 hieß es in der Heimatzeitung: „Weigl: Dillingen muss B16 vielleicht selbst bauen“. Dies scheiterte jedoch nicht am Geld, sondern an der Rechtslage. Am 19. Februar 2000 titelte die DZ nach einem Besuch von OB Weigl und BM Gerhard Kornmann bei Bundesverkehrsminister Klimmt in Berlin: „Chancen für B16 stehen nicht schlecht“. Und wenige Tage später: „B16-Baubeginn im Jahr 2004 möglich“.

Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren gingen ab 2007 relativ rasch über die Bühne, aber es fehlte immer noch an der Mittelbereitstellung, obwohl Dillingen eine hohe Dringlichkeitsstufe erreicht hatte. Jetzt hofft man auch auf die Wirkung von rund 10000 Unterschriften, die OB Frank Kunz am Dienstag in Berlin an Staatssekretär Andreas Scheuer überreichen wird. "Kommentar Seite 25

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