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Lauingen

16.09.2020

Im Lauinger Fundbüro wartet dieser süße Teddybär

Marion Ranftler arbeitet seit 1992 im Lauinger Rathaus und ist unter anderem für das Fundbüro zuständig. Der kleine Teddybär und die hochwertige Digitalkamera liegen dort gerade und warten auf ihre Besitzer.
Bild: Simone Bronnhuber

Plus Marion Ranftler bewahrt derzeit im Lauinger Fundbüro dieses kleine Stofftier auf. Auch eine Kamera und ein Ehering liegen dort. Und sogar ein Wellensittich hat im Rathaus schon auf seine Besitzer gewartet.

Geldbeutel oder Schlüsselbund – ruckzuck verliert man solche Gegenstände. Aber auch das Handy bleibt vielleicht mal versehentlich am Badesee liegen und ein Geldschein flattert hin und wieder auch mal vor dem Supermarkt auf den Boden. Und dann? Dann beginnt die verzweifelte Suche, die immer mit der Frage beginnt: Wo war ich zuletzt? Nach erfolgloser Suche gibt es noch eine Möglichkeit: Fundbüros. Völlig unterschätzt, aber in den Rathäusern und Verwaltungsgemeinschaften fester Bestandteil. In loser Reihenfolge spitzeln wir in den nächsten Wochen in die Fundbüros im Landkreis Dillingen und schauen, was dort auf seine Besitzer wartet.

Liebevoll hält Marion Ranftler den kleinen Teddybären in ihren Händen. Sie dreht das Stofftier hin und her und zupft das rote Strickkleid, das es anhat, zurecht. „Das wäre mir wirklich eine Herzensangelegenheit, wenn der Besitzer sich melden würde“, sagt sie und lächelt. Im Juli ist der hellbraune Teddybär in einem Lauinger Geschäft gefunden worden. Seither passt Marion Ranftler auf ihn auf. Sie ist im Lauinger Rathaus unter anderem für das Fundbüro zuständig – und schon lange. 1992 hat sie die Ausbildung in der Lauinger Verwaltung absolviert und ist seit jeher im Bürgerbüro tätig.

Nach einem halben Jahr wird ausgeräumt

Über ihren Schreibtisch sind schon so einige Fundsachen gewandert oder liegen geblieben. Aktuell, so erzählt sie, ist sehr wenig im Lauinger Rathaus, was auf seine Besitzer wartet. „Ein paar Fahrräder im Keller und eine Handvoll Sachen im Schrank. Mehr ist gerade nicht da. Aber ich schaue immer, dass ich auf dem Laufenden bin“, erzählt Marion Ranftler.

Im Lauinger Fundbüro wartet dieser süße Teddybär

Heißt: Wenn das halbe Jahr, so lange müssen Fundsachen aufbewahrt werden, verstrichen ist, räumt die Rathausmitarbeiterin aus. Wenn die Finder keinen Anspruch haben, werden Räder beispielsweise an soziale Einrichtungen gespendet oder aufgrund des schlechten Zustandes gleich entsorgt. Aus ihrer Erfahrung weiß sie, dass ab einem gewissen Zeitraum Fundsachen nicht mehr gesucht werden. Bei dem kleinen Teddybären hat sie die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. „Der sieht schon gebraucht aus, also vielleicht vermisst ihn ja ein Kind. Es wäre sehr schön, wenn der Teddybär wieder bei uns abgeholt wird“, sagt sie lächelnd.

Die Mitarbeiter sind wahre Spurenleser

Schwieriger gestaltet sich die Suche nach dem Besitzer einer hochwertigen Digitalkamera, die an den Lauinger Bahnschranken gefunden wurde. Radtouristen oder Bewohner aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus könnten sie dort verloren haben. Selbst die Bilder, die gespeichert sind, helfen nicht weiter. „Im Fundbüro ist man auch ein wenig Detektiv und muss schauen. Aber es sind nur ein paar wenige Landschaftsaufnahmen zu sehen. Und die kann ich auch nicht örtlich zuordnen“, sagt Marion Ranftler.

Dabei ist ihr – und damit der von vielen Bürgern – Vorteil, dass sie auch Lauingerin ist. So manche Fundsache bleibt deshalb nicht lange im Rathaus, „weil ich es teils schnell weiß, wem das gehören muss“. Und weil die Mitarbeiter im Fundbüro wahre Spurenleser sind.

Ein Beispiel: Wird in einem Geldbeutel eine Terminkarte etwa bei einem Arzt gefunden, dann rufen die Lauinger Fundbüro-Mitarbeiter dort an und vermitteln. „Ich würde mich auch freuen, wenn ich meine Sachen wieder bekomme“, sagt Ranftler.

Ein Wellensittich landete im Fundbüro

Denn, so auch ihre Erfahrung, die Mentalität habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Längst nicht mehr alles, was gefunden werde, werde auch abgegeben. Bargeld oder teure Handys findet man deshalb bei ihr im Büro nur noch wenig bis selten. Seit ein paar Wochen liegt neben Teddybär und Digitalkamera auch ein Ehering im Schrank von Marion Ranftler – silbern und definitiv für einen Männerfinger gedacht. Es gibt sogar eine Gravur: 11.9.99. Und ein Vorname ist zu sehen, aber schwierig zu lesen. „Ich kann leider nur den Anfangsbuchstaben erkennen und das ist ein R.“ Gefunden wurde der Ring am Lauinger Auwaldsee. Ob es ein Happy End bei dieser Fundsache gibt? „Ich wünsche mir das immer. Die Geschichten, wie und wo jemand was verloren hat, sind teilweise wirklich nett oder witzig. Und ja, oft denke ich mir, das könnte mir auch passieren“, sagt sie. Autoschlüssel, Brieftasche, Turnbeutel und Co. sind – wie in jedem Fundbüro im Landkreis Dillingen – auch in Lauingen Klassiker.

Ein Vogel aber nicht. Was? „Ja, wir hatten mal einen Vogel im Rathaus“, erzählt sie lachend. Mindestens 20 Jahre müsse es her sein. Ein Wellensittich hat sich verflogen und ist im Fundbüro gelandet. Ein paar Tage sei er da gewesen, Ranftler und ihre Kollegen haben sogar Käfig und Futter besorgt. Irgendwann haben sich die Besitzer gemeldet. „Wir fanden es fast schon schade, wir hätten uns an den Bürovogel gewöhnt.“

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