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Landkreis Dillingen

24.01.2021

Homeschooling: Tipps von Lehrern aus dem Landkreis Dillingen

Besonders beliebt ist bei vielen Lehrern die Online-Plattform Padlet, erklärt Katrin Grün von der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen. Damit lässt sich die Woche für die Schüler übersichtlich mit bunten Notizen und Arbeitsaufträgen gestalten.
Foto: Christoph Lotter, Symbol

Plus Schüler vor dem Bildschirm zu motivieren, ist nicht leicht. Vier Lehrkräfte aus dem Landkreis Dillingen sprechen über ihre Lieblingsmethoden und verraten, welche Strategien bei den Kindern besonders gut ankommen.

Frontalunterricht, Lernvideos, Podcasts oder doch lieber interaktive PDF-Dokumente? Die Palette ist groß. Doch wie funktioniert eigentlich guter Distanzunterricht? Das ist eine Frage, die sich auch Katrin Grün, Referentin an der Dillinger Akademie für Lehrerfortbildung (ALP) stellt.

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie sind die Angebote zum digitalen Lernen dort besonders gut gefragt. Alleine an den zwei zusätzlichen Ferientagen vor Weihnachten, weiß Akademiedirektor Alfred Kotter, hatten über 30000 Teilnehmer die Plattform der Stabsstelle genutzt. „Wir stellen eine sehr hohe Fortbildungsbereitschaft bei den Lehrkräften fest“, sagt er. Neben einem speziellen Ferienprogramm an der ALP gibt es auch verschiedene Wochenprogramme und zeitunabhängige Selbstlernkurse.

Selbst an Weihnachten griffen Lehrer auf das Angebo der ALP in Dillingen zurück

Dass die Nachfrage gestiegen ist, beobachtet auch Grün. „Man merkt deutlich, dass die Beteiligung zugenommen hat“, erklärt sie. Hoch im Kurs stünde bei vielen Teilnehmern in diesen Tagen das E-Learning. Sogar an Weihnachten hätten motivierte Kollegen Selbstlernkurse freiwillig durchgeführt. Besonders gefragt, verrät sie, ist aktuell außerdem ein Kurs zum Thema Schüleraktivierung in virtuellen Räumen.

Auch im Distanzunterricht gebe es nicht nur den klassischen Lehrervortrag, sondern viele weitere Möglichkeiten, um die Schüler anzusprechen. Wortmeldungen, Chat-Funktionen oder das Arbeiten in speziellen Online-Gruppenräumen nennt sie hierzu als Beispiele. „Ein ganz einfacher Trick ist es, Schüler direkt mit ihren Namen anzusprechen“, rät sie. Ebenso könnten kleine Bildimpulse oder Rätsel die Schüler bei Laune halten.

Dass sich Lehrer gegenseitig unterstützen, empfiehlt einer vom Dillinger Sailer-Gymnasium

Besonders wichtig sei auch, regelmäßig Rückmeldungen von den Schülern einzuholen. Das gehe ganz einfach über klassische Emojis im Text, beispielsweise ein lachendes Gesicht, einen Daumen hoch oder einen rauchenden Kopf. „Der Unterricht im virtuellen Raum ist für viele so anstrengend, weil die soziale Interaktion fehlt“, erklärt Grün. Deshalb sei auch die Video-Funktion so wichtig. Bei ihrer eigenen Tochter könne sie beobachten, wie gut es den Kindern gefalle, wenn alle ihre Kameras anschalten dürften.

Noch ein Tipp aus Dillingen: Einzelgespräche

Nicht jedem Lehrer falle der digitale Distanzunterricht leicht, weiß Grün. „Ich sehe in der Praxis alles – von blutigen Anfängern bis hin zu richtig motivierten Kollegen“, sagt sie. Umso wichtiger ist es, dass sich die Lehrer untereinander unterstützen, weiß Stephan Seiler vom Dillinger Sailer-Gymnasium. Im zweiten Lockdown, sagt er, klappe vieles schon deutlich besser. Den Kontakt zu seinen Schülern vermisst der Lehrer, der seit 19 Jahren in Dillingen unterrichtet am meisten. Er sagt: „Der Mensch sollte im Vordergrund stehen, nicht die Technik.“ Deshalb setzt der Pädagoge auf Einzelgespräche in seinen Unterrichtsfächern Deutsch und Religion. „Das frisst zwar viel Zeit, ist aber tatsächlich eine echte Chance, die sich digital besser umsetzen lässt“, betont er.

Verpflichtend ist es an seiner Schule nicht, bei der Videokonferenz die Kamera anzuschalten. „Das lassen wir den Schülern frei“, sagt er. Die Mimik sei zwar wichtig, um zu erkennen, ob der Stoff verstanden wird, doch gleichzeitig soll die Privatsphäre der Schüler geschützt sein. Im Vordergrund steht vor allem die Kommunikation. In einer Runde mit der Klasse frage er deshalb regelmäßig, wie es läuft, ob die Arbeitsbelastung passt und ob es Schwierigkeiten gibt.

Eine Lauinger Realschullehrerin meint: Alles ist besser als stupides Abschreiben

Gerade im Distanzunterricht müssten die Schüler stärker motiviert werden. „Fach und Stoff sind erst einmal egal – wichtig ist der Lehrer“, sagt Seiler. Er selbst, gibt er zu, sei streng und kontrolliere, ob seine Schüler ihre Aufgaben auch machten. Ist das nicht der Fall, schreibt er sie an und fragt konkret nach. „Es wird zwar oft belächelt, aber manchmal ist es, gar nicht so schlecht zum Telefonhörer zu greifen“, ergänzt der Pädagoge und lacht. Das persönliche Gespräch könne eine E-Mail nun einmal nicht ersetzen.

Dass der Kontakt und die Kommunikation mit den Schülern wichtig sind, findet auch Sinah Gottzmann, die seit diesem Schuljahr an der Lauinger Realschule unterrichtet. Die Pädagogin sagt: „Ich finde es sehr schwer, weil der soziale Aspekt im Distanzunterricht oft fehlt.“ Einige Schüler würden so leicht durch das Raster fallen. Deshalb sei es umso wichtiger, dass die Lehrkräfte oft nach Rückmeldungen fragen und auch Lob verteilen. Die Lehrerin für Chemie und Biologie setzt bei ihrem eigenen Unterricht auf eine gute Abwechslung an Materialien und Methoden, verrät sie. Videos, aber auch Audiomaterial, das die Schüler anhören könnten, um anschließend Aufgaben zu bearbeiten, kommen bei ihr zum Einsatz. „Alles was nicht stupides Abschreiben ist, wird ausprobiert.“

Macht doch mal einen Versuch zuhause, sagt eine Lehrerin aus Lauingen

Dass in Chemie die Versuche ausfallen müssen, stimmt sie traurig. In der Hoffnung, dass bald wieder Präsenzunterricht möglich ist, hat sie nun die trockeneren Themen im Lehrplan vorgezogen. Auch an der Lauinger Realschule müssen die Kinder bei Video-Konferenzen das Bild nicht anschalten. Gottzmann sagt aber: „Gerade die Fünftklässler freuen sich ungemein, wenn man endlich wieder alle Gesichter einmal sieht.“

Doch nicht jede Klasse und jeder Schüler mag die gleichen Methoden und Medien, weiß ihre Kollegin Rebecca Zeitlmann. Seit drei Jahren unterrichtet die Pädagogin Mathe und Physik in allen Jahrgangsstufen. „Ich habe im Lockdown viel mit Erklärvideos experimentiert“, erklärt sie. Bei einigen Schülern komme das gut an. Gerade auch weil sie noch einmal zurückspulen könnten. Andere, sagt sie, würden aber lieber gleich Fragen stellen und bevorzugten einen Videounterricht. „In Mathe versuche ich deshalb immer, zu den Unterrichtszeiten auch digital eine Stunde zu halten“, sagt sie. Der Nachteil sei aber, dass es dabei ganz schnell zum Frontalunterricht kommt, wenn keiner Fragen stellt.

Lauinger Lehrerin lobt: "Schüler sind tolerant und machen vieles mit."

Ein bisschen Abwechslung bringt da der ein oder andere Heimversuch, beispielsweise im Physikunterricht. „Beim Thema Elektrostatik habe ich die Schüler beispielsweise zuhause mit Plastiklöffeln, Salz, Pfeffer und einem Pulli experimentieren lassen“, erklärt sie. Wenn der Löffel vom Pullover elektrostatisch aufgeladen ist, könnten die Kinder sehen, wie er anschließend den Pfeffer anziehe. Selbst in Mathe gibt es lockere Unterrichtsmethoden. Beispielsweise Würfelspiele mit der Familie, um das Bruchrechnen zu verstehen.

Damit der Unterricht klappt, versammelt sich das Kollegium regelmäßig zu Video-Sprechstunden. Dann, so Zeitlmann, werde die ein oder andere neue Methode ausprobiert. Der Austausch mit anderen Lehrkräften schätzt auch ihre Kollegin. Gottzmann sagt: „Es gibt viele Plattformen, wo man ganz einfach Ideen finden kann.“ Generell, so ihr Tipp, solle man einfach ausprobieren, was funktioniert und was nicht.

Die Schüler, lobt sie, seien tolerant und würden vieles mitmachen. Zuletzt hatte sie beispielsweise interaktive PDF-Dokumente mit Erfolg in ihrem Unterricht eingesetzt. Pauschal, könne man nicht sagen, was guten Unterricht ausmache, ergänzt Zeitlmann. „Es kommt immer auf die Lehrkraft, die Kinder und das Thema an – das gilt sowohl für den Unterricht im Klassenzimmer, als auch in den eigenen vier Wänden.“

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