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Straßenserie

24.08.2018

Im Herzen von Wertingen

Ob als Brauerei- oder Bürgermeister: Fritz Carry bedeutete viel für die Wertinger

Fritz Carry ist der Brauereimeister. Eine Straße ist nach ihm benannt – aber das hat einen anderen Grund

Im Herzen von Wertingen liegt die Fritz-Carry-Straße. Fragt man heute, wer dieser Fritz Carry überhaupt war, fällt er vielen wohl zuerst als Brauereimeister ein. Tatsächlich war er jedoch viel bedeutender.

Wichtig ist die Brauerei für seine Geschichte aber trotzdem: Nachdem sein Vater Johann Carry 1880 die Bierbrauerei „Zum Schwan“ in Wertingen erwarb, konnte die lange Tradition der Brauerei Schwanenbräu so richtig beginnen. Fritz Carry heiratet 1919 Anna Koch, die Tochter der Brauerei „Zum Grünen Baum“ und erweiterte die Brauerei so. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Schwanenbräu der einzige Wertinger Braubetrieb. Fritz Carry erwies sich als geschickter Geschäftsmann: Schon 1921 wird die alte Baustätte zu klein und das Geschäft wird in den ehemaligen Tanzsaal verlegt. Doch die größten Verdienste um die Stadt Wertingen erwarb Carry auf andere Weise.

Am 15. Juni 1945 wurde Fritz Carry im Alter von 56 Jahren von der US-Militärregierung als neuer Bürgermeister eingesetzt. „Der alte Bürgermeister, Alois Schmid, wurde seines Amtes enthoben. Jetzt suchte man jemanden, der sowohl nicht von den Nationalsozialisten vorbelastet als auch öffentlich bekannt war. Fritz Carry war der perfekte Kandidat“, erklärt Johannes Mordstein, der Wertinger Stadtarchivar. Da er die Brauerei Schwanenbräu leitete, kannte Fritz Carry in Wertingen fast jeder und auch in seinem ersten Amtsjahr konnte er überzeugen. Dementsprechend deutlich gewann er auch die ersten Kommunalwahlen 1946: Er erhielt 998 von 1004 der abgegebenen Stimmen, insgesamt also über 99 Prozent. Zwei Jahre später konnte er die Wahlen wieder mit großer Mehrheit für sich entscheiden.

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Die Nachkriegszeit erwies sich als sehr schwierig: So musste Fritz Carry beispielsweise mit Lebensmittelknappheit und Wohnungsnot klarkommen. Die vielen Heimatvertriebenen, die in Wertingen eine neue Heimat suchten, mussten ebenfalls integriert werden. All diese Probleme meisterte der Brauereibesitzer jedoch vorbildlich und blieb den Wertinger Bürgern so im Gedächtnis.

Fast bis zum Ende seines Lebens blieb Fritz Carry Bürgermeister. Nur sechs Jahre nach seinem Amtsabtritt 1952 starb er im Alter von 69 Jahren, nicht bevor ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde. Heute hängt ein Porträtfoto, das ihn darstellt, im Sitzungssaal des Wertinger Schlosses.

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