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Sexueller Missbrauch

26.10.2012

Im Jahr 2011 22 Fälle 

Zu elf Monaten Haft wurde jetzt in Dillingen ein Exhibitionist verurteilt, der sich vor Kindern selbst befriedigte. Die DZ sprach dazu mit Peter Timko über Sexualstraftaten im Landkreis Dillingen.

Wie häufig wird sexueller Missbrauch im Landkreis zur Anzeige gebracht?

Timko: Wir haben natürlich nur Zahlen aus dem Hellfeld und aus 2011. Wir mussten in unserem Zuständigkeitsbereich 57 Fälle, das sind etwa zehn Prozent unserer Gesamtstraftaten, von „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ bearbeiten. Zu diesen Straftaten gehören Vergewaltigung, sexuelle Missbrauchstaten gegen Kinder, Schutzbefohlenen, Widerstandsunfähiger usw. Eigentlich sind vom normalen Sprachgebrauch her alle Fälle Missbrauchstaten. Zu unserem Zuständigkeitsbereich gehören die Landkreise Donau-Ries und Dillingen. Ich habe den Eindruck, dass dies, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir ganz sicher nicht alles erfahren und wir auf dem flachen Land leben, viel zu viele Straftaten sind.

Mit welchen Fällen haben Sie am meisten zu tun?

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Timko: Ein sehr großer Anteil der Fälle sind Beziehungstaten, das heißt Täter und Opfer kannten sich.

Wie alt sind die Opfer?

Timko: Kommt natürlich auf die Straftaten an. Bei sexuellem Missbrauch von Kindern sind die Opfer natürlich Kinder. Im Jahr 2011 waren dies 22 Fälle! Ich würde sagen, dass die Mehrzahl der Opfer minderjährig sind. Aber – wie gesagt – wir reden nur vom Hellfeld.

Ist diese Zahl im Vergleich zu anderen Landkreisen hoch?

Timko: Wir leben ganz sicher nicht auf einer Insel der Glückseligen, aber wir leben immer noch in einem „Land“-kreis. Im Vergleich zu anderen Kreisen sind wir Durchschnitt, aber eben immerhin Durchschnitt. Wenn ich die Lage z.B. in der Stadt Augsburg beobachte, dann fällt auf, dass die Taten, dass jemand von einem völlig Fremden angegangen wird, bei uns echt die Ausnahme sind.

Thema Dunkelziffer: Kann man dies spezifisch auf den Landkreis Dillingen grob beziffern? Was denken Sie?

Timko: Das wäre Scharlatanerie, wenn man da konkrete Aussagen machen wollte. Es gibt sicherlich sogenannte Dunkelfelduntersuchungen. Doch sind mir solche für unseren Kreis nicht bekannt. Hier kann man auch nur eine „gefühlte“ Aussage machen: Wir stellen immer wieder fest, dass man bei Bekanntwerden einer Tat und den darauf geführten Ermittlungen nicht selten auf Altfälle und weitere Geschädigte aus dem Umfeld stößt. Wenn man sich das vor Augen hält, dürfte die Dunkelziffer nicht zu klein sein.

Wenn Anzeige erstattet wird, wie geht es dann weiter?

Timko: Schutz- und Kriminalpolizei arbeiten nach einem Zuständigkeitskatalog. Diese Straftaten fallen alle unter die Zuständigkeit der Kriminalpolizei. Man kann also als Betroffene/Betroffener bei jeder Polizeidienststelle Anzeige erstatten. Nach der Anzeige können kommen: ärztliche Untersuchungen, Vernehmungen bei der Polizei, Richter, Gutachter, Gerichtsverhandlung. Wir haben zwar die Möglichkeit, Videovernehmungen in einem kindgerechten Umfeld durchzuführen, doch gibt es keine Garantie, dass das Opfer seine Leidensgeschichte nicht mehrfach erzählen muss.

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