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Wertingen

08.09.2019

Im Schock ein Lichtblick: Die Feuerwehr ist da

So sah der Wagen von Magdalena Keiß am 1. April dieses Jahres aus. Der jungen Frau war ein Wagen samt Anhänger entgegengekommen, der ins Schleudern geriet und mit voller Wucht in die Seite ihres Autos prallte.
Bild: Feuerwehr Gottmannshofen

Plus Magdalena Keiß fährt von der Arbeit in Neusäß zurück nach Gottmannshofen. Da prallt ein Anhänger mit voller Wucht in ihr Auto.

Die Freiwillige Feuerwehr ist eine besondere Einrichtung. Ehrenamtliche sperren Straßen, schneiden Autos auf, retten daraus Verletzte, löschen Brände. Wie vielen Vereinen fehlt auch der Feuerwehr der Nachwuchs. Am 21. und 22. September findet zum ersten Mal ein schwabenweiter Feuerwehrtag statt. Auch die Feuerwehren im Kreis Dillingen beteiligen sich daran. In einer Serie stellen wir Menschen vor, die dankbar sind, dass es die Ehrenamtlichen gibt.

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„Das ist doch der Rob“, ist der erste Gedanke von Magdalena Keiß. Sie kennt den Feuerwehrmann, der an ihrem Auto steht, und ist beruhigt. An das, was unmittelbar davor passiert ist, kann sich die junge Frau nicht mehr erinnern. Nur an die Rettung.

Eine dramatische Rettung durch die Feuerwehr

Die 21-Jährige arbeitet als Floristin in Neusäß im Landkreis Augsburg. Am 1. April, abends gegen 20 Uhr, fährt sie von Hohenreichen, wo ihr Pferd steht, nach Hause nach Gottmannshofen. Dabei kommt ihr ein Wagen mit Anhänger entgegen. Der Anhänger voller Bauschutt gerät ins Schlingern. Und prallt mit voller Wucht in die Fahrerseite des roten Kleinwagens, in dem die 21-Jährige sitzt.

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Thomas Schuhwerk, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Gottmannshofen, erinnert sich an den Einsatz: Die Alarmierung erfolgt gegen 20.13 Uhr durch die integrierte Leitstelle Augsburg mit dem Stichwort „Verkehrsunfall – Person eingeklemmt“. Einsatzort ist in Gottmannshofen die Hohenreicher Straße. Alarmiert werden die Feuerwehren Gottmannshofen, Wertingen, der First Responder der Feuerwehr Gottmannshofen sowie der Rettungsdienst mit Notarzt und die Polizei. Im Laufe des Einsatzes wird noch die Feuerwehr Hohenreichen nachalarmiert, um bei der Verkehrsregelung zu unterstützen.

Einer, der als Erster am Unfallort auftaucht, ist Bastian Beck, Teamleiter der First-Responder-Gruppe Zusamtal. „Ich war nur 300 Meter Luftlinie von dem Unfallort entfernt“, erzählt der Erste Vorsitzende des Fördervereins First-Responder Zusamtal. Kaum vor Ort, ruft er die Leitstelle an, die ihrerseits die Feuerwehr informiert, denn: Der Hänger klemmt noch am Auto und steckt gleichzeitig im roten Kleinwagen fest. Beck gibt Bescheid, dass in dem Wagen eine Frau eingeklemmt ist. Die Feuerwehr bringt entsprechendes Werkzeug mit.

Magdalena Keiß hatte einen schweren Autounfall. Vor Ort war Bastian Beck, Teamleiter der First-Responder-Gruppe Zusamtal (links), rechts Thomas Schuhwerk, Kommandant der Gottmannshofer Feuerwehr.
Bild: Feuerwehr Gottmannshofen

Magdalena Keiß kennt den Unfallhergang nur aus der Erzählung

Magdalena Keiß kennt den Unfallhergang nur aus Erzählungen. „Ich war nie bewusstlos, aber der Körper verdrängt das wohl irgendwie. Zum Glück“, sagt die junge, zierliche Frau. Die begeisterte Reiterin erinnert sich noch daran, dass der Notarzt neben ihr sitzt und eine Decke über ihr liegt. Damit sie bei den Arbeiten der Feuerwehrleute nicht von Splittern getroffen wird. Von dem Moment an, wo sie den Feuerwehrmann Rob erkennt, bis sie schließlich vorsichtig in den Krankenwagen gehoben wird, vergehen 45 Minuten.

Die Feuerwehren sichern die Einsatzstelle ab, regeln den Verkehr, stellen den Brandschutz sicher und unterstützen den Rettungsdienst bei der Erstversorgung des Unfallopfers. Außerdem befreien sie die eingeschlossene Frau aus ihrem Fahrzeug, zählt Schuhwerk auf. Da die Verletzungen von Magdalena nicht lebensbedrohlich sind, erfolgt in Abstimmung mit dem Rettungsdienst eine schonende Rettung, eine sogenannte patientenorientierte Rettung. Die Füße der jungen Frau sind unter den Pedalen eingeklemmt. Die Fahrerseite des Wagens ist durch den Anprall des anderen Autos so deformiert, dass die Tür nicht mehr geöffnet werden kann. Zudem hat sich der Anhänger des anderen Autos im Bereich des linken Kotflügels vom Auto der 21-Jährigen verkeilt, was die Rettung noch etwas erschwert. Die Wertinger Feuerwehr öffnet die Fahrerseite mit hydraulischem Rettungsgerät (Schere, Spreizer). Die Pedale werden weggezogen, sodass die 21-Jährige schonend aus ihrem Wrack befreit und dem Rettungsdienst übergeben werden kann.

Der gesamte Einsatz dauerte etwa zwei Stunden. Die Feuerwehren waren mit 44 Einsatzkräften und acht Fahrzeugen vor Ort. „Wenn ich nicht so klein wäre, hätte es bestimmt noch länger gedauert“, weiß die junge Frau inzwischen. Mit einem Handbruch und Verletzungen am Schienbein wird die 1,60 Meter große Floristin ins Krankenhaus gebracht. Am nächsten Tag darf sie nach Hause. Da hatte sich der Unfall längst herumgesprochen: Magdalena Keiß hat Dutzende Nachrichten auf dem Handy, Bekannte rufen die Eltern an, erkundigen sich besorgt nach ihr. „Das war richtig süß. Meine Mutter konnte vor lauter Aufregung gar nichts sagen. Aber ein Freund von mir von der Feuerwehr hat es dann erklärt. Man kennt sich ja.“ Die Familie Keiß lebt seit Generationen im Wertinger Stadtteil Gottmannshofen. Die 21-Jährige ist in der Pfarrjugend aktiv, singt im Chor und spielt in der Blaskapelle. „Viele sind gleich in mehreren Vereinen aktiv, daher kennt man sich.“ So kam es auch, dass Familie Keiß ein baugleiches Auto mit Motorschaden der Feuerwehr für eine Jugendübung schenkte und Tochter Magdalena dazu eingeladen wurde. Die hatte keine Probleme damit, sondern war im Gegenteil total begeistert: „Es ist wirklich krass, wie gut so ein Auto hält. Und welche Kräfte da wirken. Und wie schwer die Rettungsschere ist. Die könnte ich gar nicht halten.“

Es bleiben nur Narben - kein Groll gegen den anderen Fahrer

Nach dem Unfall konnte sie drei Wochen lang nicht Auto fahren. Das klappt wieder, angstfrei. Den Bruch in der Hand spürt sie heute noch. „Und ich habe Narben am Schienbein, weil die Wunde offen war. Da bleibt halt was“, sagt sie nüchtern. Als Zeugin habe sie bei der Polizei kaum Angaben machen können, weil sie sich an den Unfall nach wie vor nicht erinnert.

Um die gerichtliche Aufarbeitung kümmert sich ein Anwalt. Gegen den anderen Fahrer hegt die junge Frau keinen Groll. „Er hat es ja nicht mit Absicht gemacht, er war auch nicht betrunken. Ich möchte nur, dass die ganzen Arztkosten bezahlt werden.“

Aktion Bei dem Aktionstag „Reinschauen bei deiner Feuerwehr“ am Sonntag, 22. September, findet in Gottmannshofen ein Infonachmittag für interessierte Jugendliche ab zwölf Jahren statt. Primäres Ziel ist es, Nachwuchs für die Jugendfeuerwehr aus den Stadtteilen Gottmannshofen, Reatshofen und Geratshofen zu gewinnen. Beginn ist um 14 Uhr, das Ende gegen 17 Uhr. Die Feuerwehr wird die infrage kommenden Jugendlichen im Vorfeld persönlich bei einer „Von-Haus-zu-Haus-Aktion“ zu dem Infonachmittag einladen. Alle Bürger sind willkommen. Die Feuerwehr Wertingen veranstaltet am gleichen Tag von 13 Uhr bis etwa 18 Uhr einen Tag der offenen Tür mit verschiedenen Attraktionen wie Fahrzeugausstellung, Feuerlöscherausbildung, Wasserspritzen, Mohrenkopfschleuder und einer Einsatzübung. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen.

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