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Zeitzeugen

11.11.2013

Im Fadenkreuz der Stasi

Thomas Lukow ließ die Schüler am St.-Bonaventura-Gymnasium an seiner Vergangenheit teilhaben.
Bild: Gratzl

Thomas Lukow sprach vor Schülern über die DDR-Diktatur und seine Zeit als politischer Gefangener

Dillingen Thomas Lukow besuchte im Rahmen einer Vortragsreihe der Hanns-Seidel-Stiftung das St.-Bonaventura-Gymnasium in Dillingen. Vor Schülern der neunten bis elften Jahrgangsstufe sprach der ehemalige Stasi-Häftling in fesselnder und anschaulicher Weise über das Aufwachsen in der DDR-Diktatur und seine Zeit als politischer Gefangener in Bautzen.

Gewohnt humorvoll und durch exklusives Bildmaterial unterstützt machte Lukow den Schülern klar, dass man in der DDR für ganz alltägliche Dinge wie das Hören bestimmter Musik verfolgt werden konnte. Das ganze System sei von Kindesbeinen an auf Manipulation und Unterordnung ausgerichtet gewesen. So habe man etwa in der Schulzeitung und im Geschichtsunterricht das Feindbild eines imperialistischen, kriegstreibenden Westens vermittelt bekommen. Auch sei es nicht möglich gewesen, ohne Mitgliedschaft in der Jugendorganisation FDJ das Abitur zu erlangen. Falls man sich jedoch eingegliedert habe, sei auch eine glänzende Karriere als SED-Parteifunktionär, verbunden mit Privilegien wie Reisepässen oder großzügigen Villen, inmitten des Arbeiter- und Bauernstaates möglich gewesen.

Wegen versuchter Republikflucht zu 20 Monaten Haft verurteilt

Lukow selbst, der durch seinen Austritt aus der FDJ sowie gemeinsames Musizieren mit heutigen Mitgliedern der Gruppe Rammstein ins Fadenkreuz der Stasi geriet, wurde wegen versuchter Republikflucht zu 20 Monaten Haft verurteilt. Ziel des Vollzugs sei es gewesen, nonkonforme Jugendliche wie ihn zu erziehen und zu einem unkritischen Mitglied der Gesellschaft zu formen. Am Ende ergab sich für die Zuhörer das abschreckende Bild eines Staatssystems, das gezielt die Schwächen von Personen ausnutzte, um sie mit den Mitteln der Unterdrückung und Verleumdung – jeder im eigenen Umfeld konnte schließlich ein Spitzel der Stasi sein – auf einer Linie mit den Vorgaben der herrschenden Partei SED zu halten. Für die Schüler bedeutete der Vortrag von Lukow ein Stück lebendigen Geschichtsunterrichts, wie er nur von Zeitzeugen zu vermitteln ist. (pm)

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